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Marek Arnold - Interview mit Marek Arnold (u.a. Cyril, SSTTGD, Flaming Row)
Marek Arnold - Interview mit Marek Arnold (u.a. Cyril, SSTTGD, Flaming Row)  
Marek Arnold ist ein wahrer Tausendsassa des Prog. Alleine in diesem Jahr reichen die Finger einer Hand schon nicht mehr aus, um alle Veröffentlichungen des Kompo-nisten, Produzenten und Multi-Instrumentalisten abzuzählen. Viele Gründe also dem MINI-Fahrer aus Leidenschaft ein paar Fragen zu stellen.
Alex Fähnrich
Alex Fähnrich
(13 Interviews)
Marek Arnold ist ein wahrer Tausendsassa des Prog. Alleine in diesem Jahr reichen die Finger einer Hand schon nicht mehr aus, um alle Veröffentlichungen des Kompo-nisten, Produzenten und Multi-Instrumentalisten abzuzählen. Viele Gründe also dem MINI-Fahrer aus Leidenschaft ein paar Fragen zu stellen. Das Ergebnis ist ein ziemlich langes Interview, dessen Lektüre sich aber wirklich lohnt, weil Marek uns spannende Einblicke in die deutsche und internationale Prog-Szene und darüber hinaus gewährt.

DarkScene: Hallo Marek, du bist ohnehin einer der produktivsten Musiker, die ich kenne, aber was du in diesem Jahr bereits alles veröffentlicht hast, mutet sogar für deine Verhält-nisse außergewöhnlich an. Hat dein Tag vielleicht mehr als 24 Stunden oder deine Woche mehr als 7 Tage? Wie koordinierst du deine vielen Projekte?

Marek : Hallo und danke für die Einladung, ein paar Fragen zu beantworten. Ja, das werde ich in der Tat häufig gefragt, aber so schlimm ist es am Ende nicht. Ich sitze meist über lange Zeit-räume mit verschiedenen Musikern an unterschiedlichen Projekten, habe das Glück, im ei-genen Studio zu arbeiten und mein spannender Job an einer Jugendkunstschule bringt es mit sich, dass es hin und wieder Leerzeiten gibt, die ich im Studio nutzen kann. Außerdem habe ich das Glück, ein recht gutes Gehör zu haben und meist auf Knopfdruck kreativ sein zu können - so bin ich einfach recht effektiv. Ich habe es mir mittlerweile sogar weitgehend abgewöhnt, auch noch in der Woche abends lange im Studio sitzen, außer wenn gerade ein Auftrag ansteht, denn die Zeit mit meinen Kindern vorm Schlafengehen ist mir da zu wichtig.



DarkScene: Der perfekte Papa bist du also auch noch. Aber lass uns bei der Musik bleiben. Ich würde gerne mit THE ARTROCK PROJECT beginnen. Du bist ja eher ein Mann für Longplayer, insbesondere Konzeptalben, was hat dich bewogen, hier mit "Stay" einen einzigen Song für dieses Projekt zu schreiben?

Marek : Die Idee zu einer Art „Hymne“ für das Artrockfestival Reichenbach kam - wie auch anders - von Uwe Treitinger (Anm.: Betreiber des Bergkeller Reichenbach), der mich anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, den Song zu schreiben und zu produzieren, und mög-lichst viele Gäste des Festivals zu integrieren. Die Einnahmen wurden der Stadt Reichenbach für die Anschaffung eines Kunstwerkes eines Sohnes der Stadt gespendet.

DarkScene: Neben dem Traumpaar der deutschen Prog-Szene Melanie Mau und Martin Schnella und einigen weiteren namhaften deutschen Musikern war u.a. Gary Chandler (Jadis) beteiligt. Wie kam es dazu und wie gestalteten sich die Aufnahmen?

