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Michael Kiske - Vergangenes, Zukunft, Lügen und Musik Faschismus!
Michael Kiske - Vergangenes, Zukunft, Lügen und Musik Faschismus!  
Ein höchst interessantes Gespräch mit einem motiviert, enttäuscht, verärgert aber auch nachdenklich und kämpferischen Ausnahmesänger ist es geworden dieses Interview. Michael spricht deutlich und ehrlich über Vergangenes, seine Zukunft, Lügen und den Musik Faschismus
DarksceneTom
DarksceneTom
(62 Interviews)
DarkScene: Du hast mit "Past In Different Ways" (zum Review) ein sehr gelungenes Werk an den Start gebracht, das fasziniert, aber auch sicher wieder polarisieren wird. Bereits an dieser Stelle möchte ich gerne ein Zitat aus meinem Review zur Scheibe präsentieren, da ich glaube, dass es die Sache ziemlich auf den Punkt bringt: "Past In Different Ways" ist ein, trotz Fehlen allen Stroms, intensiv und packendes Werk geworden. Höchst filigran arrangiert, höchst emotionell und künstlerisch wertvoll, ertönen die Songs, deren Originale man als Helloween Fan alter Tage wohl selbst im Schlaf noch auswendig singen könnte. Natürlich ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig, absolute Evergreens plötzlich in reduziert balladesker Form zu erleben, nimmt man sich aber etwas Zeit und streift man die Gewohnheiten ab, lohnt sich die Paarung ohne Zweifel.“

Michael Kiske: Das geht schon klar.

DarkScene: Fast jeder der alten Helloween Klassiker funktioniert auch im akustischen Kleide perfekt. Zu meinen persönlichen Highlights zählen Songs wie "You Always Walk Alone", "We Got The Right" oder auch "Kids Of The Century" und "When The Sinner". Gerade sie kommen absolut dicht und klasse rüber. Es gibt fast keinen Grund zur Kritik, einzig "Your Turn" finde ich bereits im Original an Gefühl und Schönheit nicht zu überbieten. Welche Nummern sind Deine Faves.

Michael Kiske: Die ersten sechs Songs würde ich mal sagen; ganz besonders aber "Longing" und "I Believe".
Bei "Your Turn" finde ich die neue Version auch besser, weil besser gesungen und vom überflüssigen Gitarren-Brett befreit. Aber es war ja auch damals schon zumindest mit Akustik Gitarren.

DarkScene: Wie lange gibt’s die Idee dieser Akustikscheibe denn schon und wie lange zuvor hast du die Songs nicht mehr gesungen.

Michael Kiske: Ende 2006 hatte Serafino von Froniters Records diese Idee. Ich höre eigentlich kaum noch mal eine CD von mir, wenn sie fertig ist. Höchstens, wenn ich irgendetwas Mix-technisch checken oder vergleichen will; oder wenn Besuch danach fragt. Und gesungen habe ich davon auch nichts mehr, seit Helloween.

DarkScene: Irgendwie ist dieses Werk ja auch paradox! Gerade in Zeiten, in denen die Welt immer öfter von einer Helloween Reunion, oder auch nur von einer Helloween Show mit Micheal Kiske träumt, bringst Du - in einer dich selbst unter gewissen Druck setzenden Art und Weise – ein Album raus, auf dem die alten Überhits neu interpretiert werden. Manch Optimist wird hier eine erste Annäherung an die Vergangenheit erkennen wollen, andere wohl auch ein gewisses Maß an Abgrenzung.

