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Grip Inc. - Synonym für absoluten Idealismus und Durchhaltevermögen
Grip Inc. - Synonym für absoluten Idealismus und Durchhaltevermögen  
Waldemar Sorychta - Gitarrist, Komponist und Produzent von Grip Inc.. sprüht vor Enthusiasmus, was die neue, sehnsüchtigst erwartete Langgrille "Incorporated" betriff. Dennoch: Er ist alles andere als ein Naivling, denn dafür ist er viel zu lange im Musikgeschäft.
Werner
Werner
(45 Interviews)
DarkScene: Servus Waldemar, zuerst eine schlechte Nachricht: Ich habe bis heute auf eure Promo CD gewartet, aber bis unserem Interviewtermin leider nicht bekommen (am nächsten Tag traf das Teil dann ein, Anmerkung des Verfassers); Ich kenne also nur "Skin Trade" vom SPV Sampler, der so eine Mischung aus euren bisherigen Alben, sozusagen aus den Trademarks der ersten beiden Alben bezüglich Aggressionslevel und den experimentellen Segmenten von "Solidify" verkörpert ...

Waldemar Sorychta: Schade, daß Du sie noch erhalten hast. Von einem Song ausgehend kann man schwer die gesamte Platte beurteilen, es sind ja noch zehn weitere darauf. Ich würde meinen, jeder dieser zehn hat sein eigenes Innenleben, was sie miteinander letzlich verbindet. Sie wurden, jeder für sich - auf den Punkt gebracht, das heißt die spielen nicht belanglos in der Gegend herum. Was sie im weiteren verbindet, ist die Aggression, was die Frage erklärt, warum alles so lange gedauert hat. Nach der letzten Scheibe hat man doch allmählich gemerkt, daß schön langsam die Luft raus ist. Bei einer Musikart wie wir sie spielen, ist es wichtig die innere Bereitschaft zu haben, daß dem Hörer das Gefühl gibt: Du, die wollen da was auseinander nehmen. Da steckt dermaßen viel Energie drin, die Du Dir kaum vorstellen kannst. Wenn Du nur mehr ins Studio gehst um legiglich eine Platte aufzunehmen, dann ist was faul dran. Dann ist es nur mehr Routine, genau das, was wir meiden wollten. Wir haben uns nie aufgelöst. Wenn es uns weiter geben soll und wir ins Studio gehen, dann wird es immer die beste Grip Inc., die es je gegeben hat.

DarkScene: Wie sahs mit der Verteilung des Songwritings aus, geht das meiste wieder auf Deine Kappe?

Waldemar Sorychta: Die Musik habe ich geschrieben. Stuart (Bass), dass ist die Sache, die noch nicht wissen kannst, hat auf der neuen CD nicht Bass gespielt, ist aber nach wie vor unser vierter Mann. Warum das so gekommen war, ist eine längere Geschichte und hat auch damit zu tun, warum es mit "Incorporate" so lange gedauert hat. Das beruht auf die Tatsache, daß man mich aus den USA ausgewiesen hat. Ich wurde mit Handschellen ausgeführt und bin jetzt dort als Verbrecher registriert.

DarkScene: Interessant, darf man fragen warum?