Marek : Uwe und ich haben uns überlegt, ganz konkret möglichst viele Musiker aus Bands des be-vorstehenden Festivals zu fragen. Er hat dazu auch die Kontakte hergestellt. Die meisten angefragten Musiker wie RPWL`s Kalle Wallner, Steve Unruh, Gary Chandler oder Marcel-la Arganese waren auch sofort von der Idee begeistert. Ich habe zunächst einen Song als Skizze eingespielt und dann - dank Internet - die Spuren der Kollegen zusammen bekommen. Das war natürlich viel organisatorische Arbeit, die Beiträge auch in technisch unter-schiedlichsten Formaten und Qualitäten zusammenzubringen und zu produzieren, aber am Ende auch sehr zielführend. Mit Martin arbeite ich ja ohnehin über das Jahr in vielen Projek-ten und auch Studioaufträgen erfolgreich und sehr effektiv zusammen, er war natürlich daher die erste Anfrage. Auch unser lieber Flaming Row-Kollege Nik war sofort als Drummer da-bei. Die Entscheidung für Melli als Sängerin fiel dann auch recht schnell, als klar war, wie die Melodieführung lauten würde, und sie hat ebenfalls sofort zugesagt. Letztlich kann ich mich nur verbeugen vor all den großartigen Musikern, die dieses Projekt haben Wirklichkeit werden lassen. Momentan überlege ich ernsthaft, das Projekt fortzuführen und eine Art „Soloalbum“ in diesem Stil anzugehen.

DarkScene: Das wäre genial, denn der Song gefällt mir total gut. Habt ihr mit dem Radioedit denn etwas Airplay bekommen?

Marek : Dankeschön! Nun ja, um ehrlich zu sein: ich hab keine Ahnung, befürchte aber: nein. Hier steht ja kein Label dahinter, die CD wurde nur auf dem Festival und bei ein paar Mailordern verkauft - daher auch fast ohne zusätzliche Promotion. Der Song ist ja aber stilistisch recht zeitlos, das Festival läuft jährlich - vielleicht kann man es also nochmal etwas pushen. (Anm.: Klar! Und zwar genau an dieser Stelle. Die CD im Cardsleeve ist hier erhält-lich: https://www.ppr-shop.de/MAREK-ARNOLD-FRIENDS-Stay-Theme-for-ArtRock-Festival).



DarkScene: Leider war ich selbst noch nie im Bergkeller zu Reichenbach, aber die Location ist in Prog-Kreisen ja fast schon legendär. Was macht dieses Venue im tiefsten Vogtland so besonders und wie lief das Artrock Festival für dich und deine Mitstreiter in diesem Jahr?

Marek : Der Bergkeller selbst ist gerade wegen seiner geringen Größe, dem unmittelbaren und direkten Kontakt der Band zum Publikum und vor allem natürlich der unglaublichen Stimmung schon Kult geworden. Das Artrockfestival findet dagegen im Neuberinhaus statt, quasi einer Art Stadthalle mit Saal und Foyer, der optimale Ort für ein solches Festival. Ich hatte in diesem Jahr das Glück, mich gleich mit drei Formationen präsentieren können. Mit SSTTGD zum mittlerweile dritten Mal in diesem Jahr, mit brandneuem Album und mit un-serem neuen Bassisten Dan Mash ( Maschine, UPF, Damanek ) aus London. Für CY-RIL war es einer der beiden ersten Gigs überhaupt und auch mit Manuel Schmid konnte ich unser neues Album „Zeiten“ vorstellen. Die Atmosphäre ist ohnehin einzigartig, die Reaktionen waren bei allen drei Acts fantastisch. Ein tolles Festival und eine unvergleichliche Stimmung. Und für mich obendrein zufällig fast Heimspiel, ich konnte täglich nach Hause fahren.

DarkScene: Als Nächstes bedanke ich mich für ein signiertes Exemplar von „Zeiten“, deinem o.g. Album mit Manuel Schmid. Ein sehr einfühlsames und tiefgründiges Werk, bei dem die subtile Instrumentierung perfekt zu den sehr persönlichen Texten passt. War das für dich der Reiz bei diesem Projekt, sozusagen als Kontrapunkt zu den opulenten Kompositionen, die ansonsten deine Handschrift tragen?

Marek : Eigentlich hast Du es bereits selbst schon wunderbar in Worte gefasst… der Kontrast zu den sonst eher orchestral arrangierten Bandprojekten, das Reduzieren auf fast schon semi-akustische Arrangements. All das dann noch in Deutsch macht es durchaus spannend, Songs so „anders“ umzusetzen. Ich bin mit Manuel ja mittlerweile sehr viel im Duo unterwegs und die doch recht anspruchsvollen "Prog"-Songs erreichen in diesem Gewand tatsächlich auch viel leichter ein eher ganz anderes Publikum, welches mit meinen Prog Rock-Bands sicher weni-ger anfangen könnte.