Michael Kiske: Sicher mache ich mit "Past In Different Ways" auf meine Art (mir sehr nötigen inneren) Frieden mit dieser Zeit. Ich sehe auch gar nicht ein, mir von noch so großen Enttäuschungen mit Helloween meine eigene Musik vermiesen oder verbieten zu lassen. Dazu gibt es keinen wirklichen Grund. Deshalb habe ich am Ende auch ja zu diesem Album gesagt. Im Gegensatz zur Jahre langen Interpretation der Kiske-Helloween-Problematik, die Weikath und Anhang in die Welt gesetzt haben (weil gewisse Metal-Fans gewissen Schmus halt zu gerne glauben), gab es nie wirklich künstlerische Probleme. Ich stand immer hinter allem, was wir gemacht haben und habe selber sowieso immer mein Ding gemacht; was man mit "PIDW" ja gut hören kann.
Der wirkliche Grund für den Splitt ist rein persönlicher Natur. Kiske und Weikath; das geht nicht wirklich zusammen! Aber eine Reunion ist völlig ausgeschlossen, es sei denn ich werfe jegliches Selbstwertgefühl über Bord und verrate mich selber. Niemand würde mit Menschen, die einen verraten und in der Öffentlichkeit verlästert haben bloß wegen Geld oder Öffentlichkeit wieder gemeinsame Sache machen. Ich jedenfalls nicht. Wäre die Sache damals nur ein ganz klein wenig mehr mit Stil und Anstand abgelaufen, dann könnte man - selbst wenn es nur den nostalgischen Fans zuliebe wäre - sicher mal eine Tour oder CD machen. Aber das ist so ziemlich das Letzte, was mich interessiert. Das wäre völlig albern, und das weiß Weikath selber auch. Ja auch Musiker sind Menschen, die ihren (gesunden) Stolz haben sollten. Weikath wollte einen anderen Sänger haben, und den hat er nun. Ich gehe meinen eigenen Wege heute. "PIDW" bin vor allem ich; meine Songs herausgefiltert aus Helloween. Coole Idee war das. -

DarkScene: Wie stehst du denn zu den Originalen dieser Songs heute. Es muss auf jeden Fall ein eigenartiges Gefühl gewesen sein, sich in Vorbereitung für das Album wieder durch die Helloween Alben zu hören. Wie war das Feeling? Kamen viele Erinnerungen auf, hast Du dich selbst wieder entdecken können, oder war es eine „fremde“ Welt für dich, von der du dich mittlerweile weit entfernt hast.

Michael Kiske: Ein bisschen Beides. Aber es gibt schon noch ein paar Helloween Songs, die ich sogar heute noch gut finde. Und es war ja eben sehr gut für mich, zu sehen, dass ich zu meinen eigenen Sachen von damals immer noch stehen kann. Ist alles gar nicht so weit weg von mir; weniger, als ich selber geglaubt habe aus emotionaler Last heraus. -

DarkScene: War es schwierig die Songs neu zu arrangieren, oder hattest Du ihre neue Erscheinung schon lange zuvor im imaginären Ohr.

Michael Kiske: Das ging ganz von alleine; war ein Kinderspiel.

DarkScene: Eine der wichtigsten Fragen scheint mir, wo du eigentlich die Käuferschicht für dieses Akustik Album siehst. Deine ersten Solowerke wie "Instant Clarity", "Readiness To Sacrifice" und auch das SupaRed Album wurden ja sehr zwiespältig aufgenommen. Wohl auch, weil sie nicht gerade zu 100% für den Metal Fan angedacht waren, in erster Linie aber von diesem angetestet wurden. Bei "Past In Different Ways" wird es ähnlich sein, obwohl die Scheibe wohl dem „normalen“ Musikfan mit Geschmack, außerhalb der Metal Gemeinde auch sehr gut zu Gesicht stehen würde.

Michael Kiske: Ich designe keine Musik für bestimmte Märkte; es ist ein Album - wie alles, was ich in Zukunft mache - für den freien Musikfreund oder Markt, und vor allem für Freunde meiner bisherigen Musik. Auch für solche, die Helloween vielleicht gar nicht kennen oder mögen, aber z.B. mein voriges Kiske Album. So können die das auch mal hören. Ich werde mir langsam meine eigene Nische, meinen Markt schaffen müssen, anders geht das bei mir nicht. -

DarkScene: Eines der größten Probleme des Michael Kiske solo war und ist also sicher, dass seine Werke zu 80% in und um die Metal Szene publik gemacht und beworben werden, obwohl Du eigentlich auch andere Käuferschichten ansprechen willst. Wie schwer ist es denn, im Korsett einer Szene zu stecken, die man künstlerisch eigentlich nur mehr am Rande bedienen will.

