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Helstar - Helstour 2010 – US Metal Klassenfahrt
Helstar - Helstour 2010 – US Metal Klassenfahrt  
Helstour Teil 1 – 2.- 3. Juni 2010:

Ein Darkscene Abgesandter auf den Spuren der US Metal Legende Helstar. Tief im heißen Texas und mit niemand Geringerem als James Rivera an seiner Seite…
Bruder Cle
Bruder Cle
(10 Specials)
Helstour Teil 1 – 2.- 3. Juni 2010:

Während es sich die Mehrzahl der deutschen Banger mit Bier und Chips vor dem Flimmerkasten bequem macht, um einmal mehr ihre Nationalmannschaft von Dusel zu Dusel taumeln zu sehen, nutzen österreichische Headbanger die Absenz unseres Teams bei der Fußball-WM für einen Ausflug in die USA. Ziel der Mission ist es, die legendäre Band Helstar, die in den letzten Jahren erfreulicherweise öfters in Europa live aktiv war, mal auf heimischen Grund und Boden spielen zu sehen und der Frage auf den Grund zu gehen, ob Texas nach wie vor eine Metalhochburg ist oder nicht. Einer Einladung von Helstar-Sänger James Rivera folgend, brechen wir also zu unserer "Helstour 2010" auf und besteigen einen Flieger Richtung USA. Wir, das sind vier Veteranen des Keep-It-True-Festivals: Daniela und Ute aus Wien, Metaldidi aus Landeck und meine Wenigkeit. Metalfans, die trotz nicht mehr ganz so günstigem Eurokurs einen Abstecher in den Wilden Westen planen, finden vielleicht einige Anregungen in den Tagebüchern dieser Heavy Metal-Klassenfahrt.



2. Juni 2010

Nach einem schier endlosen Direktflug von Frankfurt inklusive satter Verspätung aufgrund diverser Unwetter, landen wir gegen acht Uhr abends endlich in Houston. Nach elf Stunden, die alle in entspannter „Hockegrab“-Stellung verbringen durften, schlurfen die Passagiere mit steifen Gliedern und schmerzendem Allerwertesten Zombies gleich über den Gateway Richtung Gepäckförderband und Security Check. Dort beginnen vor den strengen Augen des Immigration Officers die Vermessungs und Befragungsroutinen.

„Linker Daumen!“ (Bruder Cle lächelt)
„Rechter Daumen!“ (… lächelt noch immer)
„Bitte einmal in die Kamera gucken!“ (… mit Dauergrinsen)
„Nicht lächeln! Zum Teufel noch mal!“ (… schaut düster drein)
„Okay, Danke!“ (… Gesichtsmuskeln entspannen sich)
„Warum sind sie in den USA?“ (… schaut verdutzt drein)
„Heavy Metal – das gibt es noch? (… Eckzähne werden ausgefahren, Augen rollen, Geifer!)
„Schon gut, immer schön freundlich bleiben, junger Mann. Wie lange bleiben Sie?“ (… rechnet eifrig)
„Wo wohnen Sie während Ihres Aufenthalts?“ (… kramt hysterisch nach dem Hotelgutschein)
„Ach ja, vielen Dank.“ (… ergreift die Flucht)

Nachdem man unsere Unbedenklichkeit für die öffentliche Sicherheit der USA hochamtlich festgestellt hat und wir wahrscheinlich gerade in hunderten von Datenbanken gescreent werden, ziehen wir am Bankomat die ersten Dollar (3 Dollar fuffzich Extra-Gebühr – vielen Dank auch!) und landen wenig später im Autoverleihzentrum, wo man uns einen Mittelklassewagen für vier Tage für satte 1000 Dollar (!) andrehen will. Frechheit! Wir kurbeln James Rivera an. Der freut sich erstmal, dass wir sicher gelandet sind, lässt sich zur Dame am Tresen weiterleiten, die sich von ihm einige „Nettigkeiten“ anhören darf. Immerhin ist nach dem Telefonat klar: Leihauto wird heut nix mehr, also muss ein Taxi her.