DarkScene: Du hast ja bereits auf Manuels Livealbum mitgewirkt. Interessanterweise ist er 2012 bei Stern-Combo Meißen eingestiegen, also genau in dem Jahr als du dort aus-gestiegen bist. Außerdem ist er wie du bei CYRIL. Welche Anknüpfungspunkte gibt es noch zwischen euch und wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit?

Marek : Ja, das ist tatsächlich eine interessante Story…Manuel hatte mich noch während meiner Zeit bei Stern-Combo Meißen angeschrieben, weil er meine Kompositionen auf der gerade erschienenen neuen CD mochte. Wir haben uns zunächst auf nen Kaffee getroffen und schnell gemerkt, dass wir gut miteinander können. Wenig später stiegen wir drei „Toxic Smilies“ (Anm.: TOXIC SMILE war eine weitere Band, in der Marek aktiv war, die sich aber mittlerweile leider aufgelöst hat.) bei der Band aus und Manuel bewarb sich als Sänger. Und darin ist er schlichtweg fantastisch. Bis heute ist die SCM natürlich immer wieder Thema und mittlerweile die Gründe unseres damaligen Ausstiegs kaum noch relevant. Ich schreibe mit Manuel auch Songs für Stern Combo und Manuel ist mittlerweile fester und wichtiger Teil von CYRIL. Wir arbeiten sehr gut miteinander, sprechen eine Sprache und sind sehr gern zusammen auf Tour.

DarkScene: Wie war das Feedback auf "Zeiten"? Dieses Album müsste doch eigentlich auch bei Nicht-Proggern sehr gut ankommen…

Marek : Ja, absolut. Wir sind von den Reaktionen darauf sehr glücklich, haben aus unterschied-lichsten Personenkreisen begeisterte Rückmeldungen bekommen und selbst im englisch-sprachigen Prog-Radio und Internetstationen werden Songs von "Zeiten" erstaunlich oft ge-spielt. Dennoch, machen wir uns nichts vor, sitzen wir damit auch etwas zwischen den Stüh-len. Eine klare Kategorie dafür zu finden, ist schwierig, da von Prog-Ballade über Pop-Nummer, von fast schon klassisch anmutenden Klavierarrangements bis zu einem melan-cholischen Streicherensemble alles darauf vertreten ist. Sollte das eher im deutschsprachigen Pop oder im Artrock eingeordnet werden? Damit scheint man leider z.B. im deutschen Kulturradio arge Probleme zu haben…

DarkScene: Der Mensch denkt nun mal gerne in Schubladen, also machen wir jetzt mal die große Prog-Schublade auf: Am 30. April kamen deine beiden "Flagschiffe" CYRIL und SEVEN STEPS TO THE GREEN DOOR (kurz: SSTTGD) am gleichen Tag mit ihren neuen Werken heraus, Zufall oder eine konzertierte Aktion eures Labels Progres-sive Promotion Records?

Marek : Von beidem etwas. Die VÖs kamen tatsächlich fast zeitgleich, mit zwei, drei Monaten Dif-ferenz, in die finalen Phasen, und PPR hat dann schon aus promotechnischen Gründen und dem dann möglichen gemeinsamen Versand die Release-Termine zusammengelegt.



DarkScene: Als großer Fan von SSTTGD hab ich mich natürlich gleich auf "THE?LIE" ge-stürzt. Wie schon beim ersten Teil "THE?BOOK" hat mich die Story völlig in ihren Bann gezogen. Diesmal gibt es ja sogar noch ein fettes Lyricbuch dazu, durch das man den Plot perfekt nachvollziehen kann. Was fasziniert euch am Thema Religion so sehr? Spielen da auch persönliche Erfahrungen eine Rolle?

