Bei Dänischem Stahl heißt die Devise des Öfteren bitte warm anziehen. Das südlichste Gebiet Skandinaviens hat fast immer exzellente Ware innerhalb des Stromgitarren-Segments frisch im Angebot, und das nicht erst seit dem Durchbruch der genreübergreifenden
Volbeat. Bei
Defacing God geht es im Vergleich zum genannten Mainstream-Wunder aus Kopenhagen deutlich heftiger zur Sache. Black/Death und eine Brise Dark Metal heißt hier seit der Gründung 2015 die Marschrichtung, eine bunte Mischung also. Als Bonus gib es eine arg keifende Sängerin ("Sandie the Lilith"), der man(n) lieber aus dem Weg geht. Und das nicht nur wegen ihres bösen Blicks.
Allzu große Veränderungen im Vergleich zum vielerorts gefeierten Debütwerk
"The Resurrection Of Lilith" (2022) lässt die Kapelle aus Aalborg während der 38 Minuten auf
"Darkness Is My Crown" nicht erkennen. Die bewährte und erfolgreiche Formel, bei der es in Sachen Intensität und Giftigkeit keine Gnade bzw. Nettigkeiten gibt, wurde vernünftigerweise beibehalten. Was in letzter Konsequenz heißt, dass es im Spannungsfeld zwischen
Arch Enemy und
Cradle Of Filth fetzt, rumpelt, hackt und zischt, gleichzeitig muss man das (notwendige) Maß an Eigenständigkeit des Quintetts löblich erwähnen, die speziell dann zur Geltung kommt, wenn das Tempo nicht ans Limit geht, sondern die perfide Atmosphäre zur vollen Entfaltung kommt - Tracks wie
"It Comes At Night",
"I See Shadows" und
"Transision" sind Paradebeispiele für diese furchteinflößende Gangart.
Neu oder revolutionär ist innerhalb dieser heftigen Hörwerkschau natürlich nichts, was jedoch Engagement, Überzeugung und Willen betrifft, ist auf
"Darkness Is My Crown" etwas spürbar, was beispielsweise bei den erfolgsverwöhnten Dimmu langsam aber sicher versiegt. Auch beim Kapitel Klang überließ die hungrige Kapelle nichts dem Zufall. Mit einer pompösen Soundwall (Landsmann Tue Madsen, Antfarm Studios) wusste man auch den Zweitling in bester Tonqualität tunen zu lassen. Danish Dynamite eben.