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Operation: Mindcrime - Geoff Tate: Wein, Pudel und der Schlüssel
Operation: Mindcrime - Geoff Tate: Wein, Pudel und der Schlüssel  
Im Zuge der Veröffentlichung des grandiosen Operation: Mindcrime Debütalbums "The Key" ergab sich die Möglichkeit unseren Thunderstryker zu einem face2face Interview mit dem Ausnahmesänger auf einem Weingut in Freiburg schicken zu dürfen...
Thunderstryker
Thunderstryker
(7 Interviews)
Im Zuge der Veröffentlichung des grandiosen Operation: Mindcrime Debütalbums "The Key" ergab sich die Möglichkeit unseren Thunderstryker, aka bekennender Queensryche und Geoff Tate Verehrer zu einem face2face Interview mit dem Ausnahmesänger auf einem Weingut in Freiburg schicken zu dürfen. Das Ergebnis ist epochal, persönlich und mehr als beeindruckend...

"Wein, Pudel und der Schlüssel"

Ob Odysseus während seiner Irrfahrten wohl der Gedanke aufkam, dass sich der ganze Trubel für die Heimreise doch nicht lohnt? Bestimmt haben auch Hänsel und Gretel irgendwann überlegt, doch einfach im Wald zu bleiben und da eine neue Existenz zu gründen. Eines ist jedoch sicher: Als Fan reist man weit für seine Idole; in diesem Fall gar über 20 Stunden. Auf dem Weg zu einem Interview mit Geoff Tate kam dem Thunderstryker jedoch nie auch nur eine Sekunde des Zweifels, ob sich das alles lohnen würde. Sicher, man hätte die Chose auch bequem als Video-Interview durchführen können, aber wie oft bekommt man schon die Chance, seinen Idolen ins Angesicht zu schauen und die wirklich auf dem Herzen liegenden Fragen mit einer Mischung aus Nervosität, Freude, Lächeln und zitternden Händen in's Gesicht zu fragen?



Die Vorbereitung:

Geoff Tate, ein Mann, der seit den frühesten '80ern mit Babylon, Myth, Solo, nun mit Operation:Mindcrime und natürlich Queensryche unterwegs war und so ziemlich jedes Interview durchgemacht hat, sich jeder erdenklichen Frage stellte und genau weiß, was für Menschen da vor ihm sitzen, ist schon seit langem in der Liga der Veteranen angekommen. Da fragt man sich als 20-jähriger Jungspund schon, was man denn auffahren könnte, um das alles dennoch zu etwas Besonderem zu machen. Von der ersten Minute, als feststand, dass dieses Darkscene-Gespräch stattfinden würde, war klar, dass konventionelles Abarbeiten von Standardfragen à la Rock Hard-Magazin nicht in Frage käme.

Der Vorteil des Fanboys: Er steckt tiefer in der Materie drin, er liebt und lebt die Musik seiner Helden und, das dürfte am hilfreichsten sein, er besitzt die ein oder andere Sache, die der herkömmliche Musikjournalist nicht hat. Im Falle des Thunderstrykers fiel die Wahl auf einen dicken Ordner mit rund 500 Artikeln, Interviews, Rezensionen und Geschichten zu Queensryche mit Geoff Tate. Stunde um Stunde wurde damit verbracht, dieses Schwergewicht (das auf den Namen "Rage For Ordner" hört) durchzugehen und sich einen Überblick zu verschaffen. Wie es der Zufall und die gute Geschichte wollen, lief zwischendrin ein Highlight des "Promised Land"-Albums, "Someone Else", das die große Inspiration werden sollte. Inhaltlich geht es um einen Menschen, der zurückblickt und seine Handlungen so resümiert, dass sie von einem anderen Menschen durchgeführt werden mussten.

Also fragt sich der Protagonist, wie Geoff Tate 2015 wohl über einige Statements früher Jahre denken würde. Würde er kopfschüttelnd abwinken? Verschmitzt grinsen, nervös rechtfertigen? Oder würde er gar alles wieder so machen und sagen, wie in früheren Jahren? Mit Liebe zur Sorgfalt ein paar Fragen herausgesammelt und schon steht die Hälfte des Interviews, das sich in der zweiten Hälfte mit Fragen zum neuen Album, zur Person und einigen Darkscene-Standards füllen sollte. Ja, eine halbe Stunde ist viel zu schnell gefüllt und der Sänger alles Andere als ein schüchterner Redner, der zu einer Frage gut und gerne mal ausführlich loslegt. Die Hoffnung liegt darauf, dass Managerin, einflüsternder Geist und Ehefrau Susan Tate nicht dazwischenkeilen und nach 30 Minuten abbrechen, sodass die eine oder andere Minute überzogen werden kann.



Die Reise:

Von Berlin nach Freiburg zu reisen, ist 2015 nicht mehr die große Kunst. Bedenken wir an dieser Stelle, dass diese 6-7 Stunde Fahrt für einige Gesprächsminuten aufgewandt werden, sprechen wir doch von einem außenstehenden Ereignis. 4 Uhr morgens werden schnell die letzten Taschen gepackt, das Styling perfektioniert und trotz Konfessionslosigkeit gebetet, dass die Züge heute pünktlich kommen. Auf gar keinen Fall darf Geoff Tate verpasst werden. Zugkosten und verlorene Zeit stünden in der Überlegung nur an zweiter Stelle.