Michael Kiske: Das ist in der Tat ziemlich scheiße; tatsächlich ist das auch mein Hauptproblem seit Jahren. Bis heute hat sich kein Label gefunden, dass mich wirklich mal ernsthaft neuen Leuten bekannt machen will. Immer nur der feige Blick in eine längst nicht mehr wahre Vergangenheit. Sicher helfe ich mir in dieser Hinsicht nicht gerade mit dem "PIDW" Album; aber ich hatte persönliche Gründe dafür, es zu machen (siehe oben). Auch von Frontiers habe ich mich letzte Woche wieder getrennt, was meine Musik betrifft, weil Serafino wieder einmal versucht hat, mir sein albernes 'Hardrock-Schisma“ aufzuzwingen, obwohl er mich langsam wirklich besser kennen sollte. Ich habe ihm dann nur noch alles Gute für sein Label wünschen können. Ich bin von niemand die persönliche Musik-Hure! Ich bin gar nicht im Stande dazu, für ein Label ein Album nach einer Schablone zu basteln! Selbst wenn ich wollte. Ich kann nur einen Song schreiben; und der ist dann, was er ist. Also kann ich bei Serafino irgendwann nur aufgeben. Ich kann nur meine Musik machen. Ein Place Vendome Album bekommt er noch; (ich breche keine Verträge). Aber das war’s dann auch für mich. Vielleicht ist es ja tatsächlich nicht möglich, noch freie Musik zu machen, wenn Du einmal im Metal angefangen hast mit Erfolg. Es ist nämlich eine Szene mit den schlimmsten Schablonen und Schachteln für Musik! Musik-Faschismus pur! Das gilt für das Gros an Fans, Kritikern, wie Labels. (Ausnahmen ausgenommen). Entweder schaffe ich es mit MEINER eigenen Musik so, wie ich sie machen will, oder ich mach eben bald nichts mehr mit Labels. -

DarkScene: Wenn ich als alter Fan schon mal Michael Kiske befragen darf, muss auch die ein oder andere Frage zur Vergangenheit, zum Glauben und zu sonstigen Aspekten auftauchen. Als alteingesessener und sehr weltoffener Metal und Musik Fan habe ich dein Schaffen nach dem Ausstieg bei Helloween natürlich sehr genau verfolgt. Es war lange Zeit eher ruhig um Dich, du hast Dich nebst wenigen Soloalben und der SupaRed Scheibe auch Gedichten und Aufätzen gewidmet. Du bist einen sehr ungewöhnlichen Weg gegangen.

Michael Kiske: Das stimmt wohl. Habe auch nie an Sex, Drugs & Rock n' Roll geglaubt. ...

DarkScene: Du hast also eine, sagen wir mal nicht sehr übliche Entwicklung hinter dir, hast dich nach "Chamäleon" nahezu völlig von der Metal Szene abgewandt. Wie kam es dazu, was war ausschlaggebend. Gab es Schlüsselerlebnisse.

Michael Kiske: Alle Erfahrungen bis dahin, und dann unbedingt mein glückliches finden der Anthroposophie Rudolf Steiners und damit des spirituellen Christentums. Im Grunde war ich immer schon so veranlagt, aber man muss in seinem Leben doch immer erst wirklich zu sich selber finden durch alle Widerstände hindurch.

DarkScene: Wie wichtig waren Deine ersten Alben nach Helloween für Deine Entwicklung.

Michael Kiske: Schon wichtig zum lernen, aber am wichtigsten war der erwähnte geistige Einschlag. Zum Glück hatte ich auch die Zeit dazu, mich wirklich darauf einzulassen.

DarkScene: Gerade weil Du sehr oft davon gesprochen hast mit dem Metal abgeschlossen zu haben, und andererseits doch immer öfter auf Hard Rock und Metal Releases in Erscheinung trittst, ist man als Fan oft irritiert. Trügt das leicht verwirrende Bild, das seitens mancher Medien in die Öffentlichkeit gelangt ist, oder wie stehst Du nun wirklich zur Musikwelt.

Michael Kiske: Das trügt immer. Presse ist (fast) nur noch Politik und Mind-Games; egal welche. Es lebe das freie Internet! DAMIT man mich aber besser verstehen kann, habe ich ja meine Aufsätze verfasst auf Geisteskind.de. Ich kann die Metal-Szene aus bekannten Gründe nicht leiden, aber deshalb kann ich mit rockigerer Musik durchaus hin und wieder noch mal etwas anfangen. Hysterisch will ich auch nicht sein. Die Metal-Szene lässt sich von einem falschen (antimenschlichen) Geist erziehen. Gegen diesen geht meine Gesinnung; aber nicht gegen jeden, der Metal mag oder Hardrock. Ich bin schon noch im Stande, hier zu unterscheiden. Obwohl ich zugeben muss, dass die ersten Versionen meines Spießer-Aufsatzes schon etwas einseitig waren (auf Grund von Nichterwähnen der anderen Seite). Mann muss den Leuten schon noch etwas Luft zum Atmen lassen. Das habe ich aber - als ich das eingesehen habe - an den entsprechenden Stellen nach korrigiert und so ist alles jetzt in Ordnung.
Ich finde nicht alles scheiße, was sich als Metal verkauft; schon gar nicht die alten Helloween. Das war schon ziemlich cool, zumindest die Zeit mit Kai Hansen. Aber der allgemeine Geist dieser Szene ist eine Lüge in meinen Augen; künstlerisch, wie moralisch. Ich scheiß heute gewaltig auf Szenen! Braucht kein Mensch (freier Musiker).

