Während meine Wenigkeit bereits früh im jungen Jahr an einem ersten metallisch emotionalen Tiefpunkt angelangt ist, um die weitgehende Leere am Release-Kalender zu bejammern, ziehen die langen Schatten von Marianas Rest über mein Haupt. Herrlich, wie dunkel und stilvoll hier tiefnordisch musiziert wird. Schön, dass es somit nicht nur an Megadave’s Abschiedsplatte liegen muss, das Jahr glorreich zu eröffnen…
Marianas Rest treffen punktgenau in jene elegante Mitte, die große glamouröse Bestattungsunternehmen wie Katatonia, Virgin Black, Swallow The Sun im Rückblick auf die frühen Sins Of Thy Beloved oder Sentenced in zeitloser Klasse fernab aller Genre-Zwänge erschaffen haben. Dabei paaren die stilsicheren Nordlichter ihre
episch monumentalen Trauergewände mit güldenen
Amorphis- oder
Insomnium-Melodieläufen und der eingängigen Dunkelheit von
Barren Earth und
Ghost Brigade.
Große Referenzen, großer Abgesang, großes Kino!
Marianas Rest können aber getrost selbstsicher mit diesen Namen kokettieren. Die 2013 geründeten Finnen liefern auf ihrem fünften Studioalbum nahezu makellos.
Ihr ausladende, nicht immer auf den ersten Moment greifbare, monumentale Melancholie zwischen Death Doom, tieftraurigem Post Metal und düster traurigem Dark Rock mit Black Metal Atmosphäre ist nahe der Perfektion und ein gefundenes Fressen für alle Jünger eingangs erwähnter Bands. Mental standfest sollten man indes natürlich sein, wenn ein tief sakrales
"Thank You For The Dance" in zutiefst nordischer Kälte, einen düster emotionalen Death Doom Mantel über einen legt, aus dem man nur schwer wieder rauskommt.
Marianas Rest fesseln, packen und bannen. Egal, ob beim elegant melodiösen
"Rat In The Wall" mit seinen flüsternden Vocals, harschen Ausbrüchen und großartigem Chorus, oder beim mitreißenden
"Divided", dessen superbe Melodie um diabolischen Vocals tänzelt, um bei den zerbrechlichen Momenten in tragenden Rhythmen ganz besonders zu scheinen.
"The Bereaved" hat dieses besondere, magische Etwas, das nur wenige Platten haben. Es ist zutiefst nordisch, todesnah und mitunter absolut diabolisch. Am anderen Ende ist es hoch emotional, zerbrechlich schön und behutsam. Zu jedem Moment ist es aber zutiefst melancholisch und fesselnd, nach einigen Durchläufen geradezu hypnotisch.
In seinem traurig schönen Korsett ist es aber auch abwechslungsreich und zeitgemäß.
"Again Into The Night" ist ein
nordischer Melo-Doom Hit mit schwarzmetallisch singenden Gitarren und herrlichen Leadmelodien.
"Diamonds In The Rough" ist ein treibender Smasher im besten
Amorphis-Style und
"Burden" erstrahlt geradezu in seiner getragen sakralen Dunkelheit. Düster und behutsam wie die 90er Jahre Szene es vorgemacht hat.
Getragen von packenden Gitarren, allgegenwärtigen Doom- und Death Vibes, jedoch verziert von stilsicheren Keyboards, elegischen Post-Melodien, dezentem Flüstern, Frauenstimmakzenten und im Hintergrund gehaltenen Chören. Diese
geradezu makellos Vielfalt der Trauer und Dunkelheit gipfelt im Klaggesang von
"Goodbyes And Good Intentions", einer zu
Paradise Lost‘s
"Icon" Meisterstück schielenden Death/Doom-Ballade wie
"Pity The Living*, dem soundtrackartigen Instrumental "Tyhjä
" und dem finalen "The Colour Of You+.
Marianas Rest sind zweifelsohne schwere Kost. Ein intensiver, fordernder Soundtrack zum Abgesang. Düster dunkler Skandinavien-Death-Doom mit keifend emotionalen Vocals, pechschwarzer Melancholie und stilsicherer Dark-Rock und Post-Metal-Anleihe. Voll endloser Atmosphäre und letztlich wunderschön.
Hier passt vom Sound über die Stimmung bis zum Artwork alles.
Packen muss man es halt auch und gerade das ist vielleicht nicht jedes “Hinterbliebenen“ Sache…