Draußen empfängt uns das feucht-heiße Golfklima. An die 30 Grad im Mondlicht. Wow!
Wenig später erreichen wir James Heimadresse in einem der nobleren Vororte von Houston. „White Neighbourhood“ sozusagen - ein schönes, geräumiges Appartement mit Gemeinschaftspool im Hof einer gepflegten Grünanlage. Schnell laden wir unser Gepäck in die Autos von James und seiner Freundin Tracee um und entspannen uns kurz bei einem schnellen Bier und einem Shot Jack Daniels. Neugierig wandern unsere Blicke über die 007-und Addams-Family-Filmposter, sorgfältig gerahmten Helstar-Plakate und allerhand geschmackvolles Interieur im Gothic-Stil. Immer auf der Suche nach einem Lebenszeichen seiner beiden berüchtigten Teppichtiger. Doch die beiden Biester zeigen sich nicht. Obwohl…nach einer Weile glaube ich, die Blicke ihrer glühenden Raubtieraugen in meinem Rücken zu spüren. Doch ihr Appetit auf Headbangerfleisch scheint noch nicht groß genug zu sein. Noch nicht.
Die Zeit drängt und alle haben Hunger. Also ab ins Auto! Es ist bereits spät geworden, aber James’ Lieblingsmexikaner erklärt sich bereit, extra für uns länger offen zu halten und so kommen wir noch in den Genuss riesiger, eiskalter Margharitas und vorzüglicher Fajitas, die wir in unsere hungrigen Mäuler stopfen. Noch während dem Essen klingelt das Telefon. James wird zu einem Radiointerview bei „Maximal Distorzion“ gebeten, einem Internet- Radio und TV-Sender, der täglich von halb zwölf Uhr nachts bis drei Uhr früh Heavy Metal Musik aller Couleur und diverse Videoclips in den Äther bläst. Dem Himmel sei Dank liegt unser Hotel mehr oder weniger am Weg und viele Supermärkte in den USA haben bis Mitternacht oder noch länger auf. So wird schnell in die luxuriösen und geräumigen Zimmer des Sheraton Suites eingecheckt, bevor wir uns aus dem mehr als ordentlichen Bierangebot des nächsten Ladens einige Sixpacks und Wein schnappen. Minuten später stehen wir vor einem riesigen, modernen Bürokomplex, in dem sich das Büro von „Maximal Distorzion“ befindet.



Der Sender ist unter der Lationgemeinde Houstons und auch in Mexiko äußerst beliebt. DJ Mario empfängt uns mehr als herzlich und platziert uns sofort in seinen kleinen Regieraum, von wo aus er in seiner liebenswürdig chaotischen Art die diversesten Musikstücke auf die heute Nacht 6000 Headbanger starke Zuhörergemeinde loslässt und entsprechend locker in spanisch und englisch kommentiert. Nebenbei klärt er uns in bester King Diamond-Manier darüber auf, dass in diesem Gebäude schon mehr als 24 Menschen gestorben seien und gerade letzte Woche ein argentinisches Model im Gang vor dem Studio von einem unsichtbaren Wesen vergewaltigt wurde. Als „Beweis“ spielt er uns ein Video der allgegenwärtigen Überwachungskameras vor, auf dem vage ein Mädel zu erkennen ist, welches sich – gar schauderbar - am Boden wälzt. Wir stellen für uns fest, dass es sich bei der unsichtbaren Kreatur wohl eher um einen „Flaschengeist“ gehandelt hat, der einer Jack Daniels-Pulle entstiegen ist. Laut sagen wir das nicht, denn Mario ist wie übrigens fast alle Mexikaner, extrem abergläubisch und wirft noch schnell ein paar andere „unglaubliche“ You-tube-Videos von Geistererscheinungen, Besessenheit und ähnlichen Kram nach.

In den nächsten Stunden halten wir fest, …

• … dass, das Bier Marke „Ziegenbock“ dem österreichischen Gerstensaft recht nahe kommt und ein echtes Black Metal-Bier ist (mit Geißbock am Etikett). Cool.
• … düstere Gänge verlassener Bürogebäude auch ohne Begegnungen mit (Flaschen)Geistern unheimlich sind.
• … dass „Ziegenbock“ immer besser schmeckt. Yummie.
• … Interviews unter dem Einfluss von Bier und Wein qualitativ nicht besser werden.
• … für die prüden Amis immer noch unvorstellbar ist, dass sich in europäischen Saunas nackte Männlein und Weiblein gemeinsam der Hitze hingeben.
• … der Autor dieser Zeilen mehr Metalbands aus Lateinamerika kennt als DJ Mario “grins“
• dasch „Ssssiegenbock“ ssssehhhhr, ssssehhhhr jut schmecken tuuut. Hicks!
• … amerikanische Radio-DJs keine Gnade mit ihren Hörern kennen und sämtliche harten Bands kunterbunt durcheinander mischen.