Marek : Jein. Ich selbst bin religionsfrei aufgewachsen, oder sagen wir mal so: es war schlichtweg nie Thema. In der ehemaligen DDR, die ich zumindest noch als Kind erlebt habe, spielte Re-ligion im Alltag kaum eine Rolle, und wenn eine frühkindliche Indoktrination wegfällt, kommt man normalerweise auch nicht auf den Gedanken, sich mit einem der weltweit tausenden Götter näher zu beschäftigen, denn geboren wird jedes Kind als Atheist. Ich bin dann aber immer öfter darauf gestoßen, wie weit Religionen Einfluss auf Denken und Handeln Einzel-ner, aber auch auf Politik und Bildung im System haben. Und immer öfter war ich entsetzt, wie wenig dieser Dimension mir bislang bewusst war. Ich habe dann viel gelesen, mich mit Laizismus, Humanismus, Wertebildung und religiösem Fanatismus beschäftigt. Irgendwann reifte der Gedanke, mal ein Thema musikalisch umzusetzen, welches eine Art Gegenentwurf zu den „missionierenden“ Alben eines Neal Morse (Anm.: Neal Morse Band, Transatlantic, ex-Spock`s Beard) den ich als Musiker und Komponisten wirklich liebe, darstellen könnte. Dabei kam mir eine Grundidee zu einem Thema und ich habe meinen Freund Thoralf Koss angerufen, ob er sich vorstellen könnte, dies als Story auszuarbeiten. Ich habe ihn genau auf dem richtigen Fuß erwischt, denn seine Beziehung zu einer streng-gläubigen Katholikin war gerade wegen ähnlicher Themen zerbrochen. So entstand das Storybook zu "THE?BOOK", mit einem bewusst offenen interpretatorischem Ausgang, denn es war uns immer wichtig, nicht etwa Gläubige zu kritisieren, sondern nur die Auswüchse ei-ner religiösen Einflussnahme kritisch zu beleuchten.
Sicher war es dennoch mutig, solch ein Thema zu wählen, die Reaktionen waren überwie-gend zwar euphorisch, was Musik und Umsetzung anging, aber wir erfuhren durchaus auch unangenehme inhaltliche Kritik und Reaktionen, bis hin zu Drohmails. Das hat mich persön-lich auch nicht kalt gelassen, gerade weil wir niemanden persönlich angreifen und viele Deu-tungsmöglichkeiten offenlassen. Viele meiner Freunde und Kollegen, aber auch Schüler sind religiös, meine größte Tochter wächst in einem evangelischen Umfeld auf. Damit kann ich an sich also sehr gut umgehen. Kommunikation, Respekt und Achtung vor dem Menschen ge-hört aber eben in beide Richtungen dazu.

DarkScene: Religiöser Fanatismus ist leider eines der größten Probleme der Menschheit. Aber zurück zur Musik: Das Ganze hat ja mittlerweile fast schon AYREON-Ausmaße er-reicht. War es schwierig für jeden der Charaktere die richtige Besetzung zu finden?

Marek : Ja, das war in der Tag eine riesige Herausforderung. Für "THE?LIE" hatten wir ja den großartigen Autor George Andrade im Boot, der aus Thoralfs originaler Story dieses ausführ-liche Storybook entwickelte und die Texte schrieb. Er war überhaupt ein unglaublich wichtiger Teil dieses Albums und verantwortlich dafür, dass es fast schon als Rock-Oper betrachtet werden kann. So bekamen einige der Charaktere ein noch deutlicheres Profil. Ein paar der Charaktere waren ja durch "THE?BOOK" bereits vorgegeben: Lars als „Samuel“ und Anne als seine Freundin kommen naturgemäß wieder in Schlüsselpositionen vor. Gerade die Querverweise und die komplexen Wirrungen, in welchen Personen aus „THE?BOOK“ nun wieder in "THE?LIE" in neuem Licht auftauchen, waren aber eine echte Herausforderung. Die neue Rolle der „Mutter“ konnten wir mit unserer ebenfalls großartigen Sängerin Jana be-setzen, Samuels Zwillingsbruder „Noah“ wurde naturgemäß von Sören übernommen, der Lars während unserer Tour 2016 vertreten hatte und tatsächlich eine ähnliche Stimmfarbe hat. Am meisten Kopfzerbrechen hatte uns die umfangreiche Rolle des „Vaters“ bereitet. Hier hatten wir gleich drei wirkliche Stars der Prog-Szene in Aussicht. Ich darf die Namen hier nicht nennen, aber da wäre schon eine kleine Sensation dabei gewesen (Anm: Eher 3!). Leider hat wohl auch hier am Ende die Angst, sich mit der Story eine blutige Nase holen zu können, verhindert, dass die schon vergebenen Rollen wirklich eingesungen wurden. Im Nachhinein bin ich allerdings nicht mehr unglücklich, denn Peter Jones (u.a. Tiger Moth Tales, Camel.) hat diesen Charakter so unglaublich mit Leben erfüllt, dass ich mir keine bessere Besetzung vorstellen könnte. Er ist einfach großartig.



