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Judas Priest, Whitesnake
27.06.2011, Zenith, München 
 
Eine Legende auf Abschiedstournee: Hier und heute waren Judas Priest genau die Größe, in genau jener Stärke man sie für über 45 Jahre Heavy Metal Geschichte in Erinnerung behalten will...
DarksceneTom
DarksceneTom
(135 Live-Berichte)
Nur wenige Tage nach dem ultimativen AOR Spektalel, dem Hörgenuss oberster Stadionrockperfektion, den uns Journey und Foreigner in Augsburg serviert haben (zum Live Review), macht sich also schon wieder ein schwarzes Darkscene Mobil auf die Reise zu unsren nördlichen Nachbarn. Ziel des heutigen Trips ist die bayrische Weißwurstmetropole, genauer gesagt das Zenith in München.
Wie auch beim Rock The Nation Festival in Augsburg ist man auch heute zu Besuch bei ganz alten Freunden. Zu Gast bei Helden und Legenden, um einmal mehr einer der besten, legendärsten und wegweisendsten Metal Bands dieses Erdballs seine Aufwartung zu machen.
Judas Priest sind auf ihrer Epitaph Tour. Anscheinend auf ihrer letzten richtigen Welttournee, der noch ein Studioalbum und ausschließlich auserwählte Festivalauftritte oder Special Shows folgen sollen. Wir werden ja sehen was die Zeit wirklich bringt, konzentrieren uns aber auf das heutige Event, das bereits seit vielen Wochen ausverkauft ist.


Mit gemischten Gefühlen hatten wir die Reise nach München angetreten. Immer noch im Banne schlechter Judas Priest Shows aus dem Jahre 2008, in denen Metal God und Ausnahmesänger Rob Halford sowohl körperlich, wie auch stimmlich eine üble Figur abgegeben, und die Illusionen vieler seiner Fans zertrümmert hatte. Dass am heutigen Abend, dann auch noch eine weitere – musikalisch unantastbare - Legende wie Whitesnake auf der Bühne stehen würde, ist ebenso fabelhaft, wie Skepsis erregend, haben doch auch David Coverdale’s Verfassungen in den letzten Jahren massive Schwankungen erkennen lassen. Die Spannung ist also enorm, die Angst fährt mit, kann die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit zwei der besten, erfolgreichsten und wichtigsten Acts, mit zwei der ersten Bands zu denen der Verfasser dieser Zeilen bereits in jungen Jahren sein Haupt gebeutelt hat, aber nur gering schmälern.

So viel vorab: Der Abend sollte weit mehr halten und weit mehr Euphorie entfachen, als es sich ein alteingesessener Judas Priest Fan (dessen zweite selbst gekaufte Platte im Jahre 1989 "Turbo" hieß) erträumt hatte.

Punkt 18:00 betritt man in einer langen Schlange ausgeschwitzter Metalheads dann ein ausverkauftes Zenith und so sollten es dann also 7.000 Fans aller Alters- und Frisuerenklassen sein, die sich bei gefühlten 47° Raumtemperatur einfinden, um kurz vor halb Acht die weiße Schlange begrüßen zu dürfen:

Whitesnake

Ein mit Ketten und Bändern behangen, in ein weißes Rockstarhemd und unverkennbare Sonnebräune gehüllter David Coverdale sieht ab der 30 Reihe mit Sicherheit immer noch aus wie ein junger Gott. Dazu seine charismatischen Bewegungen, seine Aura, seine Mikroständerakrobatik und seine unglaublich Stimme. All das macht natürlich auch heute noch was her. Da tut es wenig zur Sache, dass Mr. C. von den ersten Reihen aus, mit übergebleichten Zähnen blendet, mit offensivsten Faceliftingzügen von der Bühne lächelt, und beim tiefen Luftholen eher einem Schönheitschirurgie -Alien, denn jenem jungen Rockgott ähnelt, den Coverdale heute noch gern verkörpern würde. Egal – dieser Mann hat Charisma. Er ist von sich genauso überzeugt wie von seiner, wie immer, grandiosen Band um die beiden charismatischen und begnadeten Gitarrenmeister Reb Beach und Doug Aldrich.

