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Subsignal - Tiefenortung im Prog-Ozean
Subsignal - Tiefenortung im Prog-Ozean  
Subsignal ist mit "Touchstones" eines der Genre-Highlights des Jahres 2011 gelungen. Wir sprachen mit Gitarrist Markus Steffen über die neue Platte, Social Media und Tape-Trading mit Jason Newsted ...
Richman
Richman
(7 Interviews)
Der Mythos des Sisyphos. Fast ein jeder Musiker kann ein Lied davon singen. Aufgaben, die trotz großer Mühen so gut wie nie erledigt werden gibt es in diesem Geschäft ohne Ende. Gegründet im Jahre 2007 von Ex-Sieges Even Gründungsmitglied und Gitarrist Markus Steffen und Shouter Arno Menses, ist den Jungs mit "Touchstones" (zum Review) ein superbes Nachfolge-Album zu "Beautiful & Monstrous" (zum Review) gelungen. Wir baten Markus Steffen (Introbild, Mitte; zweites Bandfoto unten, zweiter von rechts) zum Interview, und loteten mit ihm die künstlerischen Tiefen der neuen Platte aus.



DarkScene: Markus, im Namen von Darkscene an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zu einem grandiosen zweiten Album. Euer Debut war ja schon saustark. Jetzt konntet ihr mit „Touchstones“ noch eins drauflegen. Wie sind die ersten Reaktionen?

Markus Steffen: Danke Richard! Die Reaktionen sind bislang überwältigend. Das war in dieser Intensität nicht zu erwarten, zumal sich die neue CD ja doch ein wenig von unserem Debütalbum unterscheidet und auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so zugänglich ist. Also: Ich bin sehr zufrieden, momentan geradezu euphorisch, da wirklich alle Räder ineinander greifen.

DarkScene: Wen wollt ihr ansprechen und wo würdest du Subsignal im Metal/Progressive Universum verorten?

Markus Steffen: Das ist wie immer eine schwierige Frage. Ich denke, dass unsere Musik für all diejenigen tauglich ist, die auf Melodien und Emotionen stehen. Für mich ist die Genrefrage dabei vollkommen nebensächlich. Natürlich: Unsre Plattenfirma und auch unsere Promoagentur muss dem Ganzen einen Stempel aufdrücken, um das Marketing in geordneten Bahnen verlaufen zu lassen. Aber für mich als Musiker ist das Schubladen denken eher hinderlich. Und ehrlich gesagt fühle ich mich in der progressiven Szene nur bedingt wohl. Zu oft bin ich gerade dort Menschen begegnet, die alles andere als offen – und Offenheit für Anderes ist für mich die Essenz progressiver Musik – waren. Wir haben sicherlich Bestandteile des Metal und des typischen Progrock in unseren Song, wenn wir schon mal die Schubladen öffnen. Aber Arno beispielsweise ist in einer ganz anderen Musikrichtung zu Hause.

DarkScene: Du wohnst und arbeitest in Wien. Arno lebt in Deutschland und Roel van Helden in den Niederlanden. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: wie sind die Songs für "Touchstones" entstanden?

Markus Steffen: Meist arbeitet einer einen neuen Song aus und schickt ihn dann an die anderen Bandmitglieder, die dann ihre Arrangements hinzufügen oder aber Verbesserungsvorschläge ausarbeiten. Manchmal arbeiten auch zwei oder drei an einem Song – etwa bei "Embers". Traditionelles Songwriting im Proberaum gibt es bei uns nicht mehr, und ehrlich gesagt vermisse ich diese Zeiten auch nicht.



DarkScene: Wie sieht deine Herangehensweise beim Komponieren aus: ‚stolperst‘ du eher intuitiv über ein Riff oder arbeitest du Sachen auf dem Papier aus?

Markus Steffen: Unterschiedlich. Oft ist es eine Melodie oder auch ein Rhythmus, die mir nicht aus dem Kopf gehen und die ich dann mit Gitarre, zuweilen auch mit dem Klavier ausarbeite. Aber ganz oft entstehen die Dinge auch ganz spontan, ungeplant und aus dem Bauch heraus. Ich erinnere mich an die Entstehung von "Wingless". Ich war da eine ganze Woche heftig krank, und als es mir endlich besser ging, griff ich zur Gitarre, die zufällig noch ein recht ungewöhnliches Tuning hatte – die E-Saite auf Es, die H-Saite auf b; also alles schön in g-moll – und das erste was ich spielte, war das Riff von "Wingless". Von da an nahm der Song seinen Lauf.