Todmüde in den ICE geworfen, sind es "Operation Mindcrime" und das neue Album der gleichnamigen Band, "The Key", die einen aufwecken und die Lust auf das Treffen richtig anheizen. Vorfreude mischt sich immer mehr mit einer Nervosität; ist das Interview gut genug? Genügt es Tates Ansprüchen? Genügt es den eigenen Ansprüchen? Denen des Magazins? Denen der Leser? Hoffentlich bliebe im Eifer des Gefechts die Professionalität nicht vollends auf der Strecke. Quälende Gedanken bei 120 Km/H, die von den ermunternden, unterbewerteten Kompositionen von "Q2K" gelindert werden.

Mit einer kleinen Verspätung steht der Thunderstryker um 13 Uhr am Bahnhof in Freiburg und hat noch ganze 3 Stunden, bis das Interview ansteht. Die Stadt besichtigen? Keine Chance! Sicher, Freiburg ist auf den ersten Blick ohnehin nicht die kommende Welthandelsmetropole, aber auch hier gibt es das Augustinermuseum, die historische Altstadt, das Schwabentor, den Stadtgarten und Einiges mehr. Keine Zeit, die Gedanken sind fixiert, auf zum Taxistand. Einem freundlichen Äthiopier wird Eichstetten als das Ziel der Fahrt genannt und auf die Nachfrage, was denn so Besonders wäre, dass es einen Großstädter auf's tiefste Land ziehen könnte, muss man schon ein wenig nach innen lachen.



Vor Ort:
Eichstetten ist tatsächlich nicht der Flecken Erde, an den es einen als Erstes zieht, wenn man den Urlaub plant, sodass die Frage, warum das Interview gerade hier stattfindet, auf die Liste für später kommt. Auf der Hauptstraße der 3400-Seelen-Gemeinde angekommen, wird die Frage gleich wieder gestrichen. Es findet eine Feierlichkeit mit dem vielsagenden Namen "Weinfest" statt. Alles klar, das zieht den Sänger und bekennenden Weinfan, der schließlich auch eine eigene Sorte, "Insania" genannt, anbietet, hierher.

Die Hauptstraße, an deren falschen Ende der Thunderstryker steht, ist länger als gedacht und nach einem ausgiebigen Fußmarsch steht er dann vor dem Zielort, der Ferienwohnung und Weingut der Familie Rinklin. Es strahlt diese bodenständige Sympathie aus, die man in der Großstadt schmerzlich misst und so werden diese Räumlichkeiten gegen 14 Uhr betreten. Direkt am Eingangstor steht ein imposanter, bulliger Traktor; ganz und gar nicht die Atmosphäre, die man mit einem Sänger wie Geoff Tate, der eine gewisse Extravaganzia lebt, in Verbindung bringt. Freundlich empfangen vom Hausherren, freut man sich über die gelassene Stimmung.

"Schon so früh da?", es war nicht zu vermeiden. Ja doch, wie heißt es in einem Batman-Klassiker: "Besser drei Stunden zu früh, als eine Minute zu spät". Begrüßt wird man auch von zwei sich sehr ähnlich ausschauenden Hunden, zwei sich auf der Weinflaschenbearbeitung befindenden Herren, zwei hübschen Mädeln und der sich ebenfalls auf der Arbeit befindlichen Frau des Hauses. Zum Zeitvertreib wird mit den Hunden gespielt und ein wenig über das Weingut gefragt. Seit 1713 steht das Gebäude schon; imposant. Bis zum 30-jährigen Krieg lassen sich die Stammbäume zurückverfolgen und im Zuge dessen wird die Verwandtschaft mit Susan Tate angesprochen, womit die Frage, was die Familie um den Sänger hierher zieht, endgültig geklärt ist.

Rotweine, Spätburgunder, "Regent"en und diverse Kreuzungen werden hier als Resistenzzüchtungen hergestellt und weiter außerhalb an den Mann gebracht. Natürlich kann man die Sorten auch vor Ort kaufen. "Was wir beim Trinken übrig lassen, ist noch zu erwerben", witzelt der Hausherr und bietet ein Gläschen Rotwein an. Kein Wunder, dass es Geoff Tate herzieht, die Weinprobe aus einer der Keimstätten der Bio-Bewegung schmeckt phantastisch. Zuletzt lässt man sich noch darüber aufklären, was in Eichstetten sehenswert ist; unter Anderem wird der Eichelspitzturm und -natürlich- das Weinfest genannt. Dafür ist gegen 15 Uhr aber schon keine Zeit mehr. Vor dem Tor stehend, erblickt der Thunderstryker in der Ferne ein Pärchen, das verdächtig den Zielpersonen ähnelt. Ja, das sind Geoff und Susan Tate.



Schnell nach drinnen gelaufen, einen letzten Schluck Wein genommen, tief durchgeatmet und auf cool getan, als das Paar das Weingut betritt und Geoff ein lockeres "Hi!" entgegenruft. Innerlich schon in Ohnmacht gefallen und doch Anstand wahrend, wird zurückgegrüßt und bedächtigen Ganges entgegengeschlendert, wobei das Herz schon losgelaufen ist. "How are you? Everything alright?" Ja. In diesem Moment ist alles auf der Welt alright. Auch die Regeln des Anstands werden in diesem Moment kurz vergessen und Geoff bekommt die grüßende Hand noch vor seiner Lady.

