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Cover  
Depressive Age - Electric Scum (CD)
Label: Gun Records
VÖ: 1996
Art: Classic
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DarksceneTom
DarksceneTom
(2774 Reviews)
Dass Depressive Age eine der großartigsten und zugleich unterbewertetsten Bands der 90er Jahre waren, haben wir bereits beim Classic zum "First Depression" Debüt (zum Review) ausführlich erörtert. Dass die Deutschen am Ende ihrer Tage vier makellose Alben zu Buche standen hatten, wussten wohl leider nur die die eingefleischten Musikgenießer und so scheint es nun durchaus sinnvoll, nach dem ersten Streich auch das vierte und letzte Depressive Age Album in Erinnerung zu rufen, um knapp zwanzig Jahre später vielleicht wieder einige Neugierige zu erreichen, die sich um das Schaffen dieser Ausnahmeband bemühen.

Depressive Age waren eine Band, deren Evolution man Schritt für Schritt verfolgen und nachvollziehen konnte. Ohne ihrer Grundthematik untreu zu werden, entwickelten sich die Berliner von Platte zu Platte weiter. "Lying In Wait" und "Symbols for the Blue Time" waren logische Schritte in eine zeitgemäße Zukunft, die Weiterführung des eingeschlagenen Weges. Das vierte Album war der nächste und leider letzte Paukenschlag. "Electric Scum" offenbarte mehr denn je die Nähe zu den Avantgarde-Thrashern von Anacrusis (zum Classic Review), der charismatische Gesang von Jan Lubitzki war immer noch der Mittelpunkt des Schaffens und Lethargie und Melancholie lagen dem kühlen aber dennoch sehr emotionalen Sound mehr denn je zugrunde. Depressive Age waren bei jedem Schritt ihres viel zu kurzen, aber großartigen und unverkennbaren Daseins eine der allerbesten Bands ihrer Zeit!

"Electric Scum" war eines der perfektesten Ausrufezeichen seiner Zeit, die perfekte Symbiose aus düsterem, zeitgemäßen Dark Metal, modernem Thrash und progressiver Crossover-Weltoffenheit. Dieses Album packt einen von Beginn an. Ein verstörtes Riff geleitet in den Titeltrack, bevor morbide und psychedelisch angehauchte Modern-Thrash Lavariffs und betörende Hintergrundchöre loslegen. Spannung pur! Der Opener macht keine Gefangenen und wirkt verängstigt, verstört und krank.
Depressive Age pur
. Nicht mehr so klinisch und vehement thrashig, wie am Debüt aber unfassbar dicht und atmosphärisch mit der unverkennbar kühlen Aura, den einzigartigen, völlig grenzmorbiden Vocals und voll von beklemmender Note.
Eingängig und "normal" geht anders, aber "normal" zu sein war auch nie der Anspruch dieser Band, "Electric Scum" ist genauso extravagant, bizarr und verstört, wie alle anderen Depressive Age Alben. Gleichzeitig war es aber auch der logische, nächste Schritt in der grandiosen Evolution dieser Band gewesen, die vom kalten Techno-Thrash bis zum atmosphärischen Crossover-Metal ausnahmslos mit großer Klasse überzeugte.



Mehr Beweis dafür als das treffsichere "Cairo Cabat" oder ein mit melancholischem Unterton versehenes "Remember" gibt es kaum. Hitpotential und progressive Unabhängigkeit standen sich selten so nahe wie hier. Depressive Age hätten eine der größten Bands ihrer Zeit werden sollen. Gemerkt haben das leider nur die Wenigsten und wenn ich die Berliner als die Faith No More des Deutschen 90er Jahre Thrash bezeichne, ist das ausschließlich ein Kompliment.

"Electric Scum" fesselt einen mit seiner Aura und ist noch heute ein Album ohne Makel und mein persönliches Prunkstück der Scheibe nennt sich "Teenage Temples", packt einen mit konstanter Alptraumatmosphäre und beklemmender, furchteinflößender Stimmung. Hier geht alles tief unter die Haut. Der emotionale "Companero Song", ein punkiges "Fleatherflute" mit seinem hymnischen Weltklassechorus, das saftig dampfende "Toyland Hills" oder "Sports Yells", der fette Industrial Hit mit seinen saftigen Grooves.
Schlicht großartig und völlig unabnützbar.
Ein besseres Cover zum Bronski Beat Hit "Small Town Boy" hat es trotz der starken Version von Paradise Lost ohnehin nie gegeben, zumal der "einsame" Text perfekt zur Stimmung der Deutschen passt. Nicht zuletzt deshalb ist "Electric Scum" ein rundum perfektes 90er Jahre Album, eingehüllt in einen modernen aber brettharten Sound von Rammstein Produzenten Ronald Prent und eine von vielen musikalischen Perlen, deren Glanz leider Gottes jeher von viel zu wenigen erkannt wurde.

Depressive Age hatten es mit "Electric Scum" endgültig geschafft, die Brücke zwischen progressivem Techno-Thrash und Crossover Düstermetal fernab aller Klischees zu schlagen. Trotz ihrer kühlen, morbiden Note gingen die Deutschen nie zu steril zu Werke, um ihren Alben die Lebendigkeit zu nehmen. Vielmehr geht die Kunst der Berliner noch heute tief unter die Haut und fesselt einen mit ihrem unverkennbaren und einzigartigen Charme und dem abwechslungsreichen und originellen Songwriting.

Am Ende der Rede kann man einmal mehr nur jedem einzelnen empfehlen, das Versäumte nachzuholen, oder sich auf Entdeckungsreise in die Welt von Depressive Age zu begeben. Es wird sich lohnen! Bei jedem einzelnen Album.
Dass die Karriere dieser großartigen Band nach diesem Hammeralbum, einigen sensationellen Liveshows (u.a. einer kultigen Gänsehautshow im Utopia Innsbruck 1988) und der Umbenennung in D-Age aus war, ist ohne Zweifel eine der größten Schanden der 90er Jahre…

Trackliste
  1. Electric Scum
  2. Cairo Crabat
  3. Remember (Je T'aime, Taverne Noir)
  4. Teenage Temples
  5. Small Town Boy
  6. Featherflute
  1. Toyland Hills
  2. Companero Song
  3. New Machine Wisdom
  4. Polar Athletic Son
  5. Weird Boy
  6. Sports Yells
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11.12.2003: First Depression (Classic)
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