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Cover  
Frei.Wild - Feinde deiner Feinde (CD)
Label: Rookies & Kings
VÖ: 05.10.2012
Homepage | MySpace
Art: Review
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DarksceneTom
DarksceneTom
(3000 Reviews)
8.0
Wer so viel Merchandise hat, der muss doch gut sein oder nicht? Ich wollte es eigentlich nicht unbedingt, hab es aber doch getan. Die Promomasche hat es nach jahrelanger Penetranz geschafft, mich neugierig zu machen. So hab ich mir doch glatt die neue Frei.Wild angehört, und es war bis dato in der Tat der erste Kontakt zu der vieldiskutierten Band aus dem sonnigen Brixen.

Jegliche Art von Extremismus ist scheiße. Gewalt war noch nie die Lösung und Pazifismus und die Wertschätzung für grundsätzlich Alles und Jeden der einem nicht eindeutig das Gegenteil beweist ist die einzige Wahrheit.

Wenn jeder so denken würde, wäre unsere Welt perfekt. Ist aber leider nicht so, dass ich als überzeugter Menschenfreund jedoch so denke schließt weder meine Böhse Onkelz Platten aus, noch verteufelt es, dass Campino schon in den 80er Jahren "Wir lieben unser Land" gesungen hat, ohne dass ihm dafür dann wirklich Gründe eingefallen wären. Das schließt ebenso wenig aus, dass ich mir nur also die neue Frei.Wild reinknalle und mich mal überraschen lasse, während ich meinen Gedanken einfach volley freien Lauf lasse.

Frei.Wild haben seit ihrer Gründung vor elf Jahren vieles richtig gemacht. Sauguter Bandname, verdammt gutes Logo, gute Gesamtidee. Alles richtig inszeniert und daneben sind die vier Bressanone-Rocker auch bei Gott nicht so gefährlich, wie es manche Spießer oder die Kritiker und Besserwisser, die viel zu selten vor ihrer eigenen, oftmals so unendlich extremistischen Türe kehren, wieder gerne hätten. Abgesehen von all dem Engagement, dass die Jungs gegen jegliche Art von Extremismus betreiben, sollte ohne die berühmten Scheuklappen jedem Rockfan klar sein, dass das Quartett nichts weiter ist, als eine weitere deutschsprachige Rockband, mit punkigen Ansätzen und manch metallischer Gitarre. So was war pseudointellektuellen Moralaposteln natürlich immer schon ein Dorn im Auge, und jeder der nicht spätestens bei Drei die Fahne der Linksmoral in den Wind hielt, musste sich schon vor vielen Jahren mit sinnlosen Vorwürfen abmühen, ein rechtsgerichtetes Individuum und dementsprechend ein zurecht, gesellschaftsuntaugliches Vollarschloch zu sein.

Bei Frei.Wild sollten diese Diskussionen mittlerweile aber vom Tisch sein, und so muss ich einfach auch mal meinen Semmel zu dieser Band loswerden. Auch wenn die Jungs gern mal leugnen, große Fans der Böhsen Onkelz gewesen zu sein. Das glaub ich ihnen nicht. Ich bin nämlich einer der Fans der Herren Weidner und Co. bzw. zumindest von deren Alben bis Mitte der 90er Jahre, und genau da haben Frei.Wild viel und noch viel mehr abgeschaut. Nein, stimmt nicht. Auch die Hosen durften Pate stehen, Bands wie die Broilers oder Betontod haben auch Spuren hinterlassen und daran ist auch rein gar nix auszusetzen. Man soll sich die Besten zum Idol nehmen und das Ergebnis kann sich auch durchaus sehen bzw. hören lassen.



Es ist sicher nicht alles Gold, was am achten Album der Südtiroler glänzt. Einige Songs sind purer Durchschnitt, und dass mancher Texte amtlich prollt weiß und erwartet man. Nicht jeder ist ein lyrischer Weidner, oder gar Campino. Südtiroler sind natürlich auch Patrioten und mit Fug und Recht stolz auf ihr schönes Land. Das sind wir Österreicher ja schließlich auch und deshalb muss man noch lange nichts Böses meinen, oder gar Schlechtes denken. Selbst Deutsche dürfen stolz auf ihr Land sein, und wenn Punks und Schlagermusikanten davon singen dürfen, dürfen das auch Frei.Wild. Ich bin mir jedenfalls sicher: Jedes Zeltfest ist gefährlicher als diese Platte. Selbst die Apres Ski Zelte, die mittlerweile wieder unsere schöne Gebirgslandschaft versauen, haben mehr Explosionspotential als "Feinde deiner Feinde".

