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274 Unsigned Reviews
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Cover  
Böhse Onkelz - Heilige Lieder (CD)
Label: Bellaphon Records
VÖ: 1992
Homepage | MySpace
Art: Classic
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DarksceneTom
DarksceneTom
(2798 Reviews)
"Hier sind die süßesten Noten jenseits des Himmels
Heilige Lieder aus berufenem Mund
Wahre Worte im Dschungel der Lüge
Das Licht im Dunkel, ein heiliger Bund

Wie disziplinlose Engel, vom Teufel bekehrt
Vom Himmel verbannt, doch auf der Erde verehrt
Wir Prinzen des Friedens sündigen gern
Im Namen der Onkelz, im Namen des Herrn"


Lange hat es dauern müssen, bis nun also auch die Böhsen Onkelz ihren Weg in die Darkscene Classic Abteilung finden durften. Die Einkehr der Frankfurter in die "DS-Hall-Of-Fame" ist jedoch, nicht nur meiner Meinung nach, absolut berechtigt und notwendig. Wenige deutschsprachige Rockbands haben die Hard Rock- und Metal Jugend der 80er und 90er Jahre so mit begleitet wie die Onkelz. Egal ob man sie mochte oder nicht. Egal ob man ihre Songs gut fand, man begegnete ihnen immer wieder, und selbst die größten Hasser der Band können die meisten der Böhse Onkelz Hits bis heute auswendig mitsingen.

"Heilige Lieder" ("20 Jahre – Live in Frankfurt" 2001)


Natürlich waren die vier, aus schwierigen Verhältnissen stammenden und in zwielichtigen Vierteln einer Großstadt aufgewachsenen, Rüpel aus Frankfurt nicht jedermanns Sache. Einerseits litt die Band unter der ewigen Diskussion ihrer politischen Ausrichtung (auf die wir hier nicht eingehen wollen, da sie seitens der Band in der ehrlich und schonungslosen Biografie "Böhse Onkelz – Danke für nichts" ausführlich aufgearbeitet und ebenso deutlich untermauert wurde, wie in Texten und mehrfachen klaren Distanzierungsstatements zum Interview mit Stephan Weidner), andererseits war der metallisch und punkig zugleich intonierte, einfach aber effektiv gehaltene Hard Rock, voll provokant ruppiger Lyrics aber einfach auch nicht jedermanns Geschmack.

Die musikalischen Wurzeln der Onkelz lagen anfangs natürlich deutlich in der Skinhead- und Oi-Szene, von der sie sich nach deren Rechtsruck jedoch abwandten. Nach musikalisch und inhaltlich wertlosen ersten Aufnahmen, folgten mit "Onkelz wie wir" und "Kneipenterroristen" in den späten 80er Jahren die ersten ernst zu nehmenden Alben. Raue Stücke, die sich in erster Linie mit Alkohol und Gewalt befassten. Der Sound der Band reifte jedoch, und im Jahre 1990 war es dann an "Es ist soweit" erstmals ein BO-Album zu präsentieren, das die Stärken der Band wirklich zeigte, und sie auch für Heavy Metal Fans interessant machte. Die Texte waren weiterhin schonungslos und direkt, aber ohne Frage klasse. Der Sound jedoch wurde durchdachter und die Songs abwechslungsreicher. Die Fanschar der Onkelz wurde größer und größer. "Wir ham' noch lange nicht genug" war ein Paukenschlag, brachte absolut hochkarätige Hits, und so war es dann wohl genau an "Heilige Lieder", die Band musikalisch endgültig zu etablieren.
Es war und ist wohl genau jenes BO Album, das die ruppige Energie der Frühwerke mit dem Songwriting und der musikalischen Reife der Werke der frühen 90er paart, und eine Textzeile eines späteren Hits perfekt auf den Punkt bringt : "Reime aus dem Leben, Lieder wie Orkane, Rhythmen die das Land bewegen, Mehr als nur Schikane".

"Wer hat nicht schon von uns gehört, ob er wollte, oder nicht.
Den Namen, der so viele stört und doch alle Herzen bricht.
Die Band, der Mythos, die Legende, was immer man erzählt.
Der Gestank der Vergangenheit liegt mit auf unser'm Weg
.

Es war ein langer, langer Weg und niemand sagte, es wird leicht.
Wir hatten nicht's zu verlier'n und kein Weg war uns zu weit"


"Ein langer Weg" ("Vaya con tioz" 2007)


Es war und ist die perfekte Mischung aus Nachdenklichem und Deftigem, der Mix aus ruhigen Songs, hymnischen Halbballaden und deftig rockenden Krachern, die "Heilige Lieder" so wichtig und bis heute zu einem der Bandhöhepunkte macht. Einige der ganz großen Böhsen Onkelz Hymnen zieren das Album, schwache Songs sind nicht zu finden. Abwechslungsreiche Melodien und gefühlvolleres Material mit tiefgründigerer Aura ergänzen sich homogen wie nie zuvor, und selbst Kevin Russel klingt stellenweise erstmals so richtig emotionell und melancholisch.

