HomeNewsReviewsBerichteTourdaten
ImpressumKontakt
Anmeldung
Benutzername

Passwort


Suche
SiteNews
Live
17.11.2018
Powerwolf
Saarlandhalle, Saarbrücken

Review
Accept
Symphonic Terror - Live At Wacken 2017

Review
Idle Hands
Don t Waste Your Time

Review
Idle Hands
Don't Waste Your Time

Review
Septagon
Apocalyptic Rhymes
Statistics
5825 Reviews
457 Classic Reviews
276 Unsigned Reviews
Anzeige
Cover  
Solstafir - Ótta (CD)
Label: Season Of Mist
VÖ: 29.08.2014
Homepage | MySpace | Twitter | Facebook
Art: Review
Jetzt bei Amazon.de bestellen!
DarksceneTom
DarksceneTom
(2849 Reviews)
9.0
Dafür, dass ich mich mit den Isländern bis zu ihrer letzten Scheibe eigentlich nie wirklich befasst habe, haben Solstafir bei mir mittlerweile einen ziemlich großen Stein im Brett. Zu extravagant und eigenständig war "Svartir Sandar" (zum Review) als dass es einen hätte kalt lassen können. Die zutiefst nordische Kunst, die Solstafir mittlerweile bis ins Detail zu ihrem unverkennbaren Eigen perfektioniert haben, sucht Ihresgleichen weitgehend. Es ist als würden Enslaved mit Pink Floyd, Anathema und Primordial durch die elendsweiten und kühlen Landstriche der Vulkaninsel streifen.

Grenzenlos muss man sie wieder nennen, die Kunst dieser Isländer. Solstafir sind elegisch, markant und fesselnd. Sie verlangen Aufmerksamkeit, Ruhe und Zeit. Nur dann wird man ihre inbrünstige Schwermut entdecken und verstehen.

"Ótta" setzt dort an, wo sein großartige Vorgänger inne hielt. Die charakteristischen, ehrlichen und vielfältigen Klänge von Sostafir erbauen einmal mehr die unwirtliche Landschaft ihrer isländischen Heimat vorm geistigen Auge auf. Solstafir vertonen einmal mehr karge, schroffe und einsame Weiten in dunklen Farben. Dass dies auf "Ótta" noch eine Spur düsterer passiert als zuvor, steigert die Intensität des Ganzen. Dieses Album und sein perfekt passendes Artwork scheinen noch dunkler als sein älterer Bruder zu sein. Betörender und noch nachdenklicher. Durch die präsenten Pinaoklänge noch melancholischer und wehmütiger. Auf der anderen Seite durch Bläser und Hörner noch näher am Viking-Spirit. Dass die ein oder andere Orgel und die markant psychedelischen Kurven dann auch wieder tief in den 70er Jahren verwurzelt sind, überrascht uns kaum. Eher scheint manche Nähe zum Dark Wave der 80er Jahre neu. Aber auch diese Elemente passen sich perfekt in die Struktur der Solstafir'schen Kunst ein.

Stress und Hektik sind Solstafir und ihrer langsamen, getragenen und erhabenen Kunst natürlich immer noch völlig fremd. Es geht um das große, das kolossale Ganze. Lars von Trier würde diese Band lieben, die stoische und bildgewaltige Kunst eines Nicolas Winding Refn verinnerlichen Solstafir ohnehin in jedem einzelnen Moment. Wer es eilig hat oder schnell auf den Punkt kommen will, der ist bei Solstafir völlig an der falschen Adresse. Andächtig geleiten uns die Isländer in ihr neues, noch nachdenklicheres und düsteres Werk. Mit Streichern und Klavier beginn die Reise. Flüsternde Vocals und ein monotoner Groove geleiten zum ersten quasi-Chorus, der es mächtig in sich hat. Intensiver und emotionaler geht kaum. "Lagnaetti" ist ein Koloss, der einen tief in seinen dunklen und frostigen Bann zieht, bevor mit dem Titeltrack ein hypnotisches Meisterwerk erscheint, dessen Melodien einen fesseln und bannen. Die Atmosphäre ist schon hier unglaublich dicht und soll einen bis zum Ende nicht mehr loslassen.



Im Grunde muss man "Ótta" als Gesamtkunstwerk betrachten und man sollte es am Stück hören. Nur dann wird man die Atmosphäre und die Aura von Solstafir wirklich verstehen. Natürlich ragen Songs wie das emotionale und großartige "Dagmal" mit seinen beklemmend düsteren Dark Wave-Akzenten und den Fields Of The Nephilim Gitarrenläufen oder das elendsruhige, niederschmetternd melancholische "Midaftann" bereits beim ersten Anblick aus dem Werk heraus. Jeder einzelne weitere Moment der neuen Solstafir hat es aber gleichermaßen verdient intensiv gehört zu werden, und wer es bis zum verstörenden "Nattmal", dessen Intro einem endgültig die Atemluft zu rauben versucht, schafft, ohne Selbstmord ans Ende zu gelangen, der hat diese Band und ihre Kunst verstanden.

Packend und genial! Mehr fällt mir nach mittlerweile beinahe 20 Durchläufen von "Ótta" einfach nicht ein. Der monoton betörende Bann in den einen Solstafir immer wieder versetzen ist völlig unvergleichlich. Man ist wie in Trance, wenn sich die herrlichen Gitarrenläufe mit hypnotischen Keyboards, mit Streichen und hymnischen Viking-Hintergrundchören als Basis für den emotionalen, herausragenden und tief unter die Haut gehenden Gesang aufbauen. Diese unglaubliche Aura ist es, die so schwer zu erklären und gleichzeitig das Prunkstück dieser Band ist. Die Stimmung und das Gefühl verleihen Solstafir ihre wahre Erhabenheit und ihren Charme, der einen zu jeder Sekunde an ihre harsche Heimat erinnert. Solstafir sind erhaben, roh und bodenständig. Wo andere Bands in Sterilität untergehen, atmen Solstafir die raue Schönheit ihrer isländischen Heimat. Das klingt ungeschliffen und ehrlich. Packend und perfekt und es zieht einen tief in seinen Bann.

Wäre die Welt tatsächlich eine Scheibe, deren Rand der 50° Breitengrad Nord wäre, würden Solstafir Weltmusik machen. Extravagant, störrisch und egoistischen ist sie, die endlose Kunst dieser außergewöhnlichen Band, die so schwer zu beschreiben ist. Man könnte noch tausende weitere Zeilen über die Kunst von Solstafir und ihr neues Meisterwerk "Ótta" verfassen und man würde ihm nie ganz gerecht werden.

Nennen wir es einfach Ambient-Viking-Post-Rock mit einem Fundament aus nordischem Metal und psychedelischer Melancholie und genießen wir es einfach.
Der nächste Winter kann kommen. Wir sind gerüstet!

Trackliste
  1. Lágnætti
  2. Ótta
  3. Rismál
  4. Dagmál
  1. Miðdegi
  2. Nón
  3. Miðaftann
  4. Náttmál
Mehr von Solstafir
Accept - Symphonic Terror - Live At Wacken 2017Idle Hands - Don t Waste Your TimeIdle Hands - Don't Waste Your TimeSeptagon - Apocalyptic RhymesAria oder Arija - Curs Of The SeasMetal Church - Damned If You DoBloodbath - The Arrow Of Satan Is DrawnMuse - Simulation TheorySubtype Zero - The Astral AwakeningSkeletonwitch - Devouring Radiant Light
© DarkScene Metal Magazin