Es wird ein wenig über das Wetter in Berlin sinniert, darüber, was heute alles ansteht; mehr und mehr übernimmt Susan Tate die Leitung des Gespräches, während Geoff sich kurz der Gastfamilie zuwendet. Darauf geht es auf den Interviewstuhl, einfach, um sich an die Atmosphäre zu gewöhnen, auch im Falle des Gegenübers. Denn des Thunderstrykers Einsatz ist erst um 16 Uhr; hier offenbart der Zeiger aber gerade 15:20. Nun werden die Fragen des sehr höflichen Mannes, der adrett in Hemd und Weste samt Hut aufkreuzt, persönlicher. Kann es einen Mann, dessen Bekanntheitsgrad sich wahrlich vor kaum einer Größe verstecken muss, interessieren, was ein 20-Jähriger Student zu sagen hat? Ganz offenbar, denn er weiß auf jedes gesagte Detail einzugehen. Wann frohlockt das Herz eines Fans mehr, als dann, wenn er sieht, was für ein herzensguter Mann sein Held ist?

Der zweite Interviewer betritt den Hof und so weiß man, dass es bald losgeht. Der Heavy Metal-Lebemann-und Veteran Dirk Limberg nimmt eine Fahrt aus Düsseldorf auf sich; offenbar sind an diesem Tag in erster Linie Leute dabei, die auch wirklich ein innigstes Interesse daran haben, Geoff Tate zu sehen. Die Geschichte des Erst-Interviewers umfasst 30 Jahre Queensryche und da muss der Thunderstryker mit 3 Jahren massiv zurückstecken. Mit einem Ohr beim Interview hinhörend, stellt sich auch prompt heraus, dass Dirk ebenfalls kein Skript abarbeitet, sondern handfestes Interesse zeigt.

Das andere Ohr gehört Susan Tate, die, keineswegs schüchtern, das Gespräch sucht und auch eine gute Unterhaltung führen kann. Sie erzählt über die Familie, die französisch-sprachige Tochter, die Verbindung zum Ort und Geoffs Zwergpudel Elvis (was das Herz höher schlagen lässt; ist der Thunderstryker doch ebenfalls Besitzer eines Zwergpudels). Die herrlichste Anekdote umfasst, dass Susan gar kein Haustier wollte, dem Ehemann aber nachgab, als dieser gerade auf Tour ging. So zog die den Pudel die ersten Wochen groß, sodass dieser nur noch auf sie hört, statt auf Geoff. "Call my dog!" heißt es dann immer.

Gegen 16:10 ist das erste Interview durch. Nun geht es auf den elektrischen Stuhl, der heute schon einen Fan glücklich machte und jetzt einen weiteren Traum realisiert.



Das Interview:

"Generationen-Wechsel! Von 30 Jahren Fan-Erfahrung auf 3 Jahre.", lacht der Stryker Geoff an. Dieser lacht zurück, wohlwissend, dass er keine Hausmannskost von einem Fan mit hunderten Queensrychen-Artikeln im Besitz vorgesetzt bekommen wird. "Are you ready?". Oh ja.

DarkScene: So. Als mein Chef zu mir kam und fragte, ob ich vor Geoff Tate professionell bleiben könnte, antwortete ich: Nein!
(Geoff lacht)
...aber das ist auch ein Vorteil

Geoff Tate: Ja, ein Fan kann sicher mehr herausholen. Ich bin gespannt.

DarkScene: In den Vorbereitungen dachte ich mir: Geoff Tate ist ein Veteran, er kennt alle Arten von Interviews und Fragen; also was kann ich tun, um doch etwas Neues vorzuweisen? Im Endeffekt kam ich auf das da.
(Zeigt auf einen großen Ordner)
Kannst du dir vorstellen, was das ist?

Geoff Tate: Nein, kann ich nicht. Aber du wirst es mir sagen?

DarkScene: Das ist ein Ordner mit jedem einzelnen Queensryche-Interview seit 1983 in Deutschland.

Geoff Tate: Oh my gosh! (blättert durch den Ordner)

DarkScene: Ich bin dieses Ding durchgegangen, um mich auf das Interview vorzubereiten und hörte dabei das Lied "Someone Else" von "Promised Land". Vielleicht weißt du schon, worauf ich hinaus will. Ich würde dir jetzt gerne einige Statements von früher vorlegen und sie aus der Perspektive Geoff Tates im Jahre 2015 kommentiert bekommen. Das erste Statement kommt aus der Q2K-Phase. Du sprachst über deine frühen Bands und dass du es bereust, mit Babylon kein Album veröffentlicht zu haben. Wie siehst du das heute? Stellst du dir manchmal vor, wie es gewesen wäre? Und könnte es vielleicht doch noch passieren? Immerhin bist du wieder ein freier Mann..."

Geoff Tate: Das ist eine gute Frage. Ja, das wäre ein interessantes Album geworden, gerade, wenn ich mir unsere Musik zu diesem Zeitpunkt anschaue. Wir hatten sehr viel Material angesammelt. Ich denke, ich nahm viele Ideen aus dieser Periode und benutzte sie über meine gesamte Karriere hinweg. Ich meine damit auch die Philosophie, das Songwriting. Wir benutzten sehr viele Jazz-Chords. Metal baut mehr auf Klassik auf und ich setzte mich immer für eine größere Bandbreite der musikalischen Progressivität ein. Jazz hat diese 7er und 9er im Chord-Einsatz; sie haben dieses bestimmte Gefühl, diesen Sound! Sie können sehr aggressiv sein. Ich kenne keinen anderen Künstler, der diese Symbiose versucht hat. Das ist eigentlich der Stoff, den Miles Davis gespielt hat. Wenn du diese Musik genommen hast und auf der Gitarre spieltest, war es so heavy und brutal. Und es ist sehr schwer, Leute davon zu überzeugen. Selbst Musiker, denn diese denken immer mehr von ihrem Standpunkt aus. Jedenfalls war das die Philosophie von Babylon. Heavy Rock-Musik der anderen Art. Also ja, ich wünschte, wir hätten ein Album aufgenommen.