Whitesnake agieren erwartet abgebrüht, professionell und im Grunde wirklich bärenstark. Würde nicht der Judas Priest Schatten über ihrem Auftritt hängen, könnte man im Prinzip bereits um 20:00 völlig ausrasten, wenn die Schlange einen feinen Mix aus alten Megahits und auserwählten Songs ihres gelungenen neuen Albums "Forevermore" (zum Review) von der Bühne rockt. Die Setlist des Abends ist erwartet kurz, aber dennoch voll von Hits.
Neben vier neuen Tracks, aus denen vor allem "Love Will Set You Free" und das wunderbare "Forevermore" herausstechen, sind es aber natürlich auch heute die Jahrhundertsong der Megaalben "Slip Of The Tongue" und "1987" (zum Review), die die Menge zum Toben und die Höschen zum Schwitzen bringen. Wer Gottgaben wie "Give Me All Your Love", "Love Ain’t No Stranger", "Fool For Your Lovin’", "Here I Go Again", oder das sagenhafte "Still Of The Night" aus dem Ärmel schütteln kann, der wird überall auf dieser Welt als Sieger vom Platz gehen. Das war immer so und wird auch so bleiben, und hört man sich die Publikumsreaktionen an, genießt man die lautstark aus tausenden Kehlen mitgesungenen Refrains solcher Hits, dann weiß man auch heute wieder, welche Ausnahmestellung Whitesnake inne haben.

Natürlich hat auch David Coverdale schon das sechzigste Lebensjahr am Buckel. Dass er aber dennpch für knappe 70 Minuten Spielzeit drei Soloparts in seinen Set einplant, und dafür einige Jahrhundertsongs (…uns fallen postwendend lapidare Kracher wie "Crying In The Rain", "Children Of The Night", "Ain’t No Love In The Heart Of The City", "Now you’re Gone", "Judgement Day" uvm. ein) opfert, spricht nicht für seine Kondition. Umso mehr spricht dies jedoch für Rob Halfords Verfassung und der heutigen Performance des Metal Gods, zu der wir später noch kommen werden. Unterm Strich bleibt dennoch ein bärenstarker Auftritt einer Legende. Eine Whitesnake Show, die bis auf leichte Soundschwankungen rein gar keinen Grund zu Kritik gibt, und meiner Ansicht nach auch jegliche – in der jüngeren Vergangenheit kursierenden – Playbackgerüchte, die um David Coverdale kursierten widerlegt.

Setlist Whitesnake:

1. Best Years Play
2. Give Me All Your Love
3. Love Ain't No Stranger
4. Is This Love
5. Steal Your Heart Away
6. Forevermore
7. Guitar Duel
8. Love Will Set You Free
9. Drum Solo
10. Fool For Your Lovin'
11. Here I Go Again
12. Still Of The Night

Bereits bei Whitesnake erahnte man ja bereits, dass der Sound – wie leider so oft im Zenith – ein wenig holprig tönt, und vor allem die Bassdrum in einer Herzklappenzerreisenden Wucht wummert. Was beim Hard Rock der weißen Schlange musikalisch noch nicht so ins Gewicht fällt, mutiert bei echtem Heavy Metal, vor allem bei den Judas Priest Doublebass-Momenten, jedoch zum ohralen Monster. Gottlob wird der Sound beim Headliner aber bereits nach den ersten zwei Songs klarer und differenzierter, weshalb der ultimativen Metal Party nix mehr im Wege stehen sollte…

Judas Priest

Noch während ein überdimensionaler "Epitaph"-Banner die Bühne verdeckt, steigen Anspannung, Befürchtung und Vorfreude in gleichen Ausmaßen den Körper hoch. Um 21:15 ist es dann soweit. Der Vorhang fällt. Es offenbart sich ein metallischer Bühnenaufbau im Stile einer Schwerkraftfabrik. An den Seiten der Bühne steigen Rauchschwaden aus inszenierten Hochöfen empor, die Lightshow ist von Beginn an beeindruckend, und während auf der Videowall hinter Scott Travis’ Drumkit Einblendungen von Clips, Visualisierungen und Albumcovers dahinflimmern, überzeugt die aufgebotene Kulisse mit sehr feinen Lichteffekten, üppigen Pyros und old-schooliger Lasershow im Stile des 80er Stadionrock.