DarkScene: Wow, das ist ja spannender als jeder Krimi! War von Anfang an klar, dass es eine Fortsetzung zu "THE?BOOK" geben würde bzw. dass eine Trilogie daraus werden würde?

Marek : Nein, eigentlich war "THE?BOOK" eine in sich geschlossene Handlung. Mit zugegeben recht offenem Ende. Nach "FETISH" reiften bei Ulf und mir aber immer öfter musikalische Themen, die Motive aus "THE?BOOK" aufgriffen. Parallel dazu erleben wir politisch in den letzten Monaten ja eine zunehmende Relevanz religiösen Fanatismus´ auch in unserem Um-feld und Erleben. Am Ende kann ich gar nicht mehr sagen, wann klar war, dass es eine Fort-setzung geben sollte. Als ich Thoralf wegen eines Teil 2 anfragte, schien der diesen bereits im Kopf fertig zu haben. Es fügte sich unglaublich schnell, und der Umfang der Fortsetzung ließ schnell erahnen, dass wohl sogar eine Trilogie daraus werden muss.

DarkScene: Wann darf man denn mit dem dritten und letzten Teil rechnen oder kommt davor noch ein Intermezzo wie "FETISH", das bei mir nach wie vor ganz hoch im Kurs steht?

Marek : Wir beginnen derzeit wieder mit dem Sammeln erster Ideen. Geplant ist tatsächlich, Teil 3 der Trilogie relativ zeitnah nachzuschieben und damit das Konzept abzuschließen. Schließlich steht ja diesmal bereits die Story komplett fest und wir wissen, welche Charaktere neu hinzukommen, wieder auftauchen oder in neuem Kontext erscheinen. Dennoch möchte ich mich nicht festlegen – es war immer Konzept dieser Band, sich alle Freiheiten offen zu halten.

DarkScene: Engt ein solches Konzept nicht manchmal auch ein wenig ein und ist man als Komponist und Musiker ganz froh, wenn man endlich mal wieder frei von der Leber weg agieren kann wie auf "FETISH"?

Marek : Absolut! Das meine ich auch damit. SSTTGD ist ja eigentlich eine musikalisch sehr of-fene Truppe. Wir spielen gern mit den Stilen, den Möglichkeiten, mischen alles zu bunten Blumensträußen mit großen Melodien zusammen. Dies fällt natürlich wesentlich leichter ohne ein so dunkles, starres Konzept, welches einem viele dieser Freiheiten ggf. nimmt bzw. ein-schränkt. Daher hat es nach "THE?BOOK" auch gut getan, zunächst zum „Fun Prog“ der Zeit davor zurückzukehren. Allerdings muss ich auch klar sagen, dass der „Verlust“ von Mar-tin (Anm.: Schnella), der sich nach "FETISH" aus verschiedenen Gründen zurückge-nommen hat ( u.a., um Zeit für sein Projekt mit Melli zu haben, was ja für die beiden auch sehr erfolgreich funktioniert hat), uns schon arg zurückwarf, gerade zu einem Zeitpunkt, in dem wir mit ihm gerade unglaublich effektiv und kreativ zusammengearbeitet haben. Es lief musikalisch und menschlich zu dieser Zeit einfach perfekt zusammen. Dies, gerade auch Martins Triplefunktion an Gitarre, Gesang und bei den Arrangements, plötzlich auf die Schnelle zu ersetzen, war eine Herausforderung, der wir uns womöglich mit dem Korsett ei-nes Konzeptalbums sogar besser stellen konnten. Heute haben wir gelernt, die Band gerade für die Studioarbeit etwas internationaler aufzustellen. Wir arbeiten für Arrangements und Umsetzung mit einigen meiner Freunde aus den anderen Projekten. So war Luke Machin (u.a. Maschine, Damanek, Tangent) zum Beispiel für eine Woche bei uns, um die Arrange-ments für "THE?LIE" auszuarbeiten. Martin hat aber wieder den finalen Mix und das Master erstellt und so sicher auch etwas dafür getan, dass in dieser Zusammenarbeit ein idealer Soundmix aus "THE?BOOK" ( welches ich noch komplett selbst produziert hatte ) und seiner großartigen Produktion von "FETISH" wurde.
Man sieht, eine solche Band muss man tatsächlich immer wieder durch stürmische See schiffen. Mitunter fügen sich Entwicklungen wiederum von allein. Ich denke und hoffe aber, diese Beharrlichkeit zahlt sich aus. Sei es nun mit der Trilogie, die fertiggestellt wird oder ein ganz anderes Konzept, welches sich den Weg bahnt.



