Mögen muss man ihn schon, diesen eigenbrötlerischen Okkult-Rock der Kanadier, die seit Anfang Mai ihr fünftes Werk
"Wretched Heart" der Interessensgemeinschaft zugänglich machen. Obschon ich mehrmals in diversen Rezensionen nur bedingt meine Hingabe für diese Stilrichtung äußerte und dementsprechend überschaubar Support gewähre, zählen die Nordamerikaner ausgerechnet zu jenen wenigen Gruppen, denen ich gerne meine Zeit und Aufmerksamkeit schenke. Das stilistisch abweichende Design (weg vom cremefarbigen Vintage) soll dabei keineswegs darüber hinwegtäuschen, wonach das künstlerische Interieur des Quartetts etwa grob beschnitten wurde, also - no panic!
So ist auch im Jahre 2026 das strenggeheime Mischverhältnis der Zutaten und der daraus resultierende Spell-Zauber das entscheidende Element bzw. der eigentliche Bonus in der weltweiten Weihrauch-Liga. Die Hit-Tendenz stimmt wie in jüngerer Vergangenheit ebenso auf
"Wretched Heart", wie all die kleinen instrumentalen Feinheiten, die - wie schön ist das denn bitte - nie aufgesetzt oder erzwungen wirken, sondern dem natürlichen Flow folgen: spätestens bei
"Unquiet Graves" sieht man sich beim Anzünden einer schwarzen Kerze, um im nächsten Moment Grufti-like das Tanzbein zu schwingen. Auch die bombastisch-perfiden '70-Synthesizer-Sounds (die Kultstreifen "Das Omen" I & II lassen grüßen) wirken wie eine Punktlandung, die ohnehin unheilvolle Stimmung entwickelt dadurch zusätzlich Brisanz, wie uns
"Dark Inertia" und
"Iron Teeth" fulminant beweisen.
"Oubliette" hat gleichfalls diesen bedrohlichen Griff im Nacken, wogegen
"Take My Life" fast schon wieder luftig bis happy aus den Speakern wabert. Das Titelstück wirkt anfangs unspektakulär, zeigt in weiterer Folge - nämlich zunächst im Refrain - sein wahres Gesicht, darüber hinaus gibt es gegen Ende edle Twin-Harmonien im Geiste der Eisernen Jungfrauen. Die Gesangsperformance von Bassist Mesmer bleibt natürlich immer noch eine Frage des persönlichen Geschmacks, weil sanftmütig und nicht weniger bizarr, trotzdem könnte ich mir diese in Ton und Rhythmus transformierte Alchemie-Stunde nur schwer mit einem anderen Zeremonienmeister vorstellen. Die tragende Säule bei
Spell sozusagen.
Eingehüllt von einer "analogen Räucherstäbchen-Klangwolke", bei welcher der sonst oft vernachlässigte Bass ordentlich wummert, schaffen es
Spell auf
"Wretched Heart" erneut, ein durchgehend spannendes und gleichermaßen homogenes Werk abzuliefern, das neue Leute aus dem
Mercyful Fate sowie aus dem
Ghost Fanlager anziehen könnte. Es bleibt jedoch beim Konjunktiv, denn hier gilt bis auf weiteres der Ehrenkodex Selbstreue. Diese Band macht alles, nur keinen Pop Metal, strahlt aber eine speziell-sinistre Aura aus, die bei letztgenannten schon seit langem dem Kalkül bzw. dem unaufhaltsamen Abheben Richtung Mainstream weichen musste. Auch das muss endlich mal gesagt werden, gelle?