(Foto-copyright: Nuno Alexandre Photography)

Was folgt, kann man aus der Sicht eines Judas Priest Fans locker als tränentreibend bezeichnen. Die Setlist, die die Briten auf der aktuellen Tour auffahren ist sagenhaft, denn jedes einzelne Studioalbum wird mit zumindest einem Song erwähnt. Neben typischen Hits und Livestandards bekommt man Perlen zu hören, die – ich für meinen Teil – live noch nie erlebt habe. Sind die Klänge beim "British Steel" Opener "Rapid Fire" dann noch sehr undifferenziert und dumpf, bessert sich die Soundqualität gottlob bereits während "Metal Gods", um beim grandiosen "Heading Out To The Highway" (meinem ersten persönlichen Highlight des Abends!) perfekt zu scheinen.

Für das, was man in den folgenden 155 Minuten erleben darf muss man dem Metal Gott wahrlich danken. Ein perfekt dargebotener, und vom Publikum frenetisch Gefeierter Exkurs durch 45 Jahre britischen Schwermetalls. Eine Zeitreise durch die Geschichte des Heavy Metal, voll von Perlen, großen Momenten, unsterblichen Hits und tausenden Erinnerungen!

Von einem körperlich matten Halford, den wir noch vor wenigen Jahren erlebt haben ist keine Spur. Vielmehr ist der Metal God in einer stimmlich beeindruckenden Verfassung. Halford reißt bei einer ausverkauften Hallenshow, bei der es schon vor der Bühne locker über 40° Raumtemperatur hat, 155 Minuten volles Programm runter, singt – bis auf die gesangstechnisch wahnwitzigen "Painkiller" und "Judas Rising" - alle Songs perfekt, inbrünstig und kräftig, versorgt die Fans mit seinen unvergleichlichen Schreien, und zieht sich zudem alle paar Minuten einen noch wärmeren Bühnemantel an, der funkelt und glitzert, als gäbe es kein Morgen.


(Foto-copyright: Nuno Alexandre Photography)

Rob Halford’s Performance am heutigen Abend ist, ebenso wie die seiner Bandkollegen, weit über allem was ich mir erträumt habe. Zudem ist er ein Gentleman, ein sympathisch und majestätischer Frontman, und da tut es gar nix zur Sache, dass er über die Bühne stolziert anstatt zu laufen, dass er manchmal stoisch in die Menge starrt während er den sichtlich den Jubel genießt, und dass er statt einem Waschbrett- mittlerweile einen Waschbärbauch hat.
Unter solchen Voraussetzungen kann es einfach nur ein Genuss sein, wenn Metal Ungetümer wie der "Painkiller" (zum Classic Review) Übersmasher "Night Crawler", das famose "The Sentinel" oder das kultige Fleetwood Mac Cover "The Green Manalishi" durch die rappelvolle Halle zünden. Auserwählte Highlights einer, ausschließlich von Höhepunkten gekürten, Show sind meiner Ansicht nach aber eindeutig ein majestätisches (meines Wissens noch nie live exerziertes) "Blood Red Skies", ein mitreisendes und zu einer fett rockenden Halbballade umgebautes "Diamonds And Rust", und natürlich der stimmungstechnisch bewährte Höhepunkt "Turbo Lover". Natürlich muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass es ebenso schade, wie auch ungewohnt ist, dass man Priest erstmals ohne K.K. Downing erleben muss. Jungspund Richie Faulkner macht seiner Sache aber erwartet gut. Zudem sieht er unerwartet sehr gut aus, und nachdem die Herren Tipton, Hill und vor allem Halford ohnehin mit Charisma ohne Ende von der Bühne strahlen, kann man an diesem herrlichen Abend durchaus damit leben, Judas Priest erstmals ohne eines der beiden Gründungsmitglieder abzufeiern.

