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Cover  
Ross The Boss - By Blood Sworn (CD)
Label: AFM Records
VÖ: 20.04.2018
Homepage | MySpace
Art: Review
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Thunderstryker
Thunderstryker
(133 Reviews)
6.0
Wer den ersten sechs Manowar-Alben nicht den würdigen Tribut zollt, hat Angst vor sich selbst und im Heavy Metal nichts zu suchen. Nachdem das klar ist, muss Ross The Boss gewürdigt werden; sein Gitarrenspiel brachte den barbarischen Heerscharen spritzige Rocker wie "Metal Daze", erhabene Proto-Doom-Epik wie "Secret Of Steel", wilde Soli wie auf "Thor (The Powerhead)" und zeitlose, sich von jeglichen Beschreibungen abhebende Meisterwerke wie "Bridge Of Death", "March For Revenge" und „Battle Hymns". Das ist ein Lebenswerk, mit dem man in die Gitarristen-Rente gehen und auch noch in ungezählten Generationen als einer der Größten gelten kann. Da Musiker aber Musiker sind und zu Recht nicht den Spaß an ihrer Profession verlieren, steht dem Amerikaner im neuen Jahrtausend auch noch Weiteres zu Buche; Gastauftritte zwischen Kasperltheater (Majesty) und Erhabenheit (Atlantean Kodex), gute bis phänomenale Alben mit Death Dealer und -leider- auch zwei sehr, sehr mediokre Soloalben.

Nach "New Metal Leader" und "Hailstorm" hätte wohl niemand gedacht, dass Ross The Boss einen weiteren Frühling erleben würde; das Songmaterial war ein solides "
Gut", mit einigen Geistesblitzen, die auch auf den frühen Manowar-Werken hätten stehen können ("Immortal Son"), aber mit der langweiligen Produktion und dem furchtbaren Patrick Fuchs am Gesang gab es genug zu bemängeln, sodass diese Werke in der Hammerfall-Einöde durchschnittlichen Metals versauern müssen. Mit dem Überraschungs-Auftritt am "Keep It True 2016", als Mike Cotoia, ein bis dahin unbekannter Sänger, der sich von 0 auf 100 in die Herzen der Fans sang, den Frontmann der Gruppe bildete, wartete alles nur noch darauf, dass es jetzt doch zum großen Schlag käme.

Und jetzt, 2018, sitzt man vor der Anlage und fühlt sich um ein potentielles Meisterwerk betrogen. Statt Mike Cotoia steht nun Marc Lopes am Mikro, ein Mann, der sich schon bei Meliah Rage und ähnlichen Bands seine Meriten verdiente und damit haben wir das größte Manko schon am Schopfe gepackt: Der Mann passt gut in den harschen Thrash Metal jener Band, aber auf keinen Fall kann er die Fußstapfen seines Vorgängers füllen und ebenso wenig die Musik so veredeln, wie es das verdient hätte. "By Blood Sworn" ist ein Album der vergebenen Möglichkeiten.

Das gelieferte Songmaterial fährt sehr bieder auf Nummer Sicher und das ist nicht einmal als Kritik zu verstehen; der Fan bekommt endlich genau das, was er erwartet – Heavy Metal im Geiste der Kings Of Metal. So ist der Opener und Titeltrack gleich eine (fast schon dreiste) Kopie von "
Blood Of My Enemies", nur arg durch den Gesang abgewertet. Die klaren Parts klingen mit dem harten Akzent durch das thrashige Organ Lopes nicht gut und ironischerweise punktet er allein mit seinen hohen Screams, die dankbarerweise auch öfters eingesetzt werden. Weiterhin negativ anzukreiden ist die abermals misslungene Produktion – wer auf die Idee kam, das Schlagzeug so abzumischen, gehört ebenso entlassen, wie alle, die das so durchgewunken haben.

So reiht sich Track an Track; das etwas epischer vorgetragene "
Among The Bones", das pfeilschnelle "This Is Vengeance", ein ziemlich modern klingendes "We Are The Night", eine daneben gesungene Power-Ballade "Faith Of The Fallen", der düstere 7-Minüter "Lilith", etc. Viel bleibt nicht hängen, wenn man von einigen wirklich superben Gitarrenspielen des Meisters absieht, die erahnen lassen, was für ein Potential noch im 64-Jährigen steckt. Mal ist es lockerer Rock’n’Roll (wie in "Circle Of Damnation"), der an seine Band The Dictators erinnert, öfters schneidige Heavy Metal-Kunst, dann wieder hochmelodische Einschübe wie in "Fistful Of Hate". Davor zieht man den Hut und fragt sich, was mit der richtigen Band alles möglich (gewesen) wäre.

Der völlige Abschuss kommt mit den drei Bonus-Tracks, allesamt Manowar-Cover, die zeigen, was für Welten zwischen der Urband und dem Status Quo liegen. Mag Eric Adams noch so gealtert sein, der Darbietung auf "
The Oath" zieht er jederzeit den Boden unter den Füßen weg. "Each Dawn I Die" war im Original eine stampfende Hymne, hier ist es nur noch seltsam. Man hat schon fast Angst, sich "Hail And Kill" anzuhören; berechtigtes Zittern, denn wenn man sagen muss, dass die Neuaufnahme des DeMaio-Quartetts es 2014 besser hinbekommen hat, als Ross The Boss auf "By Blood Sworn+, spricht das Bände. Besonders die Chöre sind fern von Gut und Böse. Herrje…

Die Enttäuschung des Jahres dürfte feststehen – "By Blood Sworn" könnte mit einem guten Sänger und einer anständigen Produktion (und ohne die drei Coverversionen) locker zwei-drei Punkte mehr einfahren, aber so reiht es sich bestens in die vielen gesichtslosen Power Metal-Releases aus dem Hause AFM ein. Ross The Boss schenkt mit seiner Band live natürlich weiter ein, aber vom Kauf dieses Albums ist leider abzuraten.

Trackliste
  1. By Blood Sworn
  2. Among The Bones
  3. This Is Vengeance
  4. We Are The Night
  5. Faith Of The Fallen
  1. Devil's Day
  2. Lilith
  3. Play Among The Godz
  4. Circle Of Damnation
  5. Fistful Of Hate
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