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Marilyn Manson, Rob Zombie
09.12.2012, Zenith, München 
 
Wenn sich mit Marilyn Manson und Rob Zombie zwei der kontroversiellsten, jedoch auch herausragendsten Persönlichkeiten im Metal zusammentun, um gemeinsam als Twins Of Evil Europa zu betouren, garantiert das für ausverkaufte Hallen.
Professor Röar
Professor Röar
(9 Live-Berichte)
Wenn sich mit Marilyn Manson und Rob Zombie zwei der kontroversiellsten, jedoch auch herausragendsten Persönlichkeiten im Metal zusammentun, um gemeinsam als Twins Of Evil Europa zu betouren, garantiert das für ausverkaufte Hallen. Die Könige des Schock-Rock gemeinsam zu erleben, verspricht nicht nur erstklassige Musik, sondern vor allem eine Monster-Show, die trotz der natürlich beengten Verhältnisse in den mittelgroßen europäischen Hallen neue Maßstäbe setzt und ein Spektakulum sondergleichen erwarten ließ. Demenstsprechend gespannt setzte sich die halbe DS-Redaktion Richtung München in Bewegung, um dort im Zenith den Meistern des Horror-Rocks zu lauschen, und das obwohl Marilyn Manson 3 Jahre zuvor in Innsbruck eine mehr als erbärmliche Show geliefert hatte, für die man den durchgeknallten Ami eigentlich für immer meiden sollte.

Das ausverkauften Zenith wurde von einer gut durchmischten Fanmeute aus Metal-, Alternativ-, Gothic- und Rock-Mädels und –buben bevölkert, als der Anheizer-DJ des Abends (angeblich DJ Starscream aka Sid Wilson von des Professors "Lieblingen" Slipknot, unter Umständen aber auch irgend ein lokaler Möchtegernmusiker) die anwesende Meute mit einem gar grausamen Mix aus Metal, Industrial und Elektrobeats nervte. Nichts gegen die DJ-Kunst generell, aber was hier geboten wurde, war a) an diesem Abend ziemlich unpassend und b) irgendwie auch ziemlich mies und zudem vollkommen untanzbar. Glücklicherweise dauerte diese wahrhaft unterdurchschnittliche Performance nicht all zu lange und man konnte sich umso mehr auf die Co-Headliner des Abends freuen.



Für viele Anwesende war es dann eine ziemliche Überraschung, als sich zur Filmmusik von Dario Argentos "Suspiria" hinter einem gigantischen Vorhang eine Silhouette abzeichnete, die sich dann als Marilyn Manson herausstellte, der den Gig mit "Hey, Cruel World" vom aktuellen "Born Villain"-Album eröffnete. Und der bleiche Meister der Provokation zog in den folgenden 60 Minuten dann alle Register seines Könnens als Showmaster und präsentierte einen repräsentativen Querschnitt seines musikalischen Schaffens. Zwar ist der inzwischen gar nicht mehr anorektisch, sondern gar etwas schwabbelig anmutenden Manson wirklich kein großer Freund der Kommunikation mit dem Publikum, bot aber solide Rock-Show, deren Schock-Elemente jedoch zumindest in Europa niemandem mehr wirklich weh tun. Vor durchaus protzigen Bühnendekorationen feuerte Manson eine imposante Lichtshow ab, badete das Publikum in Konfetti und gleißendem Strobolicht und bestritt beinahe jeden Song in einem neuen Kostüm. So erschien er bei "Love Song" als katholischer Bischof, drei Tage nach dem Nikolausfest zeitlich durchaus passend und durchaus für den einen oder anderen Lacher gut. Ob das aber die Intention Mansons war, darf bezweifelt werden, denn zumindest in den USA kann man als Mischung aus Teufelsfratze und Nikolaus ziemlich sicher noch ein paar Bible-Belt-Bewohner schockieren.
Die erste musikalischen Höhepunkte der Manson-Show, der sich an diesem Abend in absoluter Höchstform präsentierte, war wenig überraschend der Coverversionen-Doppelhammer aus Depeche Modes "Personal Jesus" und dem Eurythmics-Geniestreich "Sweet Dreams", bei denen sich im Zenith wild bangendes Metalvolk und verträumt entschwebende Gothics zumindest im Geiste die Hände reichen konnten. Bei "Antichrist Superstar" erschien Manson dann im schwarzen SS-Ledermantel mit Seitenscheitel auf einem Rednerpult inklusive Hakenkreuz-Anspielung und räkelte sich zu den Klängen eines seiner größten Hits vor dem inzwischen durchaus begeisterten Publikum, bevor mit "The Beautiful People" endgültig Schluss war.
So gut die Show auch musikalisch war, stieß zumindest einigen Anwesenden der massive Einsatz von Samples und Elektronik leicht sauer auf. Gerade bei den Chören war es mehr als nur offensichtlich, dass hier alles vom Laptop kam und weder Manson noch seine Band für die Backing Vocals sorgten. Da die Musik dieser Band jedoch immer schon von Elektronikelementen dominiert war, sollte niemand über eine solche, ans Halb-Playback grenzende Performance überrascht sein.