DarkScene: Und du siehst da kein Album in der Zukunft?

Geoff Tate: Das sehe ich leider nicht, nein. Einer der Jungs, der Bassist, ist Ambassador, zuletzt irgendwo in Nicaragua, denke ich. Also das ist ein komplett unterschiedlicher Zug im Leben. Mit einem Weiteren hatte ich lange Kontakt, aber ich weiß nicht, was er jetzt macht.

DarkScene: Einer von ihnen wurde Anwalt, nicht?

Geoff Tate: Das ist der Bassist. Er wurde erst Anwalt und dann Ambassador. Ich kann mich im Moment nicht einmal an seinen Namen erinnern. Ich weiß auch nicht, was der Drummer so macht. Ich glaube, er tourte eine Zeit lang mit Alice Cooper. Leider habe ich den Kontakt mit ihm verloren. Aber eine interessante Frage.

DarkScene: Und wie sieht es mit Myth-Material aus?

Geoff Tate: Das findest du unter Anderem auf der ersten Queensryche-EP und einer der Best-Ofs.

DarkScene: Im Jahre 1988, zum Release von "Operation:Mindcrime", gabst du ein Interview über deine Idole, Einflüsse und deinen Gesangsstil. Du sprachst darüber, dass du von Personen wie Peter Gabriel, Ian Anderson und Kate Bush beeinflusst wurdest. Du sagtest aber auch, dass dich moderne Musik nicht so berührt. Wir sind nun 27 Jahre in der Zukunft; gibt es heute noch Bands und Sänger, die dich beeinflussen?

Geoff Tate: Nun, ich habe nie auf Sänger geschaut und gesagt, ich wolle wie sie sein. Aber musikalisch gibt es natürlich Dinge, die ich gern tun würde. Wenn ich höre, dass jemand etwas mit einer bestimmten Chord-Progression oder einer Melodie macht, werde ich hellhörig und frage mich, was dahinter steckt. Ah, ich sehe, die gehen von G auf Fis und werfen diese 7er oder 9er ein und da denke ich: "Oh, das gefällt mir". Oder auch der Sound, den jemand benutzt, den Gitarrensound, das Speaker-Arrangement, den Keyboard-Rig, solche Sachen beflügeln meine Phantasie. Gesang hingegen ist eine individuelle Sache, weißt du? Jedermanns Stimme klingt anders. Ja, du kannst sie durch bestimmte Effekte jagen. Auf meiner ersten Tour befreundete ich mich mit den Jungs von Skinny Puppy und die haben so etwas gemacht. Das ist schon cool, mit bestimmten Effekten. Aber ich höre keinem Sänger zu und frage mich, wie er etwas gemacht hat.

DarkScene: Also würde Geoff Tate 2015 welche Bands und Sänger empfehlen?

Geoff Tate: Das kann ich nicht sagen...

DarkScene: Und wenn wir auf deine frühen Idole schauen? Yes, Pink Floyd und Ähnliche? Hörst Du nur noch die, oder auch neuere Musik?

Geoff Tate: Also, ehrlich gesagt höre ich wenig Musik! Ich schnappe hier und da Musik auf. Irgendwo läuft etwas und ich habe dieses Programm Shazam, also wenn ich irgendetwas höre und denke, dass es cool ist, halte ich mein Phone in die Richtung und es sagt mir, welches Lied es ist. Wenn du aber lange genug an deiner eigenen Musik arbeitest, wird dein Zeug unabhängiger. Und selbst wenn du nicht im Studio bist, arbeitest du irgendwie an einem neuen Song. Manchmal trifft es dich einfach, wie ein Flugzeug. Auf einem Flug war ich gerade am einschlafen, als mir ein Song, an dem ich 2 Tage vorher arbeitete, mir durch den Kopf ging, als mir endlich auffiel, was ich eigentlich mit der Melodie tun sollte. Ich musste unbedingt mein Phone herausholen und es rein singen, damit ich es nicht vergesse!(Geoff lacht)



DarkScene: Sooo.. die nächsten zwei Fragen drehen sich um... Queensryche
(Geoff schaut etwas ernster, Thunderstryker wird nervöser)
Das muss einfach sein. Also, in einem Interview von 1996 sagtest du, es gäbe eine gute Chemie und Kommunikation in der Band. Im Jahre 2006, als "Operation:Mindcrime 2" veröffentlicht wurde, hieß es bei dir, dass es eine mangelnde Kommunikation innerhalb des Bandgefüges gäbe. Also wurde die Saat dessen, was heute ist, damals gelegt. Was ist in diesen 10 Jahren passiert? Liegt es nur am Weggang Chris DeGarmos?