Irgendwann ist es dann tatsächlich drei Uhr morgens und nachdem wir schon beinahe 30 Stunden wach sind, sind alle todmüde. Zum Thema „Don’t drink and drive“ scheint man in den USA durchaus eine zwiespältige Einstellung zu haben, die sich eher in „Don’t drink and speed“ zusammenfassen lässt. Da der Fahrstil in den Staaten grundsätzlich eher defensiv ausgerichtet ist und auf den Straßen ausreichend Platz ist, hat hier offensichtlich niemand ein schlechtes Gewissen, voll getankt Auto zu fahren. Im Hotel abgeliefert, gönnen wir uns noch einen kleinen Gute Nacht-Jackie und dann heißt es ab in die Federn.

3. Juni 2010

Die Zeitverschiebung macht’s möglich! Während die Mädels noch auspennen, sitzen Didi und ich schon nach wenigen Stunden putzmunter beim Frühstück. Es regnet leicht und für den Pool ist das Wetter zu schlecht. Also nehmen wir gerne das Angebot des völlig gelangweilten Concierge an, uns in das Nahe Galleria zu fahren. Ein Einkaufszentrum der absoluten Superlative, in dem auch eine Shopping City Süd gleich mehrfach Platz finden würde. Der ganze Komplex ist eher mit einem eigenen Stadtviertel zu vergleichen, in dem sich Kaufhaus an Kaufhaus reiht. Sogar für amerikanische Verhältnisse sind 400 Shops im Hauptgebäude wirklich viel. Neben Armani, Versace, Dior & Co. befindet sich auch in jeder anständigen amerikanischen Mall ein Hot Topic-Laden, der quer durch den Gemüsegarten Punk-, Metal- und Gothic-Krimskrams führt. Sogar ein kleines CD-Regal gibt es dort zu entdecken. Eines der wenigen, die wir in den nächsten Wochen entdecken sollten. Anscheinend sind CD- und Buchläden in den USA absolute Mangelware und vom Internet bereits völlig verdrängt worden. Schade. Zumindest das aktuelle Maiden-Tourshirt lässt sich einsacken.



Nach langem, ermüdenden Schaulaufen und unzähligen "Dawn Of The Dead"-Deja Vus erscheint vor unserem geistigen Auge eine gigantische schwarze Geiß, die uns mit mahnend erhobenem Zeigefinger daran erinnert, dass es fast schon neun Stunden her ist, seitdem wir das letzte Fläschchen „Ziegenbock“ vernichtet haben. In dem großen „Food Court“ erspähen wir ein Rainforest Cafe. Inmitten des kitschigen Plastikdschungel-Interieurs nebst in Fünf-Minuten-Takt brüllendem Gorilla fühlen wir uns durchaus wohl. Erschreckt stellen wir fest, dass es dort kein „Ziegenbock“ gibt. Wir bestellen aus der Not heraus diverse lokale Fassbiermarken, die ein fürs andere Mal schon nach dem ersten Schluck für verzweifelte, gequälte Gesichter sorgen. Wir spülen den schlechten Geschmack mit Jack Daniels runter und enden bei Budweiser. Fad aber immerhin neutral.
Mittlerweile haben sich auch die Mädels zu uns gesellt und bestellen sich einen ordentlichen Brunch.
Wir trinken mehr Bier.
James ruft an. Er hat für heute seine Arbeit als Geldeintreiber („I broke some arms…“) für eine lokale Immobilienfirma beendet. Wenig später schlägt er im Rainforest Cafe auf.
Wir bestellen zur Abwechslung Bier.
Ute und Dani machen sich mit Tracee gemeinsam auf zum Houston Space Center.
Wir bestellen lieber noch ein Bier.
Doch auch für uns ist es langsam an der Zeit, den zunehmend sonnigen und schwülen Tag mit etwas Sightseeing zu veredeln. James packt uns in seinen Wagen und wir fahren durch die Gegend, in der er aufgewachsen ist.
James: „Das war ein hartes Viertel früher. Da musste man in der Schule sein Jausenbrot noch mit Fäusten verteidigen. Ich denke, das hat uns alle in der Band geprägt und vielleicht haben wir deshalb auch härter als andere daran gearbeitet, es irgendwann aus diesem Ghetto heraus zu schaffen.“
Danach geht es in einen kleinen Plattenladen, der definitiv schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Solche Shops sind in den USA mittlerweile auch in Millionenstädten wie Houston eine Seltenheit. Ein Blick auf das absolut verlotterte Metalprogramm erweckt unser Mitleid. Wir erbarmen uns. Didi kauft einige günstige Vinylstandards, deren Zustand noch akzeptabel ist, während meinerseits im Black Metal-Regal wildert. Ich kaufe ein paar CDs, auf deren Cover sich Geißböcke, Panzer, umgekehrte Kreuze sowie hagere, sexuell erniedrigte Jesusgestalten in immer wieder abgewandelten Konstellationen tummeln. Ein Blick auf die Rückseite macht mich sicher: haufenweise Nieten, Patronengurte und Gasmasken. Die Musik muss also gut sein!
Nachdem wir mit unseren bescheidenen Einkäufen den monatlichen Umsatzrekord aufgestellt und dem verhärmten Gesicht des Besitzers ein dankbares Grinsen abgerungen haben, geht es ab nach Downtown Houston, das mit einer beeindruckenden Skyline glänzt. Mittlerweile finden auch Tracee und die Mädels ihren Weg zu einem kleinen Fastfood-Laden, in dem wir gemeinsam unserer Biomasse ein maximal lauwarmes mexikanisches Barbecue hinzuaddieren. Als Unterlage für mehr „Ziegenbock“ ist es aber allemal geeignet.