DarkScene: Nun, Konzeptalben sind wohl einfach dein Ding, denn mit "The Way Through" von CYRIL hast du ja gleich noch eins aus dem Hut gezaubert. Hier stammen Konzept und Texte allerdings von einem Externen, nämlich Guy Manning (Damanek, UPF, ex-Tangent). Was hat euch daran so fasziniert?

Marek : Die Musik war bereits zu großen Teilen geschrieben, als ich alles Guy geschickt habe und ihn um eine Story bat. Guy ist ein großartiger Autor. Ich arbeite mit ihm ja nun bereits seit vie-len Jahren zusammen, besonders natürlich in unserer Band DAMANEK und er hatte dann tatsächlich zeitnah eine Geschichte am Start, die uns sofort begeistert hat. Wir haben dann Vocaldemos erstellt, um ihm eine Vorlage zu geben, auf welche er dann, wie zuvor bereits auf dem zweiten Album "Paralyzed" die Texte schrieb. Es hat wieder super funktioniert.

DarkScene: Ich muss zugeben, dass dies meine erste Berührung mit CYRIL ist und mich eure Leichtfüßigkeit wirklich beeindruckt. Euer Prog ist irgendwie nicht so verkopft wie bei anderen Genrecombos. Wie macht ihr das?

Marek : Schwer zu sagen. Die meisten Songgerüste entstehen vielleicht einfach für eine Prog-Band sehr ungewöhnlich: Denis schickt mir i.d.R. erste programmierte Soundgerüste, meist eher flächige, atmosphärische Versatzstücke, an welchen ich weiterarbeite, beim neuen Album oft bereits gemeinsam mit Manuel. So entstanden viele sehr melodische Teile. Schon sehr zeitig denken wir über Melodien nach, denn diese sind das Bindemittel im Sound von CYRIL. Aus zunächst programmierten Drums werden im Studio Clemens` Grooves, die das Ergebnis kitten. Larry und Manuel haben dann in frühem Stadium bereits mit mir an den Gesangsphrasen gearbeitet. Ralf hat ohnehin einen sehr eigenen Stil, Gitarre zu spielen. Dies alles addiert sich dann. Egal, wie komplex rhythmische und harmonische Motive im Hin-tergrund agieren, die Melodien dominieren den Sound und machen es so vergleichbar recht leicht verdaulich.

DarkScene: Eine vortreffliche Beschreibung eurer Arbeitsweise, danke! Damit hätten wir glau-be ich all deine aktuellen Releases abgearbeitet…

Marek : Nicht ganz! Soeben ist auch endlich das zweite Album von UNITED PROGRESSIVE FRATERNITY erschienen. Auch ein paar Gastrollen gab es, u.a. wieder auf dem neuen Al-bum von THE SAMURAI OF PROG.



DarkScene: …wie soll man bei dir auch den Überblick behalten! Du hattest mir auch von TOXIC SMILE noch eine Live-DVD mit Aufnahmen aus dem Schloss Waldenburg aus dem Jahr 2005 mit Orchester geschickt, die letztes Jahr veröffentlicht wurde. Was hat es damit auf sich?

Marek : Diese DVD mit dem Namen "Toxic Smile ...in classic extension" wurde bereits 2006 veröf-fentlicht, allerdings in sehr kleiner Auflage. 2018 gab es nun endlich doch noch das Re-Release. Neben der "THE?BOOK"-Trilogie handelt es sich um das wohl umfangreichste und wahnwitzigste Projekt, an welchem ich je gearbeitet habe. TOXIC SMILE-Songs mit Or-chester & kleinem Chor, allerdings in komplett kammermusikalischen Neuarrangements, mit der Band als Teil des Orchesters, also Akustik-statt E-Gitarre, Kontrabass statt E-Bass, Flügel statt Keyboards, Klarinette statt Moogsound. Das hat uns fast drei Jahre und ein Vermögen gekostet, von Arrangements bis Schnitt. Wir mussten leider, gemeinsam mit dem damaligen Label, eine Menge Lehrgeld bei der technischen Umsetzung zahlen, beinah wäre die DVD nicht mal in einer Bootleg-Variante erschienen. Ich bin glücklich, dass dieses einmalige Projekt nun doch noch, dank der Neuauflage bei unserer Plattenfirma PPR der Nachwelt er-halten werden konnte.