Geoff Tate: : Ja, das war das große Ding. Yeah. DeGarmo war wirklich wichtig, um die Chemie innerhalb der Band aufrecht zu erhalten. Ich war immer der Außenseiter, weil meine Philosophie und Vorstellungen von Musik so anders waren, als die der anderen Jungs. Sie behandelten mich, als würde ich.... nicht besonders hineinpassen. Ich war immer der "andere" Typ. Wenn jedermanns Haare lang waren, waren meine kurz. Wenn jedermanns Haare kurz waren, trug ich meine lang. Ich war immer das Spiegelbild zu dem, was bei denen lief. Chris DeGarmo war ein echter Künstler; er verstand, worum es bei mir ging. Er bildete also die Brücke zwischen mir und den anderen Typen. Als er ging, war ich auf mich allein gestellt. Ich arbeitete also allein mit dieser... Gruppe von Menschen, die nicht auf einer Augenhöhe waren, wenn wir diverse Dinge taten. Das war ein großer Punkt, an den man sich gewöhnen musste. Weil wir eine sehr erfolgreiche Band waren, begann man, abhängig von der Wirtschaft der Band zu sein. Abhängig vom Geld, abhängig vom Touren. Jeder zog einen Gewinn daraus. Aber man realisiert.. nunja... dass man sich nicht mag. Wir mochten nur den Lebensstil, den wir hatten. Es war durchaus ein wunderbarer Lebensstil; du bekommst Geld zum Reisen, du kannst die Welt sehen, du lebst ein interessantes Leben. Für die drei war das ausschlaggebend. Für mich auch, keine Frage. Es war also wichtig, das Ding rollen zu lassen, aber... das tat es nicht."

DarkScene: Als 1997 Hear In The Now Frontier veröffentlicht wurde...
(Geoff nickt gespannt)
"...war sich die gesamte Band einig, dass jedes Album wichtig für seinen Abschnitt war, die frühen Sachen jedoch etwas... "kindisch" seien. Du bist heute der Einzige der Jungs, der das immer noch so sieht. Wie fühlt es sich an, die Anderen mit einer Setlist touren zu sehen, die bis 1988 reicht? Da geht es doch sicher um Geld."

Geoff Tate: Oh ja! Absolut.
(Geoff lacht)
Also im Ernst: Ich kann nur spekulieren. Aber ich kenne sie schließlich einige Jahre. Und irgendwer muss denen gesagt haben, dass das deren Goldquelle sei, an der sie verdienen könnten. Also übernahmen sie diese Attitüde, ihre Musik anzugehen. Versteh mich nicht falsch: jeder tut das. Das ist der Weg, den wir alle irgendwie gehen. Man arrangiert sich damit und redet sich seine Taten mit dem Gewinn schön. Das ist sehr natürlich. Aber ich sehe es so: Die ersten Alben, die du machst, zeigen klar deine Einflüsse. "The Warning" tat das definitiv; es zeigte jede Band, die wir zu dieser Zeit hörten. Wir hatten noch nicht unsere eigene Stimme gefunden. Das passierte auf "Rage For Order"; das ist aus meiner Sicht unser erstes Album. Da wurden wir etwas Einzigartiges, auf diesem Album wurden Queensryche zu Queensryche. Davor war das gewissermaßen von Außerhalb getrieben."



DarkScene: So, genug von Queensryche. Zu der Zeit, als du dein erstes Soloalbum veröffentlichtest, sprachst du über deine Hörgewohnheiten. Unter Anderem sprachst du über RnB im Motown-Stil, Jazz, Klassik, Techno, Trance, sogar etwas Hiphop.. Bedenken wir, dass du so eine offene Person bist, wie groß ist der Kompromiss den du beim Songschreiben mit anderen Menschen eingehst? Deine aktuelle Platte "The Key" ist ja nunmal weder ein Jazz-noch ein RnB-Album.

Geoff Tate: Nein, ist es nicht, aber es enthält Elemente all dieser Richtungen. Es hat zB. eine Menge Jazz-Philosophie. Diese besagt, dass du dein Arrangement soweit erweiterst, wie es nur geht. Du möchtest es befreien. Und das war absolut das, was wir auf diesem Album versucht haben. Ehrlich gesagt, haben wir es nicht so weit geschafft, wie ich es mir gewünscht habe, aber auf dem zweiten Album wird das der Fall sein. Ich kann zu keinem Album sagen, dass ich nicht doch Dieses oder Jenes anders gemacht hätte, selbst zu "Operation:Mindcrime" oder "Empire".

DarkScene: Es wird ja eine Album-Trilogie, richtig?

Geoff Tate: Ja und The Key war ein solider Einstieg in dieses Konstrukt. Es hat ja sogar die HipHop-Elemente. Auch einige RnB-Melodien, denn da ist mein Kopf am meisten. Also ja, es hat einige dieser Dinge, aber ich würde es nicht ein HipHop-oder RnB-Album nennen.

DarkScene: Im gleichen Interview sagtest du, die Zukunft des Rock läge in der Verschmelzung und Kombination. 2015 stehen sowohl die Rock-als auch die Metalszene sehr auf Retro-Kurs. Led Zep-Verschnitte sind genauso angesagt wie Leggins-tragende Iron Maiden-Klone. Wie stehst du also heute zu deinem Statement? Wo steht die Zukunft des Rock heute? Revidierst du deine Aussage, oder liegt die Zukunft des Rock immer noch in der Kombination?

Geoff Tate: Ich glaube das immer noch. Ich schenke so etwas wie einer "Szene" nicht wirklich Beachtung. Ich weiß daher auch nicht, was die Leute gerade so hören, ich weiß nicht einmal, was gerade populär ist!"
(Beide lachen)
Aber wirklich.. Ich schenke dem keine Beachtung. Also zumindest für meine Zukunft ist das Verwenden von Kombinationen wichtig.



