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Kreator - Stoizismus, Thrash & Abrissbirnen – KREATOR über „Krushers of the World“
Grund genug, mit Mille Petrozza und Frédéric Leclercq über das Album, die Entstehungszeit, Stoizismus auf Tour, den „Hate & Hope“-Film und natürlich über hymnische Abrissbirnen wie "Krushers of the World", "Loyal to the Grave" oder den düsteren Brecher "Seven Serpents" zu sprechen. Unser Interview fand Ende 2025 statt. Ab dafür, Hordes!
DarkScene: Wir sind heute hier, um über euer Album "Krushers of the World" zu sprechen, das ihr im Januar 2026 veröffentlicht. Aber zuerst einmal: Wie geht es euch heute und in letzter Zeit? Ich hoffe, euch geht’s gut. Frédéric Leclercq: Ja, uns geht’s gut. Mille Petrozza: Uns geht’s großartig. Wir haben mit vielen Leuten gesprochen, jeder hat das Album gehört, jeder scheint es zu mögen. Es ist schön, Feedback zu bekommen und sich auszutauschen, wie die Leute die Musik wahrnehmen. Frédéric Leclercq: Wenn du an einem Album arbeitest, sind nur die Band und der Produzent involviert, niemand sonst. Und wenn du dann anfängst, Feedback zu bekommen – dann wird es interessant. Und es ist natürlich noch besser, wenn das Feedback positiv ist. Das ist hier der Fall. ![]() DarkScene: Dann mache ich einen kleinen Spoiler: Ich mag das Album sehr. Frédéric Leclercq: Das ist gut – dann wird das Interview ja gut laufen. lacht DarkScene: Ich habe "Krushers of the World" ein paar Mal gehört. Es ist großartig. Und noch etwas Aktuelles: Ich habe gelesen, dass der KREATOR-Film „Hate & Hope“ auch in Peking gezeigt wird. Mille Petrozza: Ja, beim Deutschen Filmfestival. DarkScene: Werdet ihr dort in Peking sein? Mille Petrozza: Nein. Frédéric Leclercq: Nein. Mille Petrozza: Nein, nein. Außerdem hat uns niemand eingeladen. alle lachen DarkScene: Ich schätze, es wäre auch stressig, oder? Wenn ihr die Promo-Termine für das neue Album habt und zusätzlich nach Peking reisen müsst. Mille Petrozza: So schön wie es klingt – das Reisen nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Mehr als das Präsentieren des Films vor Ort. DarkScene: Das Interessante für mich ist: Kreators Musik kennt man. Und dann wird der Film in China gezeigt – einem Land, in dem die Meinungsfreiheit kritisch ist. Frédéric Leclercq: Die haben ihre eigenen Wege, wie sie Dinge sehen. Wir sehen es aus unserer westlichen Perspektive, aber dort ist das etwas anders. Mille Petrozza: Wenn du dort bist, ist es auch seltsam, weil bestimmte Dinge einfach nicht funktionieren. Frédéric Leclercq: Die haben ihre eigenen Social-Media-Plattformen. Du gehst mit VPN rein und alles ist komplett anders. Als wir zum ersten Mal in Indien waren – für mich war es das erste Mal, für euch das zweite –, da habe ich alles mit europäischen Augen gesehen und dachte: „Oh, das ist aber nicht so …“ Aber dann wird dir klar: Die sind eine Milliarde Menschen oder mehr. Und ich bin derjenige, der alles kritisiert? Seitdem mache ich das nicht mehr. China ist anders, aber es gibt für alles Platz. Mille Petrozza: Etwas, das auch im Film vorkommt, sind diese Restriktionen. Ich weiß nicht, ob es Singapur war oder … Frédéric Leclercq: wirft ein: Kuala Lumpur. Mille Petrozza: Genau! Dort durften wir bestimmte Songs nicht spielen. Es war völlig willkürlich. Wir durften "Enemy of God" nicht spielen – Frédéric Leclercq: ergänzt: Wir durften "Violent Revolution" nicht spielen, aber "Riot of Violence" durften wir. Was im Grunde das Gleiche sagt, nur anders formuliert. Es war wohl eine Übersetzungsfrage. Mille Petrozza: Wir wollen einfach für die Leute spielen. Frédéric Leclercq: Genau. Wir sollten überall spielen dürfen. Und es ist großartig, dass wir dort auftreten können oder dass unser Film dort gezeigt wird. Für alle Beteiligten ist das gut. KREATOR - "Seven Serpents" (OFFICIAL MUSIC VIDEO) DarkScene: Ich freue mich auf die DVD, weil ich den Film nicht im Kino sehen konnte. Sie kommt ja im Februar raus – ich weiß das Datum nicht genau. Anmerkung: 05. Februar laut Amazon – extra recherchiert, jetzt ist der 12. März 2026 angegeben, Stand 01/26 Frédéric Leclercq: Ich weiß