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Anacrusis - Screams And Whispers (CD)
Label: Metal Blade Records
VÖ: 11.05.1993
Homepage | MySpace
Art: Classic
Werner
Werner
(1336 Reviews)
Dass Kentucky neben seiner Gummiadler-Fließbandproduktion auch erlesene Metal Delikatesssen aufzutischen vermag, dürfte in unseren Gefilden nicht all zu bekannt sein. Die dort ansässigen Avantgarde-Thrasher Anacrusis (Begriff aus der Musiksprache = Upbeat) gehörten zu dieser Spezies, eine mit unerschöpflichen Ideen bestückte Allianz von Gourmetköchen. Auf dem vorliegenden vierten Album konnte die aus seinen drei Vorgängern "Suffering Hour" ('88), "Reason" ('90), "Manic Impressions" ('91) entstandene Bandbreite, welche aus den Hauptzutaten der Prog/Thrashküche mit 'ner kräftigen Prise Melancholie bestand, perfektioniert werden und würde den Ruf als Protagonisten endgültig festigen.

Am Dach dieses komplexen Fundaments thront(e) Kenn Nardi, seines Zeichens Sänger, Gitarrist und das Hirn Anacrusis': von introvertiert, flüsternd (>"Whispers") bis zu den abgefahrensten Brüllexzessen (>"Screams") wusste das verkannte Genie den jeweiligen Stimmungen seinen Stempel unverfälscht aufzudrücken. Jeder, der auf anspruchsvolle, lang anhaltende, tiefgehende, ja durchaus bizarre Kost Wert legt, müsste schon bei den initialen Klängen des phänomenalen Einstiegs "Sound The Alarm", den von überragenden Vocallines ausgestatteten "Sense Of Will" & "Too Many Prophets" bzw. "Tools Of Separation" oder dem Psychodelic - Feger "Division" Freudentänze aufs Parkett legen, selbst wenn das Songmaterial schon wieder über zehn Jährchen auf dem Buckel hat und wie bereits angedeutet nicht immer von der leicht verdaulichen Sorte ist - vor allem bei der zweiten Hälfte des Albums. Selbstverständlich läuft da nichts ohne Aufmerksamkeit um in diese kalte, abstrakte, dennoch wundersam erschaffene Welt Anacrusis' einzutauchen.

Der für "Screams And Whispers" eigenwillige, fein justierte Sound kann sich nach wie vor mit aktuellen Standards messen und dokumentiert gleichzeitig das Ableben einer der einst hoffnungsvollsten, gegen den Strom schwimmenden Kombos, deren Tonträger noch gegenwärtig unsere Lauscher äußerst kompetent zu verwöhnen wissen. Damals wie heute fällt es mir schwer, vergleichbares aufzuzählen, lediglich die frühen Taten der Berliner Melancholikmetaller Depressive Age oder jene von Civil Defiance dienen als Orientierungs - Eckpfeiler.

Trackliste
  1. Sound The Alarm
  2. Sense Of Will
  3. Too Many Prophets
  4. Release
  5. Division
  6. Tools Of Separation
  1. Grateful
  2. A Screaming Breath
  3. My Soul's Affliction
  4. Driven
  5. Brotherhood?
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