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04.10.2010: Russel in Knast! Stellungnahme der Kollegen. (Böhse Onkelz)
Nach demverursachten Unfall in der Silvesternacht 2009 / 2010 musste sich der ehemalige Böhse Onkelz-Sänger Kevin Russell vor Gericht verantworten. Die Strafe steht jetzt fest:
Russel muss für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Es war ein schnelles Verfahren, das am 24.09.2010 begann und schon am 04.10.2010 zu einer Urteilsverkündung gelangt. Indizien, Zeugen und Gutachten waren stichhaltig genug, um den ehemaligen Böhse Onkelz-Sänger für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis zu schicken. Die Staatsanwaltschaft lag mit ihrer Forderung von drei Jahren und vier Monaten noch etwas über dem Urteil.

Damit ist auch die Schuldfrage für den Unfall geklärt, bei dem zwei Männer schwer verletzt wurden. Laut dem Gerichts-Ticker von bild.de erklärte der Richter wörtlich:
"Die einzige Ursache für den Unfall war fahrerisches Versagen."
Seinen Führerschein muss Kevin Russell für vier Jahre abgeben

Bereits vor einigen Tagen hatten sich Russels ehemalige Bandkollegen Stephan Weidner und Pe Schorowsky in einem Statement von ihrem langjährigen Mitstreiter distanziert.

In der Stellungnahme heißt es u.a.:

"Kevins Krankheit und Drogenproblematik war schon immer allgegenwärtig und wurde nicht, wie oft fälschlicherweise dargestellt, durch das Ende der Onkelz ausgelöst, sondern war maßgeblich dafür verantwortlich, dass es zur Trennung kam. Wir haben uns damals konsequent für das Ansehen der Band entschieden und gegen eine damals schon absehbare mögliche Demontage.

Eines könnt ihr uns glauben: Wir wollten Kevin schützen – vor sich selbst und davor, die Öffentlichkeit an seinem Zerfall teilhaben zu lassen. Und wir wollten unsere Arbeit, all das Herzblut und all die Widerstände nicht dadurch in Frage stellen, weil wir nicht die Größe besitzen, zum richtigen Zeitpunkt den Vorhang fallen zu lassen. Soweit die Intention… Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob die Menschen, die ihr so verehrt, allen voran Kevin, nicht einfach nur eine Projektion eurer Vorstellungen und Idealisierungen sind? Ehrlich, ihr habt es mit Menschen zu tun, die die gleichen Stärken und Schwächen und Ängste haben, wie ihr. Die es lediglich geschafft haben, ihre Probleme, Dämonen, ihre Zerrissenheit und ihre Auseinandersetzungen besingen zu dürfen und deren Lieder von vielen Menschen wahrgenommen wurden. Stephans Texte waren auch immer Therapie und Durchhalteparolen, für Kevin und uns selbst.

Leider wenden sich die Dinge nicht immer zum Besten und sind nicht immer ganz Ideal… Wem erzählen wir das? Bereits vor dem Ende des Onkelz nahm die Anzahl der Gelegenheiten zu, in denen Kevins Dämonen die Oberhand behielten. Mal folgenlos, mal mit dramatischen Auswirkungen. Und auch, wenn er durch die Hilfe seiner Freunde immer wieder der eigenen Hölle entkommen konnte, mussten wir über die Jahre einsehen, dass sich die Sucht in eine Krankheit verwandelt hat, die er nicht dauerhaft besiegen konnte. Dass man beste Freunde war, ist leider keine Garantie, dass es immer so bleibt. Freundschaften und Beziehungen sind keine Einbahnstraßen und wenn die gegenseitigen Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden, die Ansichten und Werte nicht mehr übereinstimmen, hilft auch das Ganze gemeinsam Erlebte nicht weiter. Was aber im Umkehrschluss nicht heißt, dass die ganze Vergangenheit erstunken und erlogen war.

In unserer Biographie ist Kevins Suchtkarriere detailliert und angemessen drastisch geschildert. Jemandes Karriere, den Alkohol und Drogen mehrfach fast umgebracht haben und bei dem der ständige Missbrauch sichtbar Spuren hinterlassen hat. Der Kevin, der dieser Tage auf der Anklagebank sitzt, ist nicht mehr der Kevin, mit dem wir gemeinsam all die Jahre durch dick und dünn gegangen sind.

Kevin hat sich in den letzten Jahren ein neues Umfeld zugelegt und auf Einflüsterungen gehört, die nicht gut für ihn waren. Dabei sind Dinge passiert und auch nicht passiert, die irreparable Schäden hinterlassen haben. Unsere Gedanken sind nach wie vor bei den Opfern.

Wir wünschen den beiden von ganzem Herzen, alles erdenklich Gute."
Quelle: Metal Hammer
Böhse Onkelz im Internet
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