DarkScene: Du hast in Interviews vor einigen Jahren gesagt, dass Du mit traditionellem Metal nix mehr am Hut hast und Deine Gastauftritte bei Bands a la Avantasia, Aina, Masterplan, etc. zu falschen Erwartungen bei Fans führen könnten, weshalb Du solche Sachen nicht mehr machen willst. Daraus wurde (zum Glück) nix. Hat sich Deine Einstellung geändert und warum.

Michael Kiske: Ja! Ich MUSS einfach Unterschiede machen; auch wenn es anders bequemer ist. Ich bin sogar der Ansicht, dass so etwas teilweise wichtig ist, zu machen, um zu signalisieren, dass man nicht alles bloß über einen Kamm schert. Aber es fällt mir andererseits nicht gerade leicht, immer wieder mit einer gewissen Geistigkeit konfrontiert zu werden. Ich selber schreibe ja auch kein Metal mehr; habe aber doch manchmal wieder zugesagt, wenn Anfragen kamen und ich das Material und die Leute, die Fragten, mochte. Aber mich nervt die Metal-Schablone schon arg, dass kann ich Dir sagen! Es könnte durchaus sein, dass deshalb irgendwann GANZ Schluss ist mit allem, was man als Metal bezeichnen kann. Das muss ich mal sehen. Im Augenblick bin ich entspannter.

DarkScene: Ich kann mir gut vorstellen – bitte korrigiere mich, wenn ich falsch liege – dass einige Deiner Aussagen fehl interpretiert und zu sehr allgemein ausgelegt wurden. Ich kann das oftmals übermittelte Bild fast nicht glauben, dass Du immer einer „ganze Szene“ ablehnend gegenüberstandst. Gerade intelligente Konzeptalben wie Queensryche’s "Operation Mindcrime", Savatage’s "Streets" oder auch "The Crimson Idol" von W.A.S.P. sprechen nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich eine wichtige, gute Sprache, die auch dir nahe liegen sollte.

Michael Kiske: Wie gesagt, die Szene lehne ich energisch ab (Wie mittlerweile übrigens ALLE Szenen). Aber nicht unbedingt jede Band oder jedes Album. Ich glaube einfach nicht an die Ideologien, die 90% dieser Szene ausmachen. Aber es gibt auch Schönes und Begrüßenswertes dort, solange es nicht brutal oder gar satanistisch wird. In meinen Aufsätzen steht das ausführlich, wie ich denke.

DarkScene: Ich weiß, dass du immer behauptet hast, Deine Vergangenheit zu akzeptieren, sich nicht ihrer zu schämen und sie auch auf gewisse Art zu lieben. Ich kann aber einfach nicht glauben, dass du die damaligen Großtaten mit Helloween (alle Alben mit Kiske waren absolut Meilensteine, sogar das anfangs verschmähte "Chamäleon" ist für mich in den letzten Jahren zum Schatz geworden) heute schlecht findest, und dennoch immer wieder auf gleichartigen Veröffentlichungen mitarbeitest.

Michael Kiske: Nö! Ich finde das alle Helloween Alben ehrlich waren und einen guten Geist innehatten; und die "Keeper…"-Alben waren (für ihre Zeit) sogar extrem cool. Ich will nur nicht in dieser Schublade beerdigt werden. Zu dieser Neigung, meine Worte diesbezüglich falsch zu deuten, hat vor allem Herr Weikath mit seinen Lügen beigetragen. Die Menschen hören heute auch nur noch, was ihnen in den Kram passt. Klar, mein Temperament trägt gelegentlich auch noch etwas dazu bei. Aber da stehe ich auch zu. -

DarkScene: Obwohl Du dich immer wieder vom der Szene zu distanzieren versuchst, taucht dein Name und deine Stimme (zum Glück) also immer wieder auf Releases auf. Neben Place Vendome, oder jüngst Revolution Renaissance, scheint es dir vor allem Tobias Sammet angetan zu haben. Seid Ihr Freunde geworden und wie sehr magst Du seine Arbeit.