Waldemar Sorychta: Natürlich darf man. Wir hatten ja die Vorproduktion so gut wie abgeschlossen, dann fing der ernsthaftere Teil der Produktion an ... wie Du vielleicht weißt ist L.A. bisher der Hauptsitz von Grip Inc. gewesen. Hier haben sie mich zur Seite genommen, ich will jetzt keine Namen nennen ... aber seit der neuen Regierung haben sich einige Dinge geändert, natürlich oft unter falschem Vorwand. Und man fühlt sich jetzt noch mehr bestätigt in Rechten, Leute zu verfolgen, weil man verbindet ja quasi alles mit Terroranschlägen. Wie gesagt, mich nahm zur Seite, weil man meinte, ich sei sieben Jahre zuvor, man muß das erst mal vorstellen ... einen Tag zu lange (!) in den USA gewesen, bis dann herauskam, dass sie sich verrechnet hatten. Das war aber Grund genug, mich als Schwerverbrecher zu notieren. Ich durfte nicht anrufen, nicht auf's Klo, kein Wasser trinken und hat mir nicht erlaubt, mein Managment anzurufen! Ich war knapp davor, die Behörden anzuflehen, sie sollen zum Managment Kontakt aufnehmen, dann wird man alles abklären, denn da draußen warten Leute auf mich. Ich erklärte vehement, die ganze Geschichte ist verdammt wichtig für meiner Einer, dann kam die arrogante Antwort: Wenn sie schon so talentiert sind, bekommen sie sicher noch genug Aufträge. Man hat mich über sieben Stunden verhört, anschließend mit Handschellen zum Flugzeug geschickt und man muß sich vorstellen, auf den Papieren, die man dem Piloten ausgehändigt hat, stand nicht mal mein Name richtig drauf und der Bedienstete, der meinen Namen abgeschrieben hat, konnte zudem nicht einmal den Namen korrekt abschreiben. Du musst Dir jetzt den Zusammenhang vorstellen: Da arbeiten Leute auf einem der größten Flughäfen der Welt, die über die Zukunft anderer entscheiden und nicht einmal fähig sind, einen Namen richtig abzuschreiben bzw. nicht einmal die Tage genau zählen können. Das war letztlich der Grund, warum wir unsere Pläne komplett umarrangieren mußten, da war die Sache mit dem Bass gar kein so großes Problem, denn wir hatten dann ganz andere in den Griff zu bekommen. Aber Stuart bleibt definitiv unser Livebassist.

DarkScene: Du bist ja als Produzent sämtlicher Century Media Bands tätig, kommt es da nicht zu Engpässen mit Deinem Hauptbetätigungsfeld?

Waldemar Sorychta: Das ist 'ne Frage auf man wiederum mehrere Antworten geben kann. Weil da schliesse ich gleich Dave Lombardomit ein, der ja bekanntermaßen auch wieder für Slayer tätig ist. Das wichtigste für mich ist, wenn wir Grip Inc. machen, dass jeder einzelner von uns nicht nur 100%, sondern einfach sein aller aller Bestes gibt, sowas kann man sowieso nicht mehr toppen ... dann ist es auch egal, was man alles in seiner Freizeit tut. Du kannst auch schlecht 360 Tage im Jahr touren, es gibt genug Leute, die Musik lieben und uns keine Grenzen aufzeigen wollen, die nicht sagen, ihr dürft nur in einer Band spielen. Wir leben einfach das, was wir tun und wenn es heißt Grip Inc.., dann gibt wie gesagt jeder sein allerletztes, insofern erübrigen sich da die anderen Fragen. Natürlich ist es seitens der Planung nun schwieriger, als vor fünf, sechs Jahren, da Dave eben wieder bei seiner alten Kapelle spielt. Ich sag' mal: Wo der Wille ist, ist auch ein Weg, d.h., es hängt jetzt auch vom kommerziellen Erfolg der Platte ab, was weiter geschieht. Die Songs werden dadurch ja nicht besser, je öfter sie sich das Ding verkauft, aber es würde uns mehr Möglichkeiten eröffnen. Daher wollen wir bezüglich Touren, Festivals etc. derzeit nicht zu viel vorplanen. Aber man wäre ja blöd, eine Sache, die gut läuft, in den Wind zu schießen.

DarkScene: Jetzt muß ich mal in die tief in die Kiste der Vergangenheit greifen : Was machen Deine ex-Kumpels von Despair?

Waldemar Sorychta: Ich weiß lediglich, dass Markus Freiwald als Schlagzeuglehrer im Einsatz sein soll. Bis vor ein paar Jahren war das auch so, inzwischen ist er in der Computerbranche tätig. Die anderen sind ebenso in anderen Bereichen verstreut. Ich glaube nicht, daß einer von ihnen noch was mit Musik macht.

DarkScene: Schade, Markus z.B. wäre ein talentierter Mann gewesen...

