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Cover  
Flotsam And Jetsam - The Cold (CD)
Label: Driven Music Group
VÖ: 14.09.2010
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Art: Review
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Professor Röar
Professor Röar
(122 Reviews)
9.0
Die Heavy Metal-Szene ist voller trauriger Geschichten von Bands, die in ihren Anfangstagen bahnbrechende, gar wegweisende Alben zustande brachten, dann ungemein gehypt als neue große Hoffnung des Metal verkauft wurden, letztlich diesem Erfolgsdruck aber nicht gewachsen waren und an dieser unüberwindbaren Erwartungshaltung zerbrachen oder sie ganz einfach nicht erfüllen konnten. Ein solch trauriges Schicksal widerfuhr auch den Arizona-Thrashern Flotsam & Jetsam, die seinerzeit mit ihrem Debut "Doomsday for the Deceiver" und noch viel mehr mit dem grandiosen Nachfolger "No Place for Disgrace" Metal-Geschichte schrieben. Voller Superlative ist die Story von Vokalist Eric A.K. und seinen Mitstreitern, die nach der Veröffentlichung von "No Place For Disgrace" (Classic) 1988 schon als die neuen Metallica abgefeiert wurden, ein rückblickend vielleicht etwas zu euphorisches Urteil, aber ein Platz unter den Top-10 des Thrash wäre Flotsam & Jetsam allemal sicher gewesen. Leider ging es danach mit der Band stetig bergab, der Nachfolger "When the Storm Comes Down" floppte trotz Major-Deal aufgrund eher mäßiger Songs und einer vollkommen verhunzten Produktion. Bandmitglieder kamen und gingen in den folgenden Jahren, und musikalisch gelang es nicht mehr, an die Klasse der beiden ersten Alben anzuschließen. So wirklich interessant waren die Jungs dann wirklich nicht mehr und auch old-school-Fans hatten Flotsam & Jetsam bald total abgeschrieben. So darf es nicht verwundern, dass die Band langsam aber sicher zu einer Fußnote im Geschichtsbuch des Heavy Metal verkam und metalinteressierten Jungspunden höchstens bekannt ist als "die Band mit dem Typ, der bei Voivod und in dieser Kommerzcombo mit dem unsympathischen dänischen Drummer Bass spielte".
Groß jedoch die Überraschung, als dem Professor das neueste Werk aus dem Hause Flotsam & Jetsam, schlicht "The Cold" betitelt, in die Hände fiel und tatsächlich so knackig geraten ist, wie man es sich anno Schnee von "When the Storm Comes Down" erwartet hätte. Vorbei die Zeiten unsäglicher Experimente wie LARD-Coverversionen, vergessen sind die durchwegs orientierungslosen und streckenweise echt langweiligen Alben der Zeit nach "Cuatro". Denn endlich scheinen Eric A.K. und der letzte verbleibende Mitstreiter aus den glorreichen 80ern, Gitarrist und Hauptkompositeur Ed Carlson, begriffen zu haben, wie sie ihren leider top-unmodischen Retro-80er-Metal ins auch nicht mehr so junge 21. Jahrhundert hieven können. Denn zusätzlich zum Umstand, dass Eric A.K. immer noch zu den – man verzeihe mir den sprachlichen Ausrutscher – geilsten Vokalisten im Metal gehört, braten die Flots auf "The Cold" mit derart viel Power, dass einem bei Granaten wie dem absolut hitverdächtigen "Falling Short", dem schnellen Opener "Hypocrite" oder dem geradeaus vorantreibenden "Black Cloud" unweigerlich bewusst wird, dass die eingerostete Bangermuskulatur solchen Monsteralben nur schwer standhalten kann. Bevor einen dann das brutale Riffing bei "Blackened Eyes Staring" vollends plättet, zeigt Eric A.K. im Refrain wieder einmal, zu welch grandiosen Melodien er imstande ist und schlägt im atmosphärisch dichten Titelsong und der überragenden Halbballade "Better Off Dead" ungleich sanftere Töne an, wie man sie in dieser Qualität zuletzt vor über 20 Jahren von der Band gehört hat. Trotz dieser Balladentöne darf man keineswegs den Fehler begehen, die Flots als Weicheier abzustempeln, denn neben all der melodiösen Gitarrenarbeit und dem originellen Gesang hat der Arizona-Fünfer satte Power ohne Ende und durchaus hartes Riffing zu bieten, wie beispielsweise in dem beinahe punkigen und entsprechend aggressiven "K.Y.A. (Kick Your Ass)", wo die Band mit Nachdruck Ärsche tritt. Überhaupt sind die Flots mit ihrer Mischung aus beinahrtem Thrash, melodiösem Speed- und leicht progressiv angehauchtem Powermetal jenseits von reinen Lärmattacken wie der letzten Exodus auf weiter Flur recht alleine und verbinden gekonnt Aggression, Düsternis und Melodie zu einer uroriginellen Mischung.

Dass der zweite Frühling im fortgeschrittenen Alter Flotsam & Jetsam dennoch versagt beleiben könnte, liegt in mehreren Faktoren begründet. Zum einen hat man mit dem Indielabel DrivenMusicGroup von Ex-Korn-Gitarist Brian Head Welch zwar einen ordentlichen Partner gefunden, in Europa ist die Scheibe aber trotzdem nur schwer zu bekommen und das noch dazu zu einem unverschämt teuren Preis. Weiters war "The Cold" das letzte Album mit Gitarrist Ed Carlson, der die Band nach den Aufnahmen in Freundschaft verlassen hat. Und letztlich ist "The Cold" trotz der überaus druckvollen, modernen Produktion eindeutig in den 80ern verwurzelt und somit für modebewusste, ständig dem letzten Trend nachgeifernde Nu-Metal-Pseudos oder lächerliche True-Metal-Kasper vollkommen ungoutierbar.
Wer aber authentischem, absolut klischeefreiem Thrash und Power-Metal mit Herz und Seele noch etwas abgewinnen kann, der kommt an einem Album wie "The Cold" keinesfalls vorbei. Und da sich auch der Professor dieser Gruppe zugehörig sieht, vergibt er in seiner endlosen Großzügigkeit für "The Cold" 9 von 10 eisgekühlte EnergyDrinks als Belohnung für das bisher gezeigte Durchhaltevermögen und die Erkenntnis, dass Beständigkeit letztlich doch zum – wenn schon nicht kommerziellen, dann doch künstlerischen – Ziel führen kann. Um noch einmal dieses unsägliche Wort zu bemühen: Einfach nur geil!

Trackliste
  1. Hypocrite
  2. Take
  3. The Cold
  4. Black Cloud
  5. Blackened Eyes Staring
  1. Better Off Dead
  2. Falling Short
  3. Always
  4. K.Y.A.
  5. Secret Life
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