Michael Kiske: Tobias ist mir sehr sympathisch; und hätte er mich nicht als erster hartnäckig damals dazu gebracht, (als Ernie bei Avantasia) mitzumachen; hätte es sicher vieles nie gegeben. Aber überbewerten muss man solche Projekte nun auch wieder nicht.

DarkScene: Schon bald wird wieder ein neues Place Vendome Album veröffentlicht (das Debüt (zum Review), war eines der besten AOR Alben der letzten Jahre). Gerade bei Place Vendome hat man also auch irgendwie den Eindruck, dass es ein wirklich ernstes Projekt, fast eine Band ist, bei der Du dich wohl fühlst. Liege ich hier falsch.

Michael Kiske: Place Vendome ist auch nur ein Projekt, aber ziemlich cool; Dennis Ward ist einfach ein guter Mann. Wenn die Gitarren nicht zu nervig überverzerrt sind, finde ich das richtig gut. Aber alles muss heute immer laut und heavy sein. Ödes Spießer-Dogma ist das!

DarkScene: Wie oft treten Künstler eigentlich an Dich heran, um deine Stimme zu gewinnen. Lehnst Du viele Angebote ab. Es wurde dir vor einigen Jahren auch angeboten das Masterplan Debüt einzusingen.

Michael Kiske: Schon immer mal wieder. Leider ausschließlich Hardrock oder Metal. Aber Du kannst sicher nicht alles machen. Ich werde auch mal schauen, ob ich das nicht wieder einstelle mit den Projekten. Das geht mir teilweise doch zu sehr in eine falsche Richtung und arbeitet so irgendwie auch gegen meine eigene Musik. Eigentlich ist es ja ein gute Sache, viel Verschiedenes zu machen. Aber in meiner Situation vielleicht doch nicht.

DarkScene: Gerade in den letzten Jahren warst und bist Du jedenfalls immer öfter präsent und Dein Name immer wieder auf diversen Releases zu entdecken. Kannst du dich wieder mehr mit Teilen der Szene identifizieren als noch vor ca. zehn Jahren.

Michael Kiske: Habe ich ja oben schon erklärt: Mit der Szene kann ich mich gar nicht identifizieren; aber ich bin schon etwas entspannter, wenn es mal mehr rockt. Sollte nur nicht zu viel werden.

DarkScene: Welche Bands oder Alben der letzten Zeit haben dich wirklich beeindruckt. Wie viel kriegst du von der „Szene“ noch mit? Welche deiner musikalischen Auftritte der letzten 10-15 Jahre siehst du als besonders gelungen. Welche kannst du dir auch privat anhören und welche bereust Du.

Michael Kiske: Mich beeindruckt wenig, ich bereue nichts und höre mir kaum was davon privat an. Ich liebe heute vor allem Klassik. Beeindruckt haben mich Travis. Die sind so herrlich frei von allem Wichtig-Getue und schreiben einfach nur Super-Songs.

DarkScene: Wann und in welcher Form könnte man Michael Kiske mal wieder auf einer Bühne erleben.

Michael Kiske: Nach dem nächsten neuen Album, wenn genug verkauft wird und eine Firma eine gute Tour anbietet.

DarkScene: Auch zum Thema Glauben möchte ich noch einige Fragen stellen. Ich persönlich bin ein gläubiger Mensch (auch wenn ich diesen Glauben nicht unmittelbar mit Kirche verbinde) und habe zumindest einige deiner Aussagen der letzten Jahre durchaus mit Wohlwollen betrachtet. Auch widerstehen mir grenzwertige Idioten der elitären Black Metal Gattung oder anderer Kreise. Dennoch sehe ich für mich persönlich keinerlei Problem, trotzdem ein Metal Fan zu sein. In erster Linie zählen doch die Musik und der Spirit die rüberkommen und da kann ein AOR Rock Album genau so befriedigend sein, wie ein Death Metal Werk, kann bei mir ein Slayer Werk problemlos mit Saviour Machine in abwechselnder Rotation laufen. Was hat Dich in dieser Richtung so verbittert. Idioten gibt’s doch überall gleich viele? Du wirst ja auch sicher noch Freunde aus alten Tagen haben und wohl auch einige interessante und liebenwerte Persönlichkeiten im Metal kennen gelernt haben. Sehr viel in der Kunst ist doch eh nur Fassade.