Setlist Marilyn Manson:

Hey, Cruel World...
Disposable Teens
The Love Song
No Reflection
mOBSCENE
The Dope Show
Slo-Mo-Tion
Rock Is Dead
Personal Jesus
Sweet Dreams (Are Made of This)
Coma White
King Kill 33°
Antichrist Superstar
The Beautiful People



Warum auf dieser Tour Rob Zombie den Headlinerstatus inne hatte, wurde einem spätestens klar, als die Bühne für den ungekrönten Meister des Horror-Rocks umgebaut wurde und auf dem riesigen Bühnenbackdrop King Kong auf das unwürdige Münchner Publikum herunterblickte. Beim Intro zum Opener "Jesus Frankenstein" prasselten gleich mehrere Videoprojektionen gleichzeitig auf die Anwesenden hernieder, thematisch – wie könnte es auch anders sein – natürlich Montagen klassischer Horrorfilme, allen voran Frankenstein. Dazu gab es Podeste und Laufstege für die Musiker und allerhand anderen Horrorkram wie Skelette. Als der Meister mit seiner Band, ganz in Horrorschminke, dann die Bühne betrat, zeigte sich, wie unterschiedlich die beiden Künstler dieses Abends doch waren. Während Manson sich als arroganter Rockstar mit leicht angestaubter Theatralik präsentierte, suchte Rob Zombie den Kontakt zum Publikum und präsentierte eine augenzwinkernde Horror-Show, wie man sie in solchen Hallen in diesem Ausmaß wohl selten erlebte. Rob Zombie setzte auf massiven Einsatz von Videoprojektionen, die sowohl Zeichentricksequenzen als auch Zusammenschnitte diverser Horror-, Exploitation- und 70er-Russ Meyer-Tittenfilmchen beinhalten – hier zeigte sich eindeutig, dass der Mann inzwischen hauptsächlich als Filmemacher tätig ist. (Ein Darkscene-Special über sein Schaffen als Ikone des Trash-Horrors kann man hier nachlesen.) Dazu gab es auf der Bühne Flammenwerfer, riesige Roboter und andere Horrorgestalten – passend zu Mansons Nikolauskostüm brachte Rob Zombie einen mehrere Meter hohen Krampus mit. Dazu war Rob Zombie, mit seinen 48 auch nicht mehr der Jüngste, ständig in Bewegung und bot mit seiner Band neben dem visuellen Overkill eine astreine Rock and Roll-Show, bei der er es immer wieder verstand, das Publikum zu motivieren und mitzureißen. jetzt mal ehrlich: Wo sonst sieht man heute bei einem Hallengig noch Mädels im Publikum, die sich ihr Oberteil vom Leib reißen?
Musikalisch bot Rob Zombie eine absolut authentische Leistung ohne den erwarteten massiven Einsatz von Computerunterstützung und spielte einen repräsentativen Querschnitt seines Schaffens, inklusive der White Zombie-Kracher "More Human Than Human" und "Thunder Kiss '65". Zwischendurch machte Rob Zombie Werbung in eigener Sache und präsentierte den Trailer zu seinem kommenden Schocker "The Lords Of Salem". Doch auch seine Band durfte zeigen, wozu man im Stande war. Neben dem Drumsolo von ex-Marilyn Manson-Musiker Ginger Fish überraschte besonders Gitarrist John Five, ebenfalls früher in mansons Diensten, mit einem halsbrecherischen Solo, bevor Alice Coopers Megahymne "School's Out" den regulären Gig beendete. Als Zugabe spendierte Rob Zombie seinen Anhängern dann schließlich seinen größten Hit "Dragula", bevor wie bei Manson nach knapp einer Stunde Schluss war.

Setlist Rob Zombie:

Sawdust in the Blood
Jesus Frankenstein
Superbeast
Meet the Creeper
Living Dead Girl
More Human Than Human
Theme for an Angry Red Planet
Mars Needs Women
Never Gonna Stop
Sick Bubble-Gum
Scum of the Earth
Lords of Salem
Thunder Kiss '65
School's Out
Dragula



Obwohl weder Zombie noch Manson wirklich Evil sind, konnten beide das Publikum voll und ganz überzeugen, als Gewinner des Abends ging aber eindeutig Rob Zombie hervor, der nicht nur die massivere Show mit den größeren Robotern bot, sondern sich auch als Entertainer ersten Ranges bewies, den man gerne öfter in europäischen Gefilden sehen würde. Einziger wirklicher Wermutstropfen dieses Abends war der überraschende Wintereinbruch während des Konzerts, der die Heimreise ins knapp 170km entfernte Innsbruck zu einem echten 4-stündigen Horrortrip werden ließ. Da konnte der Cheffe zeigen, welch Held hinter dem Lenkrad er doch in Wirklichkeit ist…

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