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Shinedown, Those Damn Crows
02.11.2026, Alcatraz, Mailand
In einem Jahr voller großer Konzerthighlights sollte die heiß ersehnte Shinedown-Show in Mailand der krönende Abschluss werden. Dank des Wettergottes, des geliebten, bewährten und nie enttäuschenden Italien-Flairs, der ehrwürdigen Mailänder Innenstadt und einer unfassbar gut gelaunten, energiegeladenen sowie enorm heavy aufspielenden US-Band wurde der Allerseelentag 2026 zu einem der besten Tage des Jahres – veredelt von einer der stärksten Liveshows der letzten Zeit!
Beginnen wir von vorne! Bereits zum zweiten Mal cruist das Darkscene-Mobil in diesem Jahr nun also in die stolze Nachbarmetropole. Nach der alles überragenden Iron Maiden-San-Siro-Messe im Juni (zum Livereview) geht es diesmal ins stylishe Alcatraz zu Shinedown, der wohl genialsten und treffsichersten US-Modern-Metal-Hit-Maschine der letzten zwei Dekaden. Lang haben wir diese Show herbeigesehnt. Ich für meinen Teil warte eigentlich schon seit dem 10-Punkte-Album "The Sound Of Madness" (… nach wie vor, neben den ersten Alter Bridge-Werken und dem Sixx:A.M.-Debüt, das mit Abstand Beste, was der US-Modern-Rock/Metal je hervorgebracht hat!) darauf, die gleichermaßen geniale wie sympathische und coole Truppe aus Jacksonville, Florida, endlich live zu erleben. ![]() Nachdem uns Mailand an einem perfekten Tag bei Prachtwetter und gewohnt lukullischen Genüssen einmal mehr eindrucksvoll seine stolze Schönheit zwischen Piazza del Duomo, Castello Sforzesco und Galleria Vittorio Emanuele II präsentiert hat, geht’s um Punkt 19:30 Uhr ins schmissige Alcatraz. Dort kommt man dank modernster Bestellterminals zu jedem Zeitpunkt sofort an sein Getränk, und auch sonst läuft alles perfekt ab – so wie man es bei Shows in Italien ja längst gewohnt ist. Genau deshalb wählt der Tiroler Metal-Fan (nicht nur wegen der Nachbarschaftsliebe, der Schönheit des Landes und dessen hervorragendem Speis und Trank) im Zweifelsfall immer die Italien-Termine seiner Helden. Es gibt in Europa kein gesitteteres, friedlicheres und dennoch euphorischeres und lautstärker mitsingendes Publikum als in Bella Italia. Hier herrscht nie Stress, und niemand riecht nach Schweiß oder sonstigen unangenehmen Ausdünstungen. Mehr positive Energie ist kaum möglich. Zudem gibt es hier so gut wie nie asoziale Gestalten, die besoffen durch die Menge stolpern, kiffen oder sonstigen Blödsinn veranstalten. In Italien wird eine ausgelassene, aber gesittete Party gefeiert, und das ist auch heute im rappelvollen Alcatraz nicht anders. Das merkt und schätzt später wohl auch die Band, die angesichts der unfassbaren Stimmung und der lauten Fans sichtlich begeistert ist. Those Damn Crows: Den heutigen Support-Slot haben die Waliser von Those Damn Crows inne. Während sie auf der Insel bereits einen ziemlich großen Namen haben, sind sie im restlichen Europa noch ein eher unbeschriebenes Blatt. Das wird sich angesichts ihrer starken Power-Rock-Songs und guten Alternative-Rock-Nummern aber sicher bald ändern. ![]() Angeführt vom sympathischen und stark singenden Shane Greenhall liefern die Waliser eine amtlich gute Show zwischen Power-Rock, eingängigen Hymnen und einigen wirklich stadiontauglichen Melodien ab. Mit Songs wie dem coolen "No Surrender", dem richtig guten "Blink Of An Eye" oder dem fetten Groover "Skin On Skin" und ihrem UK-Top-5-Album "Inhale/Exhale" im Gepäck werden wir von Those Damn Crows sicher noch öfter hören. Im Vergleich zu Shinedown sind mir die