Zurück zum Set. Die Stimmung kocht, als Rob Halford beim Eröffnungsriff von "Breaking The Law" ganz lässig das Mikro Richtung Publikum dreht, um 7000 entfesselte Kehlen den Text zu "Breaking The Law" von der ersten bis zur letzten Silbe gen Bühne zu schmettern zu lassen. So was spricht von Selbstsicherheit und so was spricht dafür, dass das Publikum an diesem Abend mindestens gleich beeindruckend agiert, wie die Band selbst. Der "Painkiller" beendet den Hauptset, Priest lassen sich aber nicht lange lumpen, um für "Hellion/Electric Eye" auf die Bühne zurückzukehren, Rob Halford für "Hell Bent For Leather" mit der fetten Harley auf die Bühne rollen zu lassen, und am Ende ihrer Hammershow das völlig durchgeschwitzte Publikum mit "You've Got Another Thing Comin'" und "Living After Midnight" ein letztes Mal aus der Reserve zu locken.
Grandios!


(Foto-copyright: Nuno Alexandre Photography)

Nach ausführlicher Danksagung Halford’s und einer Verneigung der gesamten Band vor ihren treuen Fans, gehen die Lichter dann endgültig aus, und kein einziger Priest- und Metal Fan bleibt enttäuscht zurück.
Dieser Auftritt war eine nicht enden wollenden Machtdemonstration einer der wichtigsten und besten Metal Bands der Geschichte.
2:15 purer Heavy Metal, ohne Soloparts, ohne längere Pausen sind eine amtliche Ansage. Von einer Band wie Judas Priest können sich all die jungen Möchtegernheadliner unsrer Zeit, die heutzutage oft schon nach einer knappen Stunde von der Bühne stapfen als ob sie einen Krieg gewonnen hätten eine gehörige Portion Spielfreude, Professionalität, Einstellung und Metal abschneiden!

Der Verfasser dieser Zeilen verlässt die Halle an diesem Abend jedenfalls nicht nur erleichtert, sondern auch tief beeindruckt und von großen Glücksgefühlen getragen.

Hier und heute waren Judas Priest genau diese Größe, in genau jener Stärke man sie für über 40 Jahre Heavy Metal Geschichte in Erinnerung behalten will. Und Rob Halford? Der war heute wahrlich ein Metal Gott. Nicht fit wie ein Turnschuh, aber erhaben und mächtig!
Besser kann eine Metal Show kaum sein!


So ist es einfach nur passend, dass mir noch heute und beim Schreiben dieses Reviews, eine der legendärsten Textzeilen der Metal Geschichte durch die Birne wandert…
"I’m on the top, as long as the music’s loud…."

Setlist Judas Priest:

1. Intro - Battle Hymn
2. Rapid Fire
3. Metal Gods
4. Heading Out to the Highway
5. Judas Rising
6. Starbreaker
7. Victim of Changes
8. Never Satisfied
9. Diamonds & Rust
10. Dawn of Creation
11. Prophecy
12. Night Crawler
13. Turbo Lover
14. Beyond the Realms of Death
15. The Sentinel
16. Blood Red Skies
17. The Green Manalishi (With the Two-Pronged Crown)
18. Breaking the Law
19. Painkiller
---
20. The Hellion
21. Electric Eye
22. Hell Bent for Leather
---
23. You've Got Another Thing Comin'
24. Living After Midnight


(Foto-copyright: Nuno Alexandre Photography)

Randnotiz des Verfassers:
Traurig aber wahr: Wenn eine renommierte Publikation wie die Süddeutsche.de (in einem matschigen Konzertbericht) die unglaublichen Publikumsreaktionen bei "Breaking The Law" falsch interpretiert, und obendrein noch fett und ausdrücklich behauptet, dass Rob Halford "nicht" mit einer Harley auf die Bühne gebrummt ist, dann muss man wirklich hinterfragen, wieso manche Leute für Berichte wie diesen, die unsereiner aus purer Leidenschaft verfasst, auch noch Geld bekommen....


Für die Fotos der aktuellen Priest Tour bedanken wir uns bei Nuno Alexandre.
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