DarkScene: Lass uns nun über The Key sprechen. Du wurdest ja schon einige Male gefragt, wer das Album hören sollte, also lass uns anders beginnen: Wer sollte das Album nicht hören?

Geoff Tate: Oh.. gosh... Ich weiß es nicht.

DarkScene: Ja, es ist Anti-Werbung, aber wir wissen beide, welche Leute wie auf dich reagieren.

Geoff Tate: Ja, es ist auf jeden Fall eine interessante Frage. Weißt du, ich habe mir immer gesagt, Musik sei eine persönliche Reise, auf die die Leute gehen. Nicht nur vom Standpunkt des Songwriters, sondern auch von dem des Hörers. Ich habe mir niemals angemaßt, jemandem zu sagen, was er hören oder nicht hören sollte. Das limitiert viel zu sehr. Ich könnte Leute stereotypisieren und total falsch liegen. Ich hatte einst einen Manager, der aussah wie ein Mann, der auf der Straße lebt. Er sah sehr gefährlich aus, wild und verrückt. Aber wenn du mutig genug warst, mit ihm zu reden, konnte er sich mit dir über jedes Thema unterhalten. Philosophie, Quantenmechanik, alle Sport-Events, von Baseball-Scores über Tore irgendwelcher Mannschaften. Er ist eine riesige Enzyklopädie. Und er konnte in einem sehr eleganten Stil mit dir reden. Aber wenn du ihn anschautest und stereotypisieren wolltest..."

DarkScene: Als ich "The Key" zum ersten Mal hörte, fühlte es sich an, wie das fehlende Glied zwischen "Promised Land" und "Hear In The Now Frontier". Wie würdest du dieses Album einem Fan beschreiben und wie einem, der dein Lebenswerk gar nicht kennt?"

Geoff Tate: Ich würde es gar nicht erst tun. Ich würde vielleicht ein wenig über die Geschichte erzählen. Aber dann hieße es: Setz dich hin und höre das Album. Folge deinem Inneren. Man weiß schließlich nie, wie ein Album auf einen Menschen wirkt. Manche bekommen sofort eine Verbindung dazu, an Anderen wächst es und wieder Anderen wird es nie gefallen. Da spielen einfach mehr Faktoren hinein, als nur das, was man vielleicht bisher mochte. Sonst würden wir heute noch Kinderlieder hören.

DarkScene: Wenn ich den Namen Operation:Mindcrime höre, denke ich, wie die Meisten, sofort an Geoff Tate. Warum war es also eine gute Idee, 3 Leadsänger zu haben?

Geoff Tate: Oh, wegen der Story. Jeder Sänger ist ein eigener Charakter in der Geschichte und sie erzählen sie aus ihrer eigenen Sicht. Außerdem sind es gute Sänger.

DarkScene: Wie sieht es mit einer Europatour aus?

Geoff Tate: Die ist im Kommen. November, Dezember, haltet Ausschau!

DarkScene: "Ich bin dabei!

Geoff Tate: Ich auch! (Gelächter)

VIDEO

DarkScene: Sehr gut! Lass uns ein weiteres kleines Spiel spielen. Das ist ein kleiner Darkscene-Klassiker. Ich sage dir ein Wort und du sagst mir das Erste, was dir dazu einfällt. Das erste Wort ist....

Geoff Tate: Wein: I love it. Ich liebe Wein. Ich liebe alle verschiedenen Sorten und sie schmecken alle sehr unterschiedlich.

Style: Style? Wir tragen beide einen Hut. Ansonsten... Hart zu definieren. Also... Ich liebe Hüte.

DarkScene: Du hast deinen Style ja recht oft gewechselt. Der "Rage For Order"-Style ist komplett anders als der jetzige....

Geoff Tate: Manchmal denke ich darüber nach, zum "Rage For Order"-Style zurückzukehren...
(Gelächter)

DarkScene: Weißt du, vor einiger Zeit war ich auch der klassische Metaller, mit all den Metal-Shirts, langen Haaren, etc. Von einem Tag auf den nächsten sagte ich mir: Okay, mach deine Haare kurz und trage ganz andere Sachen. Einfach nur, um Reaktionen zu sehen. Das ist doch bei dir bestimmt ähnlich.
(Geoff lacht)

Geoff Tate: Das ist wirklich eine Punk-Philosophie! Gefällt mir! (Gelächter)

DarkScene:
Nächstes Wort: Fernsehen. Da hattest du ja lange Zeit eine wenig innige Beziehung 'zu..."

Geoff Tate: Ich schaue es nicht.. Aber Fernsehen bedeutet für jeden Menschen etwas Anderes. In den USA ist Network-Fernsehen eine 30-Minuten-Show, die viele, viele, viele Male von Werbung unterbrochen wird. Also hast du 20 Minuten Show und der Rest der Zeit ist Werbung. Und das mag ich nicht. Ich brauche es nicht, von etwas unterhalten zu werden, wo mir Leute ihr Zeug andrehen wollen. Also hörte ich vor 20 Jahren auf, fernzusehen. Nun hole ich das wieder auf, da die meisten Sendungen Serien sind, die auf den Networks gesammelt werden. Das Gute am Fernsehen ist die Verankerung in unserer Gesellschaft. Die Leute können die ganze Zeit Referenzen aus irgendeiner Sendung ziehen und sie in einer Konversation benutzen. Oft zitiert jemand eine Stelle und alle lachen mit. Ich hingegen sitze mit einem Fragezeichen über dem Kopf dar.
(Thunderstryker lacht)



DarkScene:
Soziale Netzwerke.