Waldemar Sorychta: So ist es, in dieser Sache möchte ich nebenbei erwähnen, daß bei einem Experiment, nämlich wenn alle Musiker, Manager und Journalisten dieser Branche von heute auf morgen plötzlich kein Geld mehr damit verdienen würden, garantiert nur noch eine Handvoll diesen Job weiter betrieben ... denn ich kann mich erinnern, als vor 12, 13 Jahren meine ex-Kollegen behauptet haben, Musiker sei ihr Traumberuf ... und was machen sie heute?

DarkScene: Deine frühere Band wurde ja nicht zu Unrecht als progressiv angehauchte Speed/Thrashband gehandelt, vor allem wegen Deines Gitarrenspiels, wo liegen Deine musikalischen Wurzeln?

Waldemar Sorychta: Puh ... ich werde desöfteren wegen meines Gitarrenspiels gefragt, wer da meine Idole wären. Da erwarten sich die meisten Richie Blackmore oder was weiß ich wen ... also vom Gitarrenspiel her, würde ich am ehesten sagen vom Flamenco. Das hat sehr viel Innenleben, bietet zum einen eine teilweise aggressive Rhythmik und zum anderen sehr viel Gefühle. Es zeigt eigentlich mehr Inneres, als so manch Metalklamotten, wobei ich jetzt hier keinem zu nahe treten will. Was glaubst Du, wie lange ich schon kein Radio mehr höre? Das ist alles nur mehr ein Rumgegurke, wo's drum geht, sich von den Gefühlen anderer Leute verleiten zu lassen und dafür 15 Euro abgezockt werden. Das mag jetzt lächerlich klingen, aber so wars auch vor 100 oder 200 Jahren. Und das ist der Punkt, der mich traurig stimmt, denn mindestens 50% der in der Musikbranche Tätigen wissen nicht einmal warum sie es machen und wie es überhaupt funktioniert ... und wieso? Weil sie damit Geld verdienen. Um nochmal auf unsere Platte zu kommen, da gibts ein Stück, nämlich "Enemy Mind" wo man Flamencogitarren zu hören bekommt, was aber nicht bedeuten soll, dass es mit Grip Inc. nichts zu tun hat. Das Teil hat einfach viele Gesichter und ist doch homogen. Bei "(Built To) Resist" luden wir Eicca Toppinen von Apocalyptica zu uns, dieser Song basiert auf Cellos, den mußten wir eben für Grip Inc. modifizieren, zeigt aber ebenso eine gänzliche Homogenität.

DarkScene: Welche Themen behandelt Gus Chambers auf dem neuem Album?

Waldemar Sorychta: Die meisten davon sind sehr persönliche. Und manche, die uns alle als Band betreffen ... z.B. jene Geschichte mit meiner Verweisung aus den USA. Wo man feststellen muss, dass man in der heutigen Weltgeschichte als Mensch nur wenig bedeutet, wo man sich einer organisierten Macht zu beugen hat. Wo sich diese Macht das Recht gibt, sich mit Gott zu vergleichen, alles nur mit Terror rechtfertigt und andere Menschen diskriminiert als seien sie ein Stück Scheiße. Bei anderen Lyrics liegen Statements zwischen den Zeilen.

DarkScene: Könntest Du mir die Charaktereigenschaften der einzelnen Musiker erläutern?

Waldemar Sorychta: Hm ... was den Charakter als Band betrifft, kann ich nur jenen der Liebe zur Musik ansprechen. Einzelne zu erwähnen ist hier ein bißchen schwierig ... denn es gibt ja je nach eigener Tagesverfassung immer ein anderes Licht, wie man den anderen sieht. Ich würde sagen, wir sind auf alle Fälle sehr kämpferisch und sind überzeugt von dem, was wir tun. Gus z.B. ist ein Urpunkrocker, der aber immer noch seine Wurzeln liebt und pflegt. Und Dave ist jemand, für den nach wie vor das größte es ist, Schlagzeug zu spielen, er ist einer der nie aufhören kann, der selbst in den Pausen sein Arbeitsgerät bedient, weil er es einfach liebt!

DarkScene: Ist ein Videoclip von "Incorporated" in Planung?

