Kollege Alex hatte vor vier Jahren in der Review zu
"Beyond The Blood Red Horizon" bereits die wichtigsten Eck- und Feindaten der Koblenzer Veteranen
Midnight Driver genannt, die 2026 mit ihrem dritten Werk
"Limited Infinity" erneut ihre grenzenlose Liebe zur Nostalgie preisgeben. Ob man den Stil nun als Proto Metal, NWoBHM oder Retro Rock etikettieren will, bleibt letztlich Ansichtssache und kann nur schwer scharf eingegrenzt werden. Rein gefühlt ist es eine entzückende Zeitreise zu den Endsiebzigern und frühen Achtzigern des letzten Jahrhunderts, als der Begriff Digital in der Musikbranche noch in den Kinderschuhen steckte.
Immerhin konnte Bandleader Jochen "Blumi" Blumentahl (
Metal Inquisitor) die US-Underground-Ikone Chris Black (ewige Bandliste, bitte selbst recherchieren) für die Gesangsspuren dieses Longplayers gewinnen, was dem ohnehin charmanten Material zusätzlich Authentizität verleiht. Die staubtrockenen Riffs und die auf das Wesentliche reduzierten Tracks umschmeicheln den Lauschlappen in Windeseile, auch weil die Vibes durch die Bank einfach stimmen. Der flockige Opener
"Charlemagne" steht mehr oder weniger Pate für das 47 minütige Album - straight, beherzt, vereinnahmend.
"The Renegade" prahlt in seiner Blues-Pracht,
"The Battle Of Brighton" wandelt auf heißen Zep-Spuren,
"Defenders Of The Dormant Ones" ist im Anschluss so etwas wie eine Verbeugung vor
Golden Earring, und das finale Akustik-Instrumental
"Evening Lights" lässt
"Limited Infinity" überaus harmonisch ausklingen. Ach ja - mit dem Titeltrack steht ganz klar ein künftiger Live-Knaller in der Tracklist, der ansatzlos in den Synapsen zündet. Kein Stück fällt ab, eine deutliche Neigung - Stichwort Nostalgie - braucht es allerdings schon.
Am Ende des Tages könnte man den Jungs von der Mosel mangelnde Originalität vorwerfen, durchaus, aber diese völlig zwanglose Reise in eine lang zurück liegende Zeit, in der Rock und Metal ein absolut juveniles Phänomen war, macht auf diese spezielle Art und Weise, wie es
Midnight Driver auf
"Limited Infinty" praktizieren, einfach Spass. Übrigens verpasste Patrik Engel der schmucken Langrille einen (Analog-) Sound, der dieses genannte Retrofeeling maximal auf den Punkt bringt!