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Sons Of Apollo
20.10.2018, Luxor, Köln 
Sons Of Apollo  
Due Supergroup überzeugt auf voller Länge mit einem denkwürdigen Auftritt, an dessen Ende sie das feste Versprechen gibt, im nächsten Jahr zurückzukommen. Und wer in diesem Moment in die glücklichen Gesichter dieser fünf Weltstars geschaut hat, der weiß,
Alex Fähnrich
Alex Fähnrich
(13 Live-Berichte)
Mike Portnoy ist ein viel beschäftigter Mann, kein Wunder also, dass man bei all seinen Aktivitäten ein wenig den Überblick verlieren kann. Gleichwohl hat sein Aufschlag mit den Sons Of Apollo im letzten Jahr für große Augen und noch größere Ohren gesorgt, denn "Psychotic Symphony" ist ein bemerkenswertes Debütalbum geworden. Die Frage war nur, ob es sich um ein einmaliges Projekt oder eine wirkliche Band handelt, was bei der Starbesetzung und den damit einhergehenden anderweitigen Verpflichtungen aller Beteiligten eher unwahrscheinlich erschien. Wer das Quintett allerdings auf der nun abgeschlossenen Mini-Tour erleben durfte, ist wohl sicher, dass dies nicht das Letzte war, das man von den Sons Of Apollo sehen und hören durfte. Dies deutet sich bereits zu Beginn des Abends an, als man schon vor dem Konzert beim Merch-Stand nur noch Übergrößen und Girlie-Shirts (mit dem Aufdruck "Daughters Of Apollo", haha!) käuflich erwerben kann. Alles andere ist ausverkauft, was sicher nicht nur an dem sehr moderaten Shirt-Preis von 15 Euro gelegen haben dürfte.



Die eigentliche Begründung liefert die Band selbst mit einem denkwürdigen Auftritt, an dessen Ende sie das feste Versprechen gibt, im nächsten Jahr zurückzukommen. Und wer in diesem Moment in die glücklichen Gesichter dieser fünf Weltstars geschaut hat, der weiß, dass sie es ernst meinen. Was die ca. 500 Gäste im ausverkauften Luxor in dieser Nacht erleben dürfen, ist nämlich keine übersättigte All-Star-Combo, sondern fünf bestens aufgelegte Individualisten, die als Kollektiv so ziemlich alles in den Schatten stellen, was die Musikwelt derzeit zu bieten hat. Da haben wir zunächst die beiden ehemaligen Dream Theater-Akteure Portnoy und Sherinian, die beim Zocken von ‚Just Let Me Breathe‘ und ‚Lines In The Sand‘ vom Traumtheater-Album "Falling Into Infinity" wahrscheinlich noch nie so viel Spaß hatten. Dann wäre da einer der besten Bassisten der Welt, Billy Sheehan, der bei den Schmuserockern von Mr. Big zwar ordentlich Kohle verdient (hat), aber hoffnungslos unterfordert ist und sich beim finalen ‚Coming Home‘ in die vorderen Reihen beugt, um mit den Fans abzufeiern. Frontmann Jeff Scott Soto konnte sich bereits in jungen Jahren mit Yngwie Malmsteen auf dessen ersten Soloalben rumschlagen und sieht trotzdem mit 55 immer noch aus wie Mitte 30. Sein Gesangssolo des Queen-Klassikers ‚Save Me‘ widmet er Freddy Mercury und genau wie sein großes Vorbild liebt der gebürtige Puerto Ricaner die große Geste.



Der heimliche Star des Abends ist jedoch Ron Thal, der (noch) über keinen so großen Namen verfügt wie seine Mitstreiter, aber an der Gitarre ein ganz Großer ist. Mit ihren doppelhälsigen Gitarren bieten sich Sheehan und er unerbittliche Schlachten und das scheinbar mühelos. Da ich von seiner Hauptband Bumblefoot bis vor kurzem nie gehört hatte und seine Zeit bei den Gunners spurlos an mir vorüberging, ist der Catweazle-Lookalike für mich die Entdeckung der letzten Jahre.



Nun könnte man denken, dass es mit nur einem Album im Gepäck schwierig sein könnte, ein Headliner-Set zu bestreiten…weit gefehlt! Durch die oben genannten Dream Theater-Stücke, einem Cover von Van Halen's ‚And The Cradle Will Rock‘ sowie Soloeinlagen aller Musiker bis auf Portnoy ( was ich ziemlich bemerkenswert finde) wird die Zwei-Stunden-Marke locker überschritten. Von "Psychotic Symphony" sind es genau die Songs, die schon aus der Konserve am besten rüberkamen, die einen auch live völlig wegbeamen: ‚God Of The Sun‘, das wie auf dem Album gleich zu Beginn keine Fragen mehr offen lässt, das ellenlange ‚Labyrinth‘ und ‚Alive‘, zu dem ja auch ein schicker Videoclip gedreht wurde. Aber auch sonst sitzt fast jeder Ton und jede Geste, ohne dass dies zu sehr einstudiert wirkt. Am meisten fasziniert die unbändige Spielfreude aller Musiker, die fast alle bereits vor ausverkauften Arenen gespielt haben und es sichtlich genießen in einem verschwitzen, kleinen Club so richtig Gas zu geben. Portnoy macht sich einen Spaß daraus, seine Drumstick in die Styropordecke des Luxor zu spießen und Soto schießt mit seinem Handy ständig Fotos von seinen Kumpels und den Fans. Genau diese Freude überträgt sich auf die Menge, so dass die Sons Of Apollo gnadenlos abgefeiert und jeder Song lauthals mitgesungen wird. In dieser Form ist diese Band fast unschlagbar. Die satten und teilweise auch emotionslosen Dream Theater können da beim besten Willen nicht (mehr) mithalten.



Eine Vorband namens Dilemma gab es auch. Die britisch-niederländische Truppe wurde von Mike Portnoy selbst ausgesucht und macht ihre Sache recht gut, bleibt dabei jedoch leider ziemlich farblos. Traditionellen Art Rock auch live ansprechend darzubieten, ist nun einmal eine Kunst, die nicht viele beherrschen. Dementsprechend erntet man zwar Höflichkeitsapplaus, aber mehr als ein laues Warm-up für den großartigen Headliners war das nicht.
Man darf auf künftige Großtaten der Göttersöhne mehr als gespannt sein, hail Apollo!

Der Dank für die Livefotos geht an Byrt Djouad!

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