Waldemar Sorychta: Da wirst Du überrascht sein, es wird eine limitierte Digipackversion mit einer Bonus CD geben, wo jene nebst selbigem Audiomaterial der ersten CD zusätzlich Bonuszwischenparts, so Art Dialoge beinhaltet und zwei Videoclips bzw. eine kleine Doku bei welcher man Einblicke unserer Plattenproduktion erhält - es sind Aufnahmen aus dem Proberaum und aus dem Studio.

DarkScene: Schlussfrage, die vorhin zum Teil eh schon beantwortet wurde - spielt ihr heuer auf den großen Festivals?

Waldemar Sorychta: Das kann man eben zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen, das Dumme ist, daß man diese Sachen schon jetzt buchen muß. Es kommt wie gesagt, auf die Reaktion der Platte drauf an. Die Risikobereitschaft ein Produkt zu unterstützen, ist in letzten Jahren dermaßen gering geworden, daß ich schon zufrieden bin, wenn man +/- rauskommt, alleine dafür lohnt es sich für mich schon. Auch wenn es uns nicht direkt betrifft, aber Du mußt als Gruppe ohne Deal schon eine perfekt klingende Produktion und zwei vorgebuchte Tourneen vorweisen, wenn Du ein vernünftiges Angebot haben willst. Alles ist noch schwieriger geworden ... nicht die Qualität, sondern der Verkaufserfolg, ist das, was zählt. Es wird generell immer schwieriger, Leute von Konzepten zu überzeugen oder prinzipiell Leute zu überzeugen, für eine Sache zu kämpfen. Jede Woche hört man von großen Firmen, die in Konkurs gehen und das ominöse dabei ist, dass die Manager immer größere Abfindungen hierbei kassieren. Und da muß man sich irgendwann mal fragen, ist das nicht der Vorstand, der der Firma 80% der Einnahmen kostet? Man ist immer weniger bereit, sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Wenn da einmal einer sagen würde - Du paß' auf, ich kann mit drei Millionen auch gut leben, es müssen nicht unbedingt 50 sein, ich weiß jetzt schon nicht mehr, wie ich das Geld ausgebe, und meine Frau schonmal garnicht - wäre doch so mancher Schaden vermeidbar gewesen. Das ist der Mensch (unserer westlichen Welt), würde ich mal sagen. Hier liegt das Problem, es werden keine wahren Ziele mehr verfolgt - die Menschen fragen sich nicht mehr: Brauch ICH das? Die meisten gehen her und fragen: Warum er und nicht ich?

DarkScene: Da könnte man wohl jetzt endlos diskutieren ...

Waldemar Sorychta: Wenn das in unserem Fall nicht “funktioniert“, dann wird man uns auch keine Chance mehr geben. Denn wir sind keine Truppe, die um das nächste Straßeneck' zu finden ist, um hier gleich mal eine Platte aufzunehmen, sowas muß natürlich auch dementsprechend arrangiert werden.

DarkScene: Das heißt, SPV erwarten eine Mindestabsatzzahl von der neuen CD, um Euch weiterhin “durchzufüttern“?

Waldemar Sorychta: Die stellen die Erwartungen mitunter an sich selbst, warum soll uns das zum Verhängnis werden, wenn wir unsere Arbeit doch so verdammt gut gemacht haben? Warum werden so oft wir verurteilt? Wir müssen in diesem ganzen Zirkus alles ausbohren, was andere verbockt haben? Der Punkt ist, dass wir einfach das Maximum aus uns für diese Platte herausgeholt haben, wenn aus dieser nicht viel werden sollte, dann liegt es sicher nicht an uns, sondern an den anderen Leuten, die in diesem Zirkus irgendwas verkehrt gemacht haben.

DarkScene: In jedem Fall werde ich Euch die Daumen halten und hoffe, dass wir Euch auf einem Festival oder einer Clubtour zu sehen bekommen.

Waldemar Sorychta: Das hoffe ich auch, es war ein unbeschreiblich tolles Gefühl, als wir die neuen Songs im Proberaum eingespielt haben. In dem Moment hätt' ich mir gewünscht, dass all unsere Fans da draußen diese enorme Energie miterlebt hätten. Das kann man, hoffentlich bald auch wieder live sehen.
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