es nicht. Mille Petrozza: Es ist angekündigt, aber wir bekommen kaum Infos, weil der Vertrieb ein anderer ist. Die kommunizieren nicht mit uns. Es steht bei Amazon, also scheint sie im Februar zu erscheinen. Frédéric Leclercq: Für Deutschland oder weltweit? Mille Petrozza: Weltweit. DarkScene: Ich habe sie bereits vorbestellt. Aber kommen wir zu "Krushers of the World". Wann habt ihr mit dem Album angefangen? Mille, du warst sehr beschäftigt: dein Buch und als Band hattet ihr den Film, die Tour mit KREATOR. Wann war Zeit zum Schreiben? Frédéric Leclercq: Zwischendurch. In allem. Mille Petrozza: Ja. Sobald ich zuhause bin – egal, wo „zuhause“ gerade ist, Essen oder Berlin –, aber wenn ich länger als ein oder zwei Wochen irgendwo bin, werde ich nervös und muss produktiv sein. Sobald ich also in Essen oder Berlin war, habe ich meine Gitarre in die Hand genommen und neue Riffs, Texte, Ideen gesammelt. Die ersten Ideen kamen direkt nach der Veröffentlichung von Hate über alles. Ich schreibe ständig, selektiere Ideen, und das ging über drei Jahre. Bevor wir als Band zusammenkamen, probten und zwei Monate später aufnahmen. ![]() DarkScene: Ich schätze, ihr habt die Frage schon tausendmal gehört: Wurdet ihr beim Schreiben von den Ereignissen der letzten drei Jahre beeinflusst? Oder gehören die Themen davor zu Hate über alles und alles danach zu „Krushers“? Mille Petrozza: Eine gute Frage. Dieses Mal habe ich eine andere Perspektive gewählt. Auf "Hate über alles" zeigen wir auf Dinge, schreien gegen das Chaos der Welt. Dieses Mal haben wir einen Schritt zurückgemacht. Wir wollten nicht direkt kritisieren, sondern eher darüber sprechen – keine Lösungen, aber Wege der Stärke. Dinge, die Menschen helfen könnten, mit dem klarzukommen, womit sie kämpfen. Dieses Album hat eine andere Stimmung. Es ist positiver. Es geht um Einheit, um die Magie, die entsteht, wenn Menschen zusammenkommen und Metal feiern. Es geht mehr um Zusammenhalt als um Spaltung. DarkScene: Ich habe zwei Songs, die ich gerade rauf und runter höre: den Titeltrack "Krushers of the World" und "Loyal to the Grave". Mille Petrozza: Ah, danke dir! DarkScene: Ich drehe voll auf, selbst wenn meine Frau schreit: „Was ist das für ein Lärm?!“ Frédéric Leclercq: Wie kann sie es wagen! alle lachen DarkScene: Die Songs sind hymnenartig, sehr stark in dieser Botschaft von Zusammenhalt, Spaß haben, manchmal kämpfen. Mille Petrozza: Vielen Dank! DarkScene: "Seven Serpents" ist auch großartig. Ich habe recherchiert: Es geht um sieben Schlangen mit verschiedenen Köpfen, die jeweils für etwas stehen – Hass zum Beispiel. KREATOR thematisieren damit zerstörerische Impulse, die Menschen und Gesellschaften auseinanderreißen. Mille Petrozza: Und der Umgang damit ist das Wesentliche – der Blood Whistle-Moment in der Mitte des Songs, „amor fati“, also: Umarme dein Schicksal. Akzeptiere, was passiert, aber sei stark. Wir sind alle umgeben von seltsamen und furchtbaren Menschen, Milliardären, die alles zerstören – und es ist schwer, damit umzugehen. Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollte man das annehmen, womit man konfrontiert wird, und zurückkämpfen. Frédéric Leclercq: Stoizismus. Genau das. Mille Petrozza: Marcus Aurelius. Frédéric Leclercq: Genau. Das ist es, womit wir uns gerade beschäftigen. Es gibt das Buch „The Daily Stoic“, jeden Tag ein Satz von Aurelius oder anderen. Chris von Five Finger Death Punch hat es mir damals gegeben. Es erinnert dich daran, Dinge nicht zu nah an dich ranzulassen. Umarme dein Schicksal. Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter. Mille Petrozza: Gerade auf Tour hilft das wahnsinnig. Es geht ständig etwas schief. Dinge laufen nicht wie geplant. Und dann ist es frustrierend. Diese Denkweise hilft, klarzukommen. Nicht immer, aber oft. DarkScene: Wenn Bands so lange existieren wie ihr, kommt immer die Frage nach Veränderung und Weiterentwicklung. Online liest man: „Ihr klingt nicht mehr wie früher.