Natürlich sind es aber auch einmal mehr die intelligenten, deutlichen und sinnbildlichen Lyrics von Stephan Weidner, die das Werk so richtig veredeln. Weidner verarbeitet in den Texten dieses Albums (die er allesamt in Mexiko verfasste) neben einer gewohnt sozialkritischen Komponente, neuerlich die Lage der Band und deren Probleme mit Medien und Veranstaltern, aber auch deren innere Unruhen durch Drogenmissbrauch, und schwierige Situationen im Umfeld.
Es ist einfach das große Ganze, das "Heilige Lieder" auszeichnet. Nummern wie "Ein langer Weg" beschreiben emotional den mühsamen Werdegang und die Faszination der Onkelz. Eine ruhige Ballade wie "Ich bin in dir" zeigt ein völlig neues Gesicht der Deutschen, und ein ehrlich, intim und sehnsüchtiges "Der Schrei nach Freiheit" offenbart gar das Selenleben Weidners auf unter die Haut gehende Art und Weise.
Diesen wirklich nachdenklichen und ruhigen Momenten stellen die Onkelz natürlich auch genügend potentielle Klassiker gegenüber, die jedes Stadion zum Kochen bringen. Ein sozialkritisches "Gestern war heute noch morgen" geht ebenso in die Vollen, wie Brecher der Kategorie "Scheißegal", "Diese Lieder", "Wir schreiben Geschichte", eine der vielen großen Bandhymnen "Gehasst, verdammt, vergöttert", der ewige Hit "Nenn mich wie du willst" und der Titelsong.
Allesamt absolute Highlights im großen Backkatalog der Böhsen Onkelz und Songs, die noch heute jedem Rock- und Metal Fan aller Altersklassen geläufig sind. Energiegeladene erdgie Rock Songs die hemmungslos nach Vorne abgehen, mit klasse Hard Rock Soli, metallischen Riffs und einigen ungeahnten musikalischen Feinheiten begeistern. Astreine Hits, die genau jenen unverkennbaren Punch der Band perfekt rüberbringen, der die Onkelz auch livehaftig immer wieder zu einem Erlebnis machte.

"Ich lese im Buch der Erinnerung, ich hör´ mich lachen
mein Leben war ein Märchen, erzählt von einem Narren
ich wusste nicht immer was ich will
doch ich wusste wie ich's kriege
ich nahm es leicht auch wenn es härter kam
es war ein Setzen, ein Setzen neuer Ziele"


"Buch der Erinnerung" ("La Ultima“ – Live in Berlin" 2005)


Ich will hier gar nicht behaupten, dass "Heilige Lieder" das beste Album der Böhsen Onkelz ist. Für mich steht diese Scheibe (mit dem wohl peinlichsten Artwork der Bandhistory) auf einer Stufe mit "Es ist soweit", "Wir ham' noch lange nicht genug", der Essenz von "Schwarz/Weiß" und "E.I.N.S".
Die heiligen Lieder waren aber wohl eines der wichtigsten Alben für die Onkelz, und ein riesiger Schritt zum Ruhm der Band. Jenem Ruhm, der sie von räudigen Straßenjungs zu umjubelten Stadiontourneen mit Bands wie den Rolling Stones, Saxon, Motörhead oder Danzig führte, sie trotz konsequenter Medienignoranz zu Headlinern der größten Festivals, und einem Massenphänomen mit unzähligen Nummer-Eins Alben machte.
Zu einer zeitlebens konsequenten Ausnahmeband, einer Kultband die ihr sagenhaftes Finale, gemeinsam mit über 100.000 Fans beim Abschlusskonzert am Lausitz Ring im Jahre 2005 perfekt inszenierte.

Wie es Weidner einst bei "Willkommen" so treffend formulierte:

"Hier ist die Bombe im Arschloch der Schöpfung
für viele ein Schlag ins Gesicht
es wischt Euch den Dreck aus den Augen
es führt Euch vom Dunkel ins Licht
wir schlagen Löcher in die Mauern aus Lügen
unsre Waffe ist das Wort
unsre Lieder bauen Brücken
ganz gleich, an welchem Ort"


Ich für meinen Teil habe meinen Frieden mit Weidner und Co. jedenfalls schon vor vielen vielen Jahren gefunden, und hör mir heut noch immer wieder gern die oben erwähnten Alben der Böhsen Onkelz an. Weil sie einzigartig sind, weil sie großartige Texte offenbaren, und weil sie einfach fett und schonungslos rocken.
Darüber, was aus Kevin Russel geworden ist, wollen wir hier nicht sprechen. Dazu, und zum Verfall eines geistig schwachen Individuums, wird jeder normale Mensch seine eigene klare Meinung haben. Das Schaffen der Onkelz soll und wird darunter aber nicht leiden.

Und jetzt darf jeder schimpfen so viel er will…

"Gehasst, verdammt, vergöttert" ("Live in Dortmund" 1997)
Trackliste
  1. Oratorium
  2. Heilige Lieder
  3. Buch der Erinnerung
  4. Nenn' mich wie Du willst
  5. Ich bin in Dir
  6. Scheißegal
  7. Diese Lieder
  8. Gestern war heute noch morgen
  1. Schließe Deine Augen
  2. Gehaßt, verdammt, vergöttert
  3. Ein langer Weg
  4. Noreia
  5. Der Schrei nach Freiheit
  6. Angst ist nur ein Gefühl
  7. Wir schreiben Geschichte
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Kommentare
RedStar
RedStar
19.06.11 12:30: war...
zwar nie der große Onkelz-Fan, aber mit diesem Album konnte ich mich - ebenso wie mit einigen anderen Alben von ihnen - sehr wohl anfreunden. Trotzdem - vor allem im deutschsprachigen Raum - eine musikhistorisch immens wichtige Band, die ihren DS-Classic mehr als verdient hat!
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