Michael Kiske: Mancher Metal, AOR und Rock ist sicher kein Problem, aber die von Dir erwähnten satanistischen Seelenschlächter sind ein großes Problem; dass ist nämlich ein moralischer Widerspruch; Slayer verraten Jesus Christus wo sie nur können (Tom Araya ist übrigens bekennender und praktizierender Christ! Anm. Red.). Entweder wirkt man für Christus oder für den Antichristen; wir können nur einem Herrn dienen. Du musst wissen: Alle Musik bildet uns auch entsprechend. Wie Du schon sagtest: der Geist ist entscheidend! Aber der ist bei dem was Du da aufzählst sicher nicht der gleiche! Lies dazu bitte mal den "Spießer" von mir, aber auch "Nur Gedanken" (Punkt 81, 84, 91, besonders aber: 98, 98a) (zu den Büchern)

DarkScene: Was glaubst Du und wie definierst Du Glauben!

!: Siehe meine Aufsätze bitte; das geht nicht so kurz. Guter Anfang "Etwas über Agnostizismus".

DS: Wie darf man sich das Leben und Werk eines Michael Kiske heute vorstellen? Wo lebst Du, wie lebst Du und vor allem was lebst Du?

Michael Kiske: Ich versuche vor allem, mir selber treu zu bleiben. Wenn Du gut begründete Ideale hast die im Christlichen wurzeln, und Du diese nie verrätst, dann bist Du GOTT treu. Bis Du in dieser Hinsicht im Frieden mit Dir, dann ist auch Gott zufrieden mit Dir.
Wahrhaftig zu leben; das ist immer mehr mein Lebensmotto. -

DarkScene: Kann sich ein Michael Kiske von seiner Kunst ernähren. Lebst Du von deinen Gastauftritten und den Tantiemen der Helloween Werke?

Michael Kiske: Bisher ging es noch, aber lange geht das sicher nicht mehr, wenn ich weiterhin so wenige Freunde meiner Musik habe, die mich mit CD-Kauf unterstützen. Aber auch damit werde ich gut leben können, wenn es mal ganz vorbei ist. Ich brauche weder Rum noch Reichtum, um mich als Menschen zu definieren.

DarkScene: Was sind Deine Visionen?

Michael Kiske: Endlich mal wieder ohne auf den Euro (die Uhr) schauen zu müssen CDs zu produzieren und diese auch Live MEINEM Publikum zu präsentieren.

DarkScene: Du bist nun runde vierzig Jahre alt. Wie blickst Du auf Deine Karriere und Dein Leben zurück.

Michael Kiske: Sehr ereignisreich. Ich bin wirklich reich beschenkt worden und habe viel lernen dürfen! Gerade letztes Jahr erst wieder wurde ich beschenkt mit der Bekanntschaft einer Geistverwandten oder Geistesschwester Namens. Susanne Schäfer.

DarkScene: Was kann ein Michael Kiske jungen Lesern, jungen Hard Rock und Metal Fans für eine Message übermitteln:

Michael Kiske: Das Beste, was ich bisher geben konnte ist auf meiner Geisteskind Seite Seite frei zugängig. Das ist vielleicht sogar wichtiger, als meine Musik.

DarkScene: Zum Abschluss die Darkscene-Standardfragen, die wir jedem Künstler stellen

Dein Alltime Top Faves (artist/record):

Michael Kiske: Richard Wagner: "Tristan und Isolde" und der "Parcifal".

DarkScene: Deine aktuellen Top Faves 2008 (artist/record):

Michael Kiske: Travis, Tori Amos, Wagner, "Der Ring des Nibelungen" von Herbert von Karajan (Erst kürzlich wahrgenommen.)

DarkScene: Dein aktuelles Lieblingsstück (artist/record):

Michael Kiske: "Stop and stare" von One Republik.

DarkScene: Die besten fünf Alben auf denen Du mitgearbeitet hast:

Michael Kiske: Die Kiske-Alben, die "Keeper Of The Seven Keys* Alben mit Helloween.

DarkScene: Die besten fünf Songs, die Du singen durftest:

"Longing", "I Believe", "Walk Alone", "Eagle Fly Free", "Marie In The Morning+.

DS: Vielen Dank für das ausführliche Interview und viel Glück für die Zukunft!

Michael Kiske: Alles klar! Danke!
Michael Kiske
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Kommentare
Minstrel
Minstrel
10.06.08 09:01: Interessant
Danke für das interessante Interview!
Muss dem Kiske schon ein bisschen zustimmen. Engstirnig auf eine musikalische Schublade zu pochen ist einfach nur falsch. Musik ist so komplex und vielfältig, das es sehr schade wäre, wenn man sich blos auf eine Richtung einschießt und den Rest ignoriert.
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