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Flotsam And Jetsam, Dew-Scented, Izegrim
09.04.2017, Mannheim Siebener Club,  
 
Flotsam And Jetsam live und kein Ende: Es war einmal mehr ein denkwürdiges Konzertereignis, welches sich am besten durch das Bandmotto des Headliners zusammenfassen lässt: FLOTS TILL DEATH!
Alex Fähnrich
Alex Fähnrich
(6 Live-Berichte)
Flotsam And Jetsam sind eine der Bands, die eigentlich ständig auf Tour sind. Was bei einigen ihrer Kollegen dazu geführt hat, dass sie sich tot gespielt haben und keinen Hund mehr hinterm Ofen herlocken, hat Flotsam zu einer verschworen Gemeinschaft zusammengeschweißt, die live so ziemlich alles wegbläst, was heutzutage im Metal-Zirkus so kreucht und fleucht. Seitdem Mike Gilbert wieder mit von der Partie ist, läuft es nicht nur livehaftig unter Zuhilfenahme alter Klassiker von "Doomsday For The Deceiver" und "No Place For Disgrace" wieder wie geschmiert, sondern auch das aktuelle Album ist eine verdammte Abrissbirne.

Wie schon bei der letztjährigen Tour mit Destruction steigen die Amis mit "Seveth Seal" in ihr Set ein. Und wie gehabt, ist das eine gute Wahl. Warum allerdings später auch wieder "Monkey Wrench" - der für mich vielleicht schwächste Song von "Flotsam And Jetsam" - gebracht wird, ist mir ein Rätsel. Warum nicht lieber "Time To Go", für das sogar ein Video gedreht wurde oder "Taser"?! Wenigstens liegt man mit "Life Is A Mess" und "Iron Maiden" goldrichtig. Wahnsinn wie Eric die Dickinson-artigen Gesangslinien rüberbringt. Falls Bruce jemals wieder bei Maiden aussteigt und der Rest trotzdem weiter machen sollte, wäre ein Anruf bei Herrn Knutson zu empfehlen. AK ist jedenfalls heute wie immer bestens aufgelegt, auch wenn er verdammt fertig aussieht. Schließlich stellt der heutige Gig den Schlusspunkt einer extensiven Tour dar, die an dem Guten sicher nicht spurlos vorüber gegangen sein dürfte.



Ob die Flasche Whisky, die er sich auf die Bühne reichen lässt, seinen Zustand verschlimmert oder verbessert, kann nur gemutmaßt werden. Seine Performance ist jedenfalls allererste Sahne. Selbst die hohen Schreie bei "Hammerhead", "She Took An Axe" oder "Desecrator" sitzen fast wie früher. Gleichwohl sind es vor allem die Reißer von "No Place For Disgrace", die einen schier ausrasten lassen: "Dreams Of Death", "Hard On You" und "I Live You Die" werden mich irgendwann garantiert im Rollstuhl enden lassen, ganz zu schweigen von den Titelsongs der beiden Frühwerke. Leider kommen mit "Me" und "Smoked Out" nur zwei "Drift"-Kracher zum Zuge. "Empty Air" wird schmerzlich vermisst. Daran, dass außer den vier genannten Alben kein weiteres zum Zuge kommt, hat man sich ja mittlerweile gewöhnt, auch wenn man mit "Better Off Dead" auf einen der wohl besten Metalsongs des laufenden Jahrtausends verzichten muss.

Wenigstens stimmt Eric die ersten Zeilen an, als er darauf wartet, dass Drummer Jason Bittner von einem dringlichen Besuch des stillen Örtchens zurück auf die Bühne kehrt. Ansonsten ist Bittner für Flotsam And Jetsam genauso ein Glückfall wie Michael Spencer, der nicht nur durch sein Bassspiel, sondern durch seine enorme Bühnenpräsenz und seine Backing Vocals glänzt. Das Gitarrenduo Gilbert/Conely gehört eh zum Feinsten, was der Hartwursthandel derzeit hergibt. Wahnsinn, dass Mike immer noch die gleichen jugendlichen Gesichtszüge trägt wie Mitte der Achtziger als ich Flotsam zum ersten Mal auf der Tour mit Megadeth, Sanctuary und Testament sah. Lediglich seine Arme sind noch voluminöser und sein Bart wesentlich länger geworden. Die Highspeed-Duelle, die er sich mit Steve liefert, sind einfach nur atemberaubend.
In dieser Form ist Flotsam And Jetsam für mich die beste Liveband unserer Zeit. PUNKT.



Als bei der Zugabe die beiden Vorbands Dew Scented und Izegrim mit auf die Bühne kommen, wird deutlich, was sich den ganzen Abend bereits andeutete: Die Stimmung auf dieser Tour und die Chemie zwischen den Bands muss ganz hervorragend gewesen sein. Auch wenn beide Supportacts musikalisch nicht hundertprozentig zum Headliner passten, waren die Holländer von Izegrim, um Sängerin Marloes ein guter Anheizer. Die deutsche Thrash-Institution von Dew Scented hämmerte ebenfalls ein beinhartes Brett ins Gebälk des 7er Clubs. Sein Holy Terror-Shirt hätte ich Frontmann Leif Jensen allerdings am liebsten vom Leib gerissen. Hätte ich mir damals bei der Tour mit DRI auch besser kaufen sollen - damn!
Insgesamt also wieder mal ein denkwürdiges Konzertereignis, welches sich am besten durch das Bandmotto des Headliners zusammenfassen lässt: "FLOTS TILL DEATH!"



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