DarkScene: Bitte erzähl uns doch von den Aufnahmen. Wie und wo habt ihr aufgenommen und wie lange haben die Aufnahmen für „Touchstones“ gedauert?

Markus Steffen: Wir haben dieses Mal in unterschiedlichen Studios aufgenommen. Im Januar haben wir bereits die Oboe für den Titelsong in Dave’s Studio in München aufgenommen. Roel war dann Ende März mit den Drums bei Kristian Kohlmannslehner in den Kohlekeller Studios (wo wir bereits "Beautiful & Monstrous" produziert haben) an der Reihe. Die Gitarren und den Bass haben wir in der Nähe von München mit Kalle Wallner (Gitarrist von RPWL) aufgenommen, was sehr angenehm war. Tja, und Arno hat in Hamm (in Westfalen) mit unserem Front-Of-House-Mixer Charly Czajkowsky (der u.a. schon mit Rage gearbeitet hat) eingesungen. Gemixt und gemastered hat’s dann wieder der Kohle (Kristian Kohlmannnslehner, Produzent des Debut-Albums; Anmkg.). Ausführende Produzenten waren dieses Mal Arno, David und ich.

DarkScene: Wie darf man sich einen Studiotag bei dir vorstellen?

Markus Steffen: Vollkommen gestresst (lacht) ... Nein ehrlich, wir müssen mit einem äußerst straffen Zeitplan operieren, so dass ich mich ständig unter Druck fühle, wenn ich im Studio bin – ich wünschte mir, dass wir beim nächsten Album da etwas mehr Zeit haben. Aber dennoch bin ich vollkommen auf die Sache fokussiert. Mit Kalle war das klasse, da er ja selber ein ausgezeichneter Gitarrist ist und mir immer wieder Inputs geben konnte. Wir haben trotz der nicht immer optimalen Rahmenbedingungen gut an den Sounds arbeiten können und viele Amps und Effekte ausgetestet. Ich bin mit der Gitarrenproduktion äußerst zufrieden.

DarkScene: Was war bei den Aufnahmen zu „Touchstones“ für dich die grösste Herausforderung?

Markus Steffen: Wie gesagt: Der Faktor Zeit. Die Platte ist ja über 75 Minuten lang. Wir mussten im Vorfeld also extrem gut vorbereitet und mit Ideen was das Sounddesign u. ä. angeht gerüstet sein. Richtig herausfordernd wurde es dann mit "Wingless", der Song war eigentlich nicht für die Scheibe vorgesehen (der Song ist ja in einer anderen Version vorab auf dem "Rock for Japan"-Sampler erschienen). Kurz vor Aufnahmebeginn wurde dann entschieden, den Song doch aufzunehmen. Roel spielte dann ein vollkommen anderes Drumarrangement mit abweichender Metrik ein, auf das ich und der Rest der Band erstmal reagieren musste. Das war unter den engen zeitlichen Verhältnissen nicht so einfach – aber letztendlich ist der Song großartig geworden, wie ich finde.

DarkScene: Wer singt auf "The Lifespan Of A Glimpse" und wie ist die Kooperation zustande gekommen?

Markus Steffen: Die Dame heißt Isabel Flössel und ist eine Bekannte von Arno. Sie hat gerade eine Musicalausbildung in Frankfurt hinter sich gebracht. Nachdem Arno sie live in einem Konzert erlebt hat, hat er sich einfach gefragt, ob sie bei "Lifespan" mitmachen will, obwohl das natürlich ganz ihre Musik ist. Aber ich denke, ihr hat das dann auch gefallen. Sonst würde sie wahrscheinlich nicht mit auf Tournee kommen. Sie wird mit Arno den Song performen und auch einige Backings singen.



DarkScene: Was hat es mit dem Albumtitel auf sich und kannst du uns etwas zum Coverartwork erzählen?

Markus Steffen: Der Titel bezieht sich auf den antiken Sisyphos-Mythos, der mich ja schon auf der dritten Sieges Even Scheibe "A Sense Of Change" beschäftigt hat. Wir haben den Titel aufgrund seiner Kürze und der Exponiertheit des Songs gewählt. Textlich arbeitet sich der Track ja an existenziellen Fragen ab, und damit steht er stellvertretend für viele der Songs auf dem Album. Sieges Even Fans werden sicherlich den Bezug zu dem Song "The Waking Hours" erkennen. Das Cover versucht dann auch die Grundaussage von "Touchstones" in die Bildersprache zu übersetzen. Gemacht hat es der Thomas Ewerhard, mit dem wir bereits auf den letzten beiden Sieges Even Studioalben gearbeitet haben.