Waliser zwar eine Spur zu wenig heavy und bahnbrechend; eine Super-Band mit richtig guten Alternative- und Modern-Rock-Songs sind sie aber allemal. Der heutige Auftritt war nicht nur gut, sondern darüber hinaus auch absolut lässig und sympathisch! Die Stimmung im Alcatraz gibt Those Damn Crows nach 45 Minuten jedenfalls recht! ![]() Shinedown Um Punkt 21:00 Uhr und nach einem illustren "Sledgehammer-Intro" gehen die Lichter aus. Ein unfassbarer Knall holt zeitgleich Tausende Fans wie ein Donnerschlag aus den Latschen. Shinedown starten mit 1000 % Adrenalin in ein Set, das an Energie, Spielfreude und ungeahnter Heavyness kaum zu überbieten sein sollte! Mit dem elektrisierenden und gleich durch die Decke gehenden "Safe And Sound" und dem pushenden "Dance, Kid, Dance" werden gleich zwei Granaten vom aktuellen Überalbum EI8HT (zum Review) in die Halle gefeuert, und es wird sofort klar, dass Shinedown eine unfassbar mitreißende Liveband sind. Der Sound ist laut, bretthart und dennoch transparent. Brent Smith singt klar, deutlich und genauso perfekt wie auf Platte. Gänsehaut garantiert, und der Rest der Band gibt von Beginn an derart Stoff, dass es jeden Einzelnen geradezu mitreißen muss. ![]() Schön zu sehen und für die Shinedown-Liveshow auch immens wichtig, dass Eric Bass nach seiner Krankheit wieder am Start ist. Er und sein Bassspiel sind auf der Bühne eine absolute Bank. Eric läuft, springt und tanzt sich einen Wolf. Dass er nebenbei mitunter auch das Keyboard bedient und die Akustische zupft, spricht für sich. Auch Gitarrist Zach Myers hat die berühmten Hummeln im Arsch und ist in seinem agilen Stageacting und seiner Kommunikation mit dem Publikum ebenso wie Drummer Barry Kerch ein absoluter Blickfang. Die Performance der gesamten Band ist unfassbar dynamisch, und so viel Spielfreude, so viel unbändige Energie und Bewegung auf der Bühne hat man lange nicht gesehen. Langsam wird klar, warum Shinedown abseits ihrer musikalischen Klasse und Genialität einen solch überragenden Ruf als Mega-Liveband genießen. ![]() Brent Smith leitet die Party, und er hat nicht nur seine Stimme, sondern auch das Publikum im Griff. Sympathisch und redselig geleitet er durch das Set und pusht die Crowd immer und immer wieder zur Höchstleistung. Die gut gelaunte Band zieht nahtlos mit und spielt sich mit einem ungeheuer heavy dargebotenen Set voller Hits geradezu in einen Rausch. Wie sehr kann man es den Fans besorgen? Bereits an dritter Stelle steht der vielleicht größte Modern-Metal-Hit der letzten zwei Dekaden: "Diamond Eyes" ist ohne Frage einer der besten Songs, die je geschrieben wurden, und mehr Explosivität, mehr Stadionchorus und mehr Energie kann ein Song allein kaum haben. "Boom-Lay Boom-Lay Boom" schallt es durch die Halle, und Shinedown fahren bereits um 21:10 Uhr den Triumph nach Hause. Mailand dreht durch, die Band dreht mit, während der nicht enden (s)wollende Jahrhundertrefrain dieser Modern-Metal-Allmacht durch die Halle tobt – gerade so, als ob The Expendables zu jeder Sekunde mit Bomben und Granaten durch die Hallentore brechen würden. Unfassbar, Weltklasse, überragend! ![]() Wie viele Hits kann man im Petto haben und wie brutal und unbarmherzig kann man diese gleich zu Beginn abfeuern? "How Did You Love" groovt unfassbar cool und brilliert mit seiner sensationellen Hookline, und " Three Six Five" ist sowieso das "Hysteria" des neuen Jahrtausends – so unfassbar geschmeidig, dass es einem nicht nur wegen der endlos geilen Stimme von Smith die Gänsehaut bis in die Zehennägel