“ Wie reagiert ihr darauf? Mille Petrozza: Als wir "Endless Pain" machten, waren die Songs von mir, als ich 15 war. lacht DarkScene: Genau deshalb frage ich. Viele sagen auch über andere Bands, z. B. Iron Maiden, dass sie heute anders klingen als in den 80ern. In meinen Augen ist das normal. Künstler wachsen. Frédéric Leclercq: Exakt! Mille Petrozza: Exakt! 1: Wir wissen, dass es Leute gibt, die wollen, dass alles in 1985 stehenbleibt. Das ist Nostalgie. Aber es sind 40 Jahre vergangen. Wir sind weitergezogen. Manche Fans nicht – zumindest musikalisch.Es gibt zwei Optionen: – Du hörst die neuen Sachen nicht. – Oder du hörst Bands, die den alten Stil spielen. Oder du hörst einfach die alten Alben von uns. Wir machen das ja auch bei Bands. Wir lieben die Scorpions – meine Lieblingsphase ist Uli Jon Roth. Trotzdem respektiere ich auch das neue Material. Ich würde aber nie online fordern: „Bringt Uli zurück!“ Diese Art Respekt wünsche ich mir auch. Frédéric Leclercq: Und objektiv: Die Band ist besser geworden. Die frühen Songs sind cool – für 15-Jährige. lacht Aber heute ist das Songwriting stärker. Mille Petrozza: Geschmack ist verschieden. Wir könnten zwei Stunden darüber sprechen. Du kannst es nie allen recht machen. Frédéric Leclercq: Ich habe aufgehört, über Musik zu diskutieren wie früher. Gestern sagte jemand: „Das neue Megadeth ist schlecht, weil es nicht wie "Rust in Peace" klingt.“ Ja … aber "Rust in Peace" existiert doch noch. Mille Petrozza: Genau. Und im Metal sind Fans leidenschaftlich. Das ist gut. Aber sie sollten respektvoll bleiben. Wir sind glücklich, dass wir immer noch hier sind – und die Fans sollten es auch sein. KREATOR - "Seven Serpents" (OFFICIAL MUSIC VIDEO) DarkScene: Ich mag Britta Görtz sehr, und als ich das Video zu "Tränenpalast" sah und sie mit euch gehört habe, dachte ich: Das passt perfekt. Wie kam der Kontakt zustande? Frédéric Leclercq: Ich kenne sie schon länger. Habe 2018 mit ihr abgehangen. Sie hat mit Jens aufgenommen, und Jens schlug sie vor. Wir suchten etwas Besonderes für "Tränenpalast". Als wir ihre Stimme hörten, waren wir beeindruckt. Es gibt sogar drei Versionen: – eine nur mit Mille, – eine, in der Britta nur „to die“ singt, – und die finale Version. Mille Petrozza: Sie ist großartig. Und ihre dunkle Präsenz passt perfekt zum Video, das von „Suspiria“ inspiriert ist – der weibliche Blickwinkel des Hexenzirkels. DarkScene: Gibt es weitere Songs auf dem Album, die von Filmen inspiriert sind? Mille Petrozza: Ich glaube nicht direkt. Vielleicht "Barbarian" ein bisschen. Frédéric Leclercq: Ja, ein wenig. DarkScene: "Barbarian" ist ein brutaler Brecher. Ihr könntet das ganze Album live spielen – wie Iron Maiden. alle lachen Live habt ihr eine noch stärkere Energie. Frédéric Leclercq: Jens (Bogren) hat das sehr gut eingefangen. Er ist unser Mann. ![]() DarkScene: Bogren ist ein Mastermind. Als Band aus dem Ruhrgebiet – dem Ursprung des deutschen Thrash – beobachtet ihr die neue Thrash-Generation? Mille Petrozza: Der Ursprung ist Ruhrgebiet, Frankfurt und Weil am Rhein. Es gibt ein paar coole Bands hier. TRAITOR – sind sie aus der Gegend? DarkScene: Ich glaube ja. Mille Petrozza: Dann AETERNITAS, THE ATTIC – die klingen etwas wie Mercyful Fate. Sehr gut. Und … überlegt Ah! THE NIGHT ETERNAL. Sehr gute Band. DarkScene: Wenn der Mille von heute dem Mille aus den Anfangsjahren begegnen würde: Was würdest du ihm raten? Mille Petrozza: Gar nichts. Ich würde ihn einfach leben und lernen lassen. Du musst Fehler machen. Vielleicht würde ich sagen: „Nimm keine Drogen.“ Aber … lacht na ja. DarkScene: Eine letzte Frage: Wisst ihr schon, welche Songs von "Krushers of the World" ihr live spielen wollt? Mille Petrozza: Ich würde gerne den Titeltrack spielen, "Seven Serpents", "Tränenpalast". Aber wir müssen sehen – eine Setlist muss wie ein langer Song funktionieren. Und du kannst nicht zu viele neue Songs spielen, sonst fliegen Klassiker raus. Schwierig. DarkScene: Schwere Entscheidungen. Ich hoffe, euch in Frankfurt zu sehen. Danke euch vielmals. Mille Petrozza: Dankeschön, thank you, ciao. KREATOR - "Satanic Anarchy" (OFFICIAL MUSIC VIDEO) Interview: Tobias Stahl Photocredit: Robert Eikelpoth Mehr von Kreator
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