DarkScene: Wer euch letztes Jahr in Wien live gesehen hat, war buchstäblich weggeblasen vom tollen Sound und der positiven Energie auf der Bühne. Wie hast du dich/habt ihr euch auf die laufende Tour vorbereitet?

Markus Steffen: Mit Üben (lacht) ... Spaß beiseite. Die anstehende Tour ist eine neue Herausforderung, da wir einerseits noch eins auf das bereits auf den letzten Tourneen erreichte draufsetzen müssen und wir andererseits ja auch neues Material präsentieren wollen. Gerade neue Songs sind zu Anfang in Livesituationen unberechenbar. Was im Studio hervorragend funktioniert, kann auf der Bühne einen ganz anderen Eindruck machen. Aber das ist der Nervenkitzel, der uns auch antreibt. Wir werden zuerst auf dem Generation Prog Festival in Nürnberg spielen – dort noch hauptsächlich altes Material, da wir nur 50 Minuten Spielzeit haben – und danach einen Probentag für die neuen Sachen einbauen.

DarkScene: Was viele vielleicht nicht wissen, ist, dass du nicht nur einen akademischen sondern auch einen starken klassichen musikalischen Hintergrund hast. Wie kam es dazu?

Markus Steffen: Ich habe nie zwischen E- und klassischer Gitarre getrennt. Beides waren für mich stets Welten, die sich gut ergänzt und befruchtet haben. Der Grund, warum ich nach der E-Gitarre auch die Konzertgitarre lernen wollte, war der englische Gitarrist Julian Bream. Als ich zum ersten Mal seine Einspielung der 12 Etüden von Heitor Villa-Lobos gehört habe war mir klar: das will ich auch lernen. Vor allem ging es mir dabei um die Musikalität, gar nicht mal um die Virtuosität. Der Gedanke ist mir geblieben.

DarkScene: Könnt ihr von der Musik leben?

Markus Steffen: Von der Band allein sicher noch nicht, wenngleich wir schon daran verdienen. Aber ohne Jobs geht es nicht. Ich arbeite ja als Gitarrenlehrer, Roel ist Schlagzeuglehrer, David schlägt sich auch als Pianist und Klavierlehrer durch – wir drei verdienen also schon mit Musik unseren Lebensunterhalt. Arno und Ralf haben noch ganz normale Jobs.

DarkScene: Du bist jetzt schon ein Vierteljahrhundert im Geschäft. Ist es über die Jahre schwerer oder gar leichter geworden Musik zu machen?

Markus Steffen: Naja, dass die digitale Revolution alles verändert hat, ist keine Neuigkeit. Ist es schwerer geworden? Ich denke nicht. Die Rahmenbedingungen haben sich einfach geändert. Ich glaube, es ist sinnlos ständig über illegale Downloads zu räsonieren. Das Interessante ist doch, dass sich auch neue Möglichkeiten auftun. Klar bin ich nicht glücklich, wenn jemand unsere Platten runterlädt und nicht dafür bezahlt – und die Forderung, dass Musik im Internet umsonst sein muss, ist lächerlich und kann nur von Leuten stammen, die keine Ahnung haben, wieviel unbezahlte Arbeit beispielsweise in einem Album wie "Touchstones" steckt. Aber letztlich bringt das Lamentieren nichts. Entweder du passt dich an und findest neue Wege oder du lässt es sein. Und ich kann Dir aus eigener Erfahrung versichern, dass es zu alten Sieges Even Zeiten Anfang der 90er sicher nicht besser war.

DarkScene: Welche Rolle würdest du Social Media Plattformen beimessen?

Markus Steffen: Plattformen wie Facebook werden immer wichtiger. Momentan ist eigentlich nur Facebook wirklich relevant, da man im Prinzip alles dort machen kann, das für die Kommunikation zu den Hörern wichtig ist. Auch wenn man es als Privatperson nicht unbedingt mag: als Band kommst Du da nicht mehr drum herum – und ich muss sagen, dass ich die direkte Kommunikation zu den Fans sehr schätze. Twitter und Facebook machen für unsere Bedürfnisse momentan alles richtig. Die Gefahr steckt aber in der Gier. Myspace war auch einmal eine gute Plattform, bis sie zu viel Werbung draufgeklatscht und die Bedürfnisse der User vollkommen ignoriert haben. Die Subsignal my-space-Seite haben wir unlängst geschlossen.