DarkScene: War das also selbst für dich als klassisch ausgebildeter Musiker eine große Her-ausforderung?

Marek : Ich bin – nach Definition des Studiengangs - studierter „Popularmusiker“ ( meint: Jazz ), sprich Saxophonist. Mit klassischen Noten, Streicherarrangements und dem Tonumfang einer Viola oder Oboe hatte ich bislang eigentlich fast nie zu tun. Ja, das war eine extreme Herausforderung. Für uns Musiker von TOXIC SMILE ebenso wie für die Musikstudenten der Musikhochschule Weimar im Orchester, also die Freunde, die uns bei den Arrangements halfen. Nur der Dirigent, Paul Momberger von der Neuen Philharmonie Frankfurt war wirklich Vollprofi auf dem Gebiet der klassischen "Crossover"-Produktionen.

DarkScene: TOXIC SMILE gibt es ja leider nicht mehr…

Marek : Die Band hat sich vor ziemlich genau einem Jahr aufgelöst. Zu groß wurden die Schwie-rigkeiten, die Band weiterzuführen, das hohe Niveau auch mit solch begrenzten zeitlichen Möglichkeiten zu halten und sich immer wieder zu motivieren. Diese Band hat bereits am Beginn ihrer „Laufbahn“ quasi alles erlebt, was man erleben kann – wir hatten das Glück, für einen kurzen Moment internationale Rockstars sein zu dürfen. Heute dagegen konnten wir nicht mal mehr garantieren, bedeutende kleine Prog-Festivals wirklich zu spielen, aus finan-ziellen wie auch organisatorischen Gründen. Unser 42-minütiger Abschlusssong "Farewell" war nicht nur dem Namen nach ein würdiger Abschied, meine ich. Aber natürlich sage ich das noch immer mit einer Träne im Knopfloch. Wer weiß, was die Zeit bringt...



DarkScene: Dafür gibt es jedoch gute Neuigkeiten zu FLAMING ROW, dem Projekt, welches mich vor ein paar Jahren erst in die Welt von Martin Schnella und dir geführt hat!

Marek : Vor einer Stunde erst habe ich das Studio verlassen und habe bis dahin an neuen Key-boards für die dritte FLAMING ROW-Scheibe gesessen. Nachdem dieses Album lange auf Eis lag, zwischenzeitlich Kiri die Band verließ und Melli in die Truppe kam, hat Martin jetzt wieder die Priorität darauf gelegt und hoffentlich soll das neue Album noch 2019 erscheinen. Der Großteil der instrumentalen Parts ist eingespielt, nun geht es an die Gesänge, Arrange-ments, Adds, sowie Mixing und Mastering. Ohne zu viel zu spoilern: Fans der ersten beiden Alben werden ganz sicher nicht enttäuscht werden!

DarkScene: Davon bin ich überzeugt, denn hier kommen vor allem auch Anhänger der etwas härteren Gangart auf ihre Kosten, Prog Metal at ist very best!
Vielen Dank, Marek! Das war jetzt fast schon ein Interview-Marathon, aber wie ich dich kenne, hast du bestimmt noch irgendetwas Erwähnenswertes in Petto…

Marek : Ich meine, dass ich alles sagen konnte, was mir für den Moment wichtig scheint, und ich weiß, ich habe dennoch einiges vergessen.
Vielen lieben Dank, dass ich Rede und Antwort stehen durfte! Ich verweise gern auf meine Homepage www.bside-music.de, wo man auch meine (überwiegende) Diskografie findet und freue mich über nette Kontakte auf Facebook (www.facebook.com/keramdlonra ).

DS Ergänzen möchte ich diese Links abschließend noch durch die Homepage von Ma-reks Hauslabel Progressive Promotion Records, wo man fast alle der genannten Veröf-fentlichungen erwerben kann: https://www.ppr-shop.de/

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