Geoff Tate: "Faszinierend. Ich mag diese digitale Revolution."

DarkScene: Auch sie haben unseren Kommunikationsstil geändert.

Geoff Tate: Oh ja, dramatisch. Und es wird sich auch weiterhin verändern. Je mehr wir das benutzen, desto besser werden wir das beherrschen und sicherlich werden auch mehr Regeln hineingesetzt werden. Es scheint mir wie ein Final Frontier. Veränderungen geschehen so viel schneller, seit es diese Netzwerke gibt. Aber auch häufiger. Ideen und Lebensstile werden in einem hohen Tempo an den Mann gebracht. Jeden Tag. Überall. Selbst die allgemeine Meinung ändert sich von Tag auf Tag. Du siehst ja den Papst, der heute sagt, dass es okay ist, schwul zu sein. Oder dass Geschiedene zurück in die Kirche können. Katholiken hatten dazu über Jahrhunderte andere Meinungen. Und er ändert das einfach so. Solche Sachen passieren immer schneller. Ein großes Thema, an dem man das sehen kann, ist die Transgender-Sache. Die Leute sprechen jeden Tag darüber und das forciert dich, darüber nachzudenken, obwohl es dich sonst gar nicht tangiert hätte."

DarkScene: Das verstehe ich gut. Ich war zuletzt 3 Monate in Shanghai und habe, durch die Sperre großer Suchmaschinen und sozialer Netzwerke, nichts von den Themen in Europa mitbekommen. Als ich wieder da war, fühlte ich mich, als müsste ich von 0 starten. (Geoff lacht)

Geoff Tate: Was ist hier passiert? (Gelächter)

DarkScene: Und das letzte Wort: Chemtrails.

Geoff Tate: "Chemtrails?" (Geoff lacht, als wüsste er genau, warum dieses Wort mit dabei ist) Verrückt, einfach verrückt. Interessantes Konzept, aber ich glaube nicht daran....

DarkScene: Ich hätte gedacht, du steckst mehr in Verschwörungstheorien drin...
(Geoff lacht, als wäre ein Rätsel gelöst)

Geoff Tate: Die Leute denken das, aber dem ist nicht der Fall!

DarkScene: Nun, auf dem "Dedicated To Chaos"-Album gibt es diese Texteile: "..Like 911, a controlled demolition!" Das brachte mich auf die Idee.

Geoff Tate: Verstehe. Ja, aber das ist keine Verschwörungstheorie, das war ohne Frage eine kontrollierte Sprengung. Du bist übrigens die erste Person, die das zitiert und mich darauf anspricht. Ich hätte gedacht, da würden Massen durchdrehen, wenn sie diese Zeile hören.

DarkScene: "Das hätte ich auch gedacht..."

Geoff Tate: Vielleicht hat ja niemand das Album gehört!
(Gelächter)
Ich mag das Album sehr. Da gibt es einige Songs, auf die ich sehr stolz bin.

DarkScene: Du darfst aber nur noch Mindcrime 1 und 2 spielen, oder?

Geoff Tate: Ich kann spielen, was ich will. Alles, was ich jemals geschrieben habe. DIE dürfen "Mindcrime" 1 und 2 nicht in Gänze spielen."


DarkScene: Du bist nun 56 Jahre alt. Wie viel steckt noch in Geoff Tate. Wie viele Alben, wie viele Touren, wie viele Ideen? Wo siehst du dich in 10 Jahren? Ich meine, Operation:Mindcrime ist ein Bandprojekt. Vielleicht gibt's danach ja wieder Myth!

Geoff Tate: Das weiß ich nicht... So weit denke ich nicht in die Zukunft. Also eines kann ich sagen: Diese Trilogie wird die nächsten 3 Jahre in Anspruch nehmen. Wir haben schon alles geschrieben. Wir haben also keine Deadlines, ich kann touren, wann immer ich Lust dazu habe. Der zweite Teil befindet sich gerade im Mastering und sollte schon nächstes Jahr in die Läden kommen. Zur Ursprungsfrage: Ich weiß es wirklich nicht."

DarkScene: Gute Nachrichten. Also, wenn du jetzt auf meinem Stuhl sitzen würdest und einen Fan und einen Hater interviewen müsstest, was wären deine Fragen? Wie wir beide wissen, gibt es von den Letzteren eine ganze Menge. Klickt man auf Youtube auf einen deiner Songs, gibt es einen enormen Dislike-Balken, wo ich mich frage, warum die Leute diese Meinung unbedingt kundtun müssen, statt andere Bands zu hören.

Geoff Tate: Ich weiß wirklich nicht, warum die Leute ihre Meinungen zu unserer Musik so laut hinausposaunen. Und so schnell. Du kannst eine Meinung zu einem Lied haben, wenn du es zwei-drei Mal gehört hast. Und vor Allem: Wieso bewerten die Leute ein Konzeptalbum nach einem gehörten Song?"

DarkScene: Das verstehe ich komplett. Um ehrlich zu sein, als ich gerade mit Heavy Metal anfing, war mein Einstieg in die Queensryche-Welt das gerade erschienene "Dedicated To Chaos". Ich dachte mir: Nun, das ist medioker. Nicht großartig, nicht schlecht, einfach... hm. Dann hörte ich "Empire" und es war das Selbe. Aber ich blieb dran und nachdem ich die Sachen vier-fünf Mal hörte, merkte ich: Oh, das ist ja mal ein genialer Trick. Oder: Oh, was für eine großartige Gesangslinie.