DarkScene: Auf eurer Website habe ich gesehen, dass "Touchstones" auch in den USA rauskommen wird. Es ist vermutlich gar nicht so einfach, dort einen Vertrieb aufzustellen ... ?

Markus Steffen: Das ist richtig. Die "Beautiful & Monstrous" (zum Review) ist dort noch gar nicht offiziell erhältlich. Umso mehr freuen wir uns, dass die neue CD dort erscheinen wird. Wenn wir mit "Touchstones" hier erfolgreich sind, werden uns vielleicht auch in anderen Ländern die Türen geöffnet.

DarkScene: Bitte erzähl uns doch von deinen musikalischen Anfängen?

Markus Steffen: E-Gitarrist wollte ich werden, weil ich totaler Angus Young Fan war. Ich wollte unbedingt so eine rote Gitarre haben (lacht). Ist dann zwar keine Gibson geworden, aber immerhin haben mir meine Eltern einen Nachbau für damals ungefähr 10 DM gekauft. Durch AC/DC bin ich in die ganze Rock und Metal-Ecke gerutscht, habe Maiden und Metallica bis zum Umfallen gehört. Mit Jason Newsted war ich übrigens im Briefkontakt (da war er noch bei Flotsam & Jetsam und die Band hatte noch keinen Plattenvertrag), da er, wie auch ich, Tapetrader war. Dann ging er zu Metallica. Und als sie in München spielten, bin ich frecherweise ins Hotel von Metallica gegangen und habe verlangt mit Jason zu sprechen. Er hat sich sogar an mich erinnert und mir dann Backstagepässe organisiert. Die Geschichte erzähle ich immer wieder gerne ... (lacht). Mitte, Ende der Achtziger bin ich dann auch mit Klassik. Jazz, Fusion und Pop in Berührung gekommen und mein musikalisches Interessenfeld hat sich langsam aber sicher ausgeweitet.



DarkScene: Was rotiert bei dir gerade auf dem „Plattenteller“?

Markus Steffen: Leider habe ich momentan kaum Zeit, da ich sehr viel unterrichte und mich auf die Tournee vorbereiten muss. Aber die neue Dream Theater gefällt mir gut. Ein Jammer ist, dass sich Pure Reason Revolution aufgelöst haben – eine wirklich starke und radikale Band.

DarkScene: Verfolgst du ein wenig die Szene hier in Wien? Wie unterscheidet sich Wien in punkto „musikalischer Infrastruktur“ von München?

Markus Steffen: Für die Art von Musik, wie ich sie mache, gibt es keine guten Städte (lacht). Na gut, in München sind wir schon sehr beliebt, das ist ja meine Heimat, und auch Ralf und David wohnen dort. Aber als Mekka progressiver Musik würde ich München nicht bezeichnen. Das gilt auch für Wien, wenngleich es hier durchaus eine kleine aber feine Szene gibt. Und es gibt ja auch die Jungs von Conxious die hier oft Konzerte mit internationalen Größen veranstalten. An die Konzerte mit Sieges Even und Subsignal hier im Reigen erinnere ich mich immer gerne zurück, denn das Wiener Publikum ist schon super. Das Münchner übrigens auch (lacht).

DarkScene: Stimmt es, dass man dich demnächst mit einer neuen Gitarre auf der Bühne sehen wird?

Markus Steffen: Ja, Tonfuchs Guitars – das ist ein kleiner, exklusiver Betrieb aus Deutschland – baut mir gerade eine 7-saitige Gitarre. Einen sechsaitigen Prototyp habe ich bereits ausgiebig getestet. Der Gitarrenbauer Uwe Schölch steht hinter Tonfuchs, ein wirklich engagierter Mensch mit Ideen. Ich bin gespannt auf das Endresultat. Der Prototyp lässt sich jedenfalls wunderbar spielen, zumal das Instrument angenehm leicht ist. Auf der kommenden Tour habe ich nur den Prototypen dabei – die Siebensaiter wird voraussichtlich im November fertig sein.

DarkScene: Wie geht es jetzt bei euch weiter?

Markus Steffen: Touren, Promo, Songs schreiben, wie immer (lacht). Wenn sich "Touchstones" gut entwickelt, und danach sieht es momentan aus, dann werden wir sicherlich viel unterwegs sein. Aber der Fokus liegt jetzt erstmal auf dem Release und der ersten Shows in Deutschland sowie auf dem Progpower Festival in Holland.

DarkScene: Vielen lieben Dank und alles Gute für die Zukunft.
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