Nicht als Dauerlösung, aber als eine Art Snack für zwischendurch ist die Nische des Symphonic Power Metal eine durchaus willkommene Abwechslung. Die Italiener
Noveria bereiteten mir Ende 2023 eine besondere Freude, als ihr Album
"The Gates Of The Underworld" direkt aus dem Zwinger in den heimischen Rockpalast stürmte. Wobei genau genommen dank der komplexen Arrangements der Begriff Progressive nicht übergangen werden sollte. Der Titel der letzten Platte entstand wahrscheinlich weniger aus Zufall, gäbe es nicht die New Yorker Protagonisten
Symphony X und deren letztes Album
"Underworld".
Während als erste Referenz bei mir die besagten US Metaller um Shredder-Ass Michael Romero hängen blieben, rückt das neue Opus mehr in die Schiene von den Genrebrüdern
Myrath (
"The Only Way") und
Kamelot (
"Cold Flames"). Anders formuliert: Mehr Bombast, mehr Epik, mehr Klassik. Und - statt dem verwaisten Sänger Francesco Corigliano steht nun Frank Marino (
Dreamscape) am Mikro, ein Mann, dessen Organ etwas heller und weicher tönt als jenes seines Vorgängers. Die Qualität an sich, was also Songwriting und Produktion betrifft, lässt auch 2026 nichts daran rütteln, wonach die Römer nur den kleinsten Handgriff verlernt hätten. Eine cineastische Atmosphäre umsäumt abermals das metallisch-virtuose Grundgerüst, welches seinerseits im technischen Segment locker und souverän in der oberen internationalen Liga mitmischt. Die winzigen Details als differenzierte Merkmale zu den Vorgängerscheiben kommen nur zögerlich an die Oberfläche, was es zu Beginn im dichten Audio-Sog wahrscheinlich nicht leichter macht.
All die üppigen und detailverliebten Arrangements, angefangen von den saftigen Riffs, teils dominanten Keyboardpassagen hin bis zu den präzisen Drum-Salven: wahrlich Königsklasse. Ob der Langzeittest von
"Becoming After" jedoch das hält, was sie verspricht, bleibt für's erste abzuwarten. Eine hohe Toleranz bzw. Vorliebe für hochdosiertes Pathos schadet hier ganz nebenbei gesagt auch nicht.