Geoff Tate: Das macht mir Hoffnung im Bezug auf deine Generation. Letztens habe ich mit einem deutschen Songwriter zusammengearbeitet... Tobias Sammet, kennst du den?"

DarkScene: Von Avantasia? (Thunderstryker hält sich zurück, nicht von "Dem Clown von Avantasia" zu reden)

Geoff Tate: Ich glaube schon, ja. Er sandte mir ein Lied und wollte, dass ich es singe. Ich habe niemals etwas von seiner Musik gehört. Also hörte ich die ersten 30 Sekunden und dachte mir: Naaah. Meine Frau fragte mich: "Hey, hast du den Song von Tobias Sammet gehört?" Und ich antwortete: "Hmm, joa." Sie fragte, ob ich denn wirklich das ganze Lied gehört hätte, was ich dann verneinte. Sie zwang mich also, den ganzen Song zu hören und der war dann wirklich toll. Erstmal dachte ich, das sei ein klassischer Heavy Metal-Song, den man schon zig Mal gehört hätte. So etwas brauche ich einfach nicht mehr. Aber dieser Mittelteil... Nach mehrmaligem Hören fand ich das Ding sogar richtig gut. Deshalb höre ich nicht auf meine erste Reaktion. Musik ist einfach etwas, wozu du in der jeweiligen Stimmung sein musst, am richtigen Platz."



DarkScene: Es kommt wohl nicht zuletzt daher, dass es einen Überfluss am Musikmarkt gibt..."

Geoff Tate: Zweifellos. Quantität tut der Musik nicht gut. Man sollte Zeit in Musik investieren können und sie richtig wertschätzen.

DarkScene: Nun zu einer meiner Lieblingsfragen: Wenn du ein Haushaltsgerät sein könntest, welches wäre das?

Geoff Tate: Ein Haushaltsgerät?! (Geoff lacht)

DS: Zum Vergleich: Die beste Antwort, die ich bisher erhielt, war die Kaffeemaschine, weil sie Leute wach macht. (Geoff lacht)

Geoff Tate: Zählt ein.. (längere Pause)... Vibrator auch als Haushaltsgerät? (Lautes Gelächter)

Susan Tate: (aus dem Hintergrund):
"Worüber redet ihr zwei da?! Geht es um mich??"
(Susan kommt zum Gespräch dazu, versucht, das Lachen zu unterbrechen)
"Was hat er gerade gesagt?"

Geoff Tate: Keine Sorge, Baby. Er fragte mich, was ich gern sein würde.
(Eine noch verwirrtere Susan Tate schüttelt den Kopf)

Susan Tate: Das ist schmutzig! Nimmt er das auf?! Oh my god!

DarkScene: Großartig, einfach großartig!

Geoff Tate: Also nicht, dass meine Frau einen Vibrator bräuchte. (Gelächter)

Susan Tate: "Und das wird bald im Internet sein...!"

DarkScene: Geoff, die letzten Worte gehören dir

Geoff Tate: Oh. Also vielen Dank an alle, dass ihr meine Musik hört; ich hoffe, man sieht sich bald auf der Tour im November. Ich bin sehr aufgeregt, wieder nach Deutschland zu kommen. Ich liebe die Vorweihnachtszeit in Deutschland. Die Weihnachtsmärkte...

DarkScene: Ja, das beginnt bei uns alles recht früh.

Geoff Tate: Hoffentlich wird es dieses Jahr Schnee geben..

DarkScene: Das wiederum beginnt bei uns sehr spät. Wenn schon jeder denkt, es kommt kein Schnee mehr..."

Geoff Tate: Booom!



DarkScene: Also, vielen Dank für diese Möglichkeit; das hat mich enorm glücklich gemacht.

Geoff Tate: Vielen Dank auch. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!

DarkScene: Wir sehen uns dann im November. Auch in Berlin?

Geoff Tate: Sehr gerne. Das weiß ich leider nicht. Das entscheidet das Management.

DarkScene: Egal, wir sehen uns so oder so zu jedem Konzert
(Geoff lacht)
Du könntest dem Fan jetzt noch ein Lächeln auf's Gesicht zaubern, wenn wir einen Selfie schießen könnten.

Geoff Tate: Sure!

Das Nachspiel:

Ja, so kam es dann zu einem Selfie und einem weiteren kleinen Gespräch, da der dritte Journalist des Tages noch nicht ankam. Es ging um Pudel, seine Töchter (ein Schelm, wer jetzt Böses denkt) und Styling-Tipps. Darauf folgte ein kleines Shooting mit Dirk, Thunderstryker und den beiden Tates. Ein sehr süßes Pärchen! Auf Susans Vorschlag signierte der Sänger die Interview-Sammlung und machte einen glücklichen Fan noch glücklicher. Zum krönenden Abschluss des Tages ging es zum Weinkauf, bei dem Experte Geoff den Berater gab.

Gegen 18 Uhr hieß es für das Journalisten-Duo Dirk/Thunderstryker dann Heimreise, wobei Letzterer bis Düsseldorf im Auto mitgenommen wurde. Welches Album lieferte dafür die begleitende Beschallung? Operation:Mindcrime.





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