treibt. Was soll da noch kommen? Wo soll das enden, wenn schon jetzt Tausende Kehlen jeden Ton mitsingen? Die Band nimmt den Kampf an und antwortet mit immer noch höherer Intensität. Shinedown spielen sich geradezu in einen Rausch und werden bei den heftigen Songs gefühlt immer noch heavier und bei den herrlichen Balladen immer noch intensiver. So etwas hat man lange nicht gesehen. Schon gar nicht von einer Band, die in ihrer Heimat längst große Stadien ausverkauft und ein absolutes Schwergewicht darstellt. Hier und heute erleben wir erdige, unfassbar bodenständig und umwerfend aufspielende Shinedown, die nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihrer unfassbar nahbaren und sympathischen Gangart punkten. ![]() Zurück zur Show: Die Bühne hüllt sich in eine bedrohliche Aura, in lodernd rotes Höllenlicht, und der nächste massive Hieb kündigt sich an. "Devil" ist live so erbarmungslos wuchtig und hart, dass man sich beinahe Sorgen um seine Eingeweide machen muss. In diesen Momenten sind Shinedown ganz weit weg von den Arenahits. Hier sind sie musikalisch wie optisch und im harschen Acting eine massive Modern-Metal-Band, die keinerlei Kompromisse macht und klarstellt, dass sie zwar mit die größten Balladen ihrer Zeit schreibt, aber keineswegs darauf reduziert werden will! Natürlich stellt das traumhaft schöne "Searchlight" dann eben genau den berühmten Kontrast zwischen Laut und Leise dar. Gänsehaut pur! Wer kann, der kann halt. Schöner geht Rockmusik einfach nicht, und besser singen kann man so einen unter die Haut gehenden Jahrhundertsong auch nicht. Mailand ist im Rausch der Emotionen. Das Prickeln ist wieder an jeder Körperstelle zu spüren, und nicht wenige werden hier Tränen in den Augen haben! ![]() Weil Brent Smith aber nicht nur Adrenalin, sondern auch Eier in der Hose hat, weiß er, was danach zu tun ist. Der coole Fronter springt kurzerhand von der Bühne und marschiert mitten durch die Halle, während er im Sekundentakt jeden Einzelnen anspornt und den ultimativen Stimmungskick ankündigt. Smith steigt zurück auf die Bühne, und der Killergroove sowie das kollektive Durchdrehen, das dann mit "Enemies" folgt, suchen ihresgleichen! Das kennt man in dieser energetischen Intensität sonst nur von In Flames‘ "Only For The Weak": Wahnsinn, wie dem Alcatraz hier die Birne weggeballert wird und wie sehr hier jeder feiert! Die Show wird immer intensiver. Shinedown machen keine Pause. Kein Solo, kein Quatsch, kein Verschnaufen. "Call Me" ist ebenso überraschend wie großartig, "Atlas Falls" ist klasse, und "Fly From The Inside" vom 2003er-Debütalbum knallt in seiner extrem harten und ruppigen Post-Grunge-Manier auch immens. So klingen Shinedown heute zwar nicht mehr, im Set macht so ein retrospektiver Schlenker aber durchaus Spaß. "45" schließt dann auch vorerst den Kreis zu den Frühtagen, während das Hookline-Monster "Bully" dann wieder durch Tausende Kehlen rauscht und den Schweiß von der Decke tropfen lässt. ![]() Wo andere Bands ihrer Größe, vor allem andere US-Bands, längst dem Ende der Show entgegensteuern würden, machen Shinedown auch nach 15 Songs noch keine Anstalten, dass es bald vorbei sein könnte. Ganz im Gegenteil: Die Band ist offensichtlich hochmotiviert und sichtlich happy. Sie agiert immer noch agiler, noch frenetischer und spielt sich immer weiter in einen Rausch, während sie den nächsten unsterblichen Hit offenbart. Die Bühne hüllt sich in 80er-Licht und Wave-Stimmung: "Young Again" ist zwar poppig, aber in seiner Synthie-Melancholie ein absolutes