Für heute Abend ist zwar noch kein Konzert angesagt, dafür will uns James zu einem besonderen Stripclub entführen. Der hat keine Alkohol-Lizenz (die in Amerika sündhaft teuer ist), so dass jeder seinen eigenen Sprit mitnehmen darf. Das ist in doppelter Hinsicht günstig, denn so entgeht man nicht nur den hohen Preisen in den Bars sondern kann auch dem Wunsch so mancher Animierdame nach Alkoholischem problemlos entsprochen werden. „Nimmsch da halt meinetwegen a Bier…“
Wir stoppen also am Weg dorthin wieder bei einem Supermarkt und bunkern massig … na, was wohl?
Genau.
Und mit massig Geißen im Kofferraum geht es ab in den Stripschuppen. Fünf Minuten bevor der Eintritt teurer wird, laufen wir geschlossen ein, berappen 15 Mäuse und machen es uns vor dem Laufsteg in gemütlichen Fauteuilles bequem. Leider dröhnt anstelle der erwarteten Mötley Crue, AC/DC und Def Leppard -Hits grässliche Techno- und Top 40-Musik aus den Boxen. Und das auch noch in ordentlicher Lautstärke. Da hilft nur eins.
Jawohl, Ziegenbock!
Die eher üppig gebauten und in vielen Fällen chirurgisch „veredelten“ Texas Roses krabbeln, toben und tänzeln über den Laufsteg, gleiten die Striptease-Stange rauf und runter und vollführen so mancherlei Verrenkung, die man ihren meist wenig athletischen Körpern kaum zutrauen würde. Im Laufe des Abends verschwinden nicht nur so manche Ziegenbocks in unseren Kehlen sondern auch so mancher Dollarschein im Höschen einer der Mädels, die ansonsten angenehm unaufdringlich agieren. Und Gott sei Dank kann die nette junge Dame den herbeieilenden Security-Mann davon überzeugen, dass sie von den Geldscheinen keinen Ausschlag im Intimbereich bekommt. Trotz schlechter Musikauswahl macht es Spaß, sich der so oft besungenen schlüpfrig-kitschigen Atmosphäre eines typisch amerikanischen Stripclubs hinzugeben. Über den Rest des Abends wollen wir mal den Mantel des Schweigens legen. Es sei nur so viel erwähnt, dass er mit massig Jägershots in einer netten Bar am Weg zum Hotel endete. Amen.

Im Teil 2 der Story geht's rein in die Clubs, in die Metal-Shows um und mit Helstar und James Rivera...die Fortsetzung gibt es (HIER).
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