Um bei der Musik zu bleiben, sollte man aber schon auch erwähnen, dass vieles was wir hier hören verdammt cool fetzt, live sicher verdammt sehr geil rüberkommt und amtlich Schweiß produziert. Keine Frage, bei Songs wie "Wir reiten in den Untergrund", "Wir gehen alle", "Wer nichts weiß, wird alles glauben", "Der Staat vergibt, dein Gewissen nicht" oder dem Titeltrack kochen die Hallen. Rock und Punk gehen immer ins Ohr. Bewährte Muster funktionieren konstant, und werden auch auf "Feinde deiner Feinde" astrein bedient. Ist hier auch stupides dabei? Ja natürlich. Lieder übers Saufen, über Freunde, die durch Dick und Dünn gehen oder gar Trinklieder, hatten no nie den Anspruch darauf, von Marcel Reich-Ranicki geadelt zu werden. Das muss auch nicht sein, aber die freiwillige Feuerwehr, die Schützen und die Jungbauern lässt man schließlich auch am Leben, obwohl die nicht halb so gute Balladen zu Wege bringen wie Frei.Wild bei Momenten wie "Aus Traum und Wirklichkeit".
Na also!
Das ändert nichts daran, dass Frei.Wild auch einige sehr gute Texte offenbaren, und ein Großteil der Songs von "Feinde deiner Feinde" in ihrem Metier aktuell zur absoluten Speerspitze zählen.

Gegen das Testosteron und die gelebt, authentische Straßenattitüde, die die Onkelz einst hatten sind Frei.Wild trotz ihrer rotzigen Art und Weise zwar noch ein Furz im Wind, die Südtiroler sind aber bei Gott keine schlechte Band, mischen ihren Rock N Roll fein mit Punk, ein wenig Ska und sogar manch interessanten Bläsern und Streichern. Darüber hinaus machen sich auch typisch, hymnische Fragmente breit, die sofort ins Schwarze treffen, und am Ende der Reise, und ob Kastelruther Spatzen hin oder her, sind Frei.Wild zwar wahrscheinlich einfach nur eine von vielen deutschen Rockbands unserer Tage, "Feinde deiner Feinde" aber dennoch ein wirklich unterhaltsames und verdammt gutes Stück deutschsprachiger Rockmusik.

Um mehr als eine "gute", also eine "herausragende" Band zu sein, haben Frei.Wild vielleicht noch etwas zuwenig von ihren großen Idolen. Noch haben sie nämlich weder das ganz große Charisma der Toten Hosen, noch die rücksichtslose Dynamik und die unbändige Street Credibility der Böhsen Onkelz. Manches ist einfach ein Segen und man kann es sich wohl nicht zwangsläufig aneignen.
Verdammt gut in dem was sie machen sind die Südtiroler aber dennoch und wer die beiden, in diesem Review so oft genannten, Ikonen deutscher Rockmusik mag, der wird sich auch mit Frei.Wild anfreunden.
Ohne Zweifel!

Was sagt uns das nun?
Viel Lärm um Nichts?
Vielleicht.
In jedem Fall ein sehr gutes Album, das Spaß macht.
Der Erfolg gibt ihnen Recht!
Mir nicht.
Oder doch?

Trackliste
  1. Wir reiten in den Untergang
  2. Wer nichts weiss, wird alles glauben
  3. Feinde deiner Feinde
  4. Zwischen Trauer, Liebe und Schmerz
  5. Aus Traum wird Wirklichkeit
  6. Wer weniger schläft, ist länger wach
  7. Nur Dumme sagen ja und Amen
  8. Der Staat vergibt, dein Gewissen nicht
  1. Mach dich auf
  2. Vorne liegt der Horizont
  3. Wir gehen wie Bomben auf euch nieder
  4. Zieh mit den Göttern
  5. Oft bekriegt, nie besiegt
  6. Gutmenschen und Moralapostel
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