Meisterwerk und ein Volltreffer, bevor Brent Smith wieder zu einem gezielten Treffer Richtung Höschen der Mädels ansetzt: "A Symptom Of Being Human" geht in seiner großen Emotion, mit seiner nachdenklichen Melancholie und den tiefgründigen Lyrics sowie mit dieser unfassbaren Stimme so sehr unter die Haut, dass wohl auch die Männer im Publikum damit zu kämpfen haben. Wahnsinn, was für Balladen Shinedown schreiben und wie unglaublich gut Brent sie singt. Das berührt zutiefst und ist kaum zu toppen. Wenige andere Bands unserer Zeit schaffen es, mit einer so nachdenklichen Note, mit massiver Grundmelancholie, zerbrechlicher Schönheit und Emotion derart tief zu bewegen, ohne jemals kitschig zu wirken. Chapeau! ![]() Danach braucht es schon einen guten Push, damit man schnell wieder aus diesem tiefen Tagtraum erwacht. Das unfassbar gute "Cut The Cord", das live auch eine ganze Ecke heavier rüberkommt als auf Platte und immens groovt, würde aber selbst Tote wecken, und das höchst intensive "Monsters" lässt in seiner beklemmenden Dramatik sowieso nichts anbrennen. Mit dem 3 Doors Down-Cover zu "Kryptonite" und einer intensiven Ansage für den in diesem Frühjahr viel zu früh verstorbenen Brad Arnold gehen Shinedown in das Finale der Show über. Das superb dargebotene "Simple Man" erinnert an die Frühtage und verneigt sich dabei vor der Southern-Rock-Legende Lynyrd Skynyrd, die ebenso wie Shinedown in Jacksonville, Florida, gegründet wurde. Ein amtlicher Adrenalinhammer steht noch an. Nachdem das gnadenlos gute "Devour" heute leider nicht auf der Setlist steht, liegt es am kongenialen Partner, die letzte Bombe im Alcatraz zu zünden. Das geniale "Sound Of Madness" zwingt mit seinem harten Groove und seinem epischen Chorus nochmals alle Fans zur totalen Ekstase. Das Alcatraz dreht um 23:00 Uhr nochmals komplett durch, und auch die Band eskaliert dabei geradezu auf der Bühne! ![]() Die Schlacht ist geschlagen, und sie war früh gewonnen. Der Shinedown-Triumphzug war beeindruckend, unglaublich intensiv und heavy, unter die Haut gehend eindringlich und sympathisch zugleich! Mit dem vielleicht größten Hit der Bandhistorie, der unfassbaren Ballade "Second Chance", beenden Shinedown ihre großartige Show nach satten 125 Minuten! Logisch, dass hier jeder lauthals mitsingt: So, tell my mother, tell my father that I've done the best I can. To make them realize this is my life, and I hope they understand That I'm not angry, I'm just saying That sometimes goodbye is a second chance…. Ein emotionaler Schlusspunkt einer ebenso emotionalen wie auch umwerfend harten Shinedown-US-Modern-Metal-Show, die nicht nur gehalten hat, was wir uns versprochen haben, sondern weit mehr! Es spricht für die Stimmung und die Crowd, in erster Linie aber für die nahbare und sympathische Band, dass die Musiker nach 21 Songs und nach über zwei Stunden schweißtreibender Show noch zu ihren Fans an die Bühnenabsperrung kommen, um Fotos zu machen und Autogramme zu geben. Das macht wahrlich nicht jeder! ![]() Es war ein Traumtag bei Traumwetter in unserem Lieblingsnachbarland und mit einer unfassbaren Show als würdige Krönung! Man kann nur hoffen, dass Shinedown ihr Versprechen einhalten und wir in Europa nicht wieder sieben Jahre auf weitere Shows warten müssen! Das Darkscene-Mobil ist jedenfalls zu allem bereit. Wir kommen sofort wieder, wenn Smith und Co. zurückkehren. Jetzt, wo wir wissen, wie unfassbar gut Shinedown auch live sind, sowieso … ![]